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Porträt

Peer Meter

19. März 2020

Graphic Novels sind eine ganz eigene Form der Literatur – und sie werden immer beliebter. In Deutschland gibt es nur einige wenige Comic-Szenaristen. Einer von ihnen stammt aus Bremen. Der Schriftsteller Peer Meter lebt und schreibt in Worpswede – und dort hat Kerstin Burlage ihn besucht.

Peer Meter [Quelle: Radio Bremen, Kerstin Burlage]
Peer Meter [Quelle: Radio Bremen, Kerstin Burlage]

Besuch bei Peer Meter, Comicautor [4:34 Minuten]

Tee mit Peer Meter

Peer Meter – kurzgeschorenes weißes Haar, freundliche Augen – ist von der unkomplizierten Sorte. In seiner Küche hängt eine ganze Galerie gerahmter Comic-Zeichnungen, viele davon wirken wie echte Antiquitäten aus den 50er Jahren.

Ich bin seit meinem achten Lebensjahr von dem Virus "Comic" befallen und es hat mich nie wieder verlassen.

Peer Meter

Damals, in den 60ern, hat er auch selbst welche gezeichnet, in den 70er Jahren war er Mitbegründer des kleinen Verlags Com-Mix. Später hat er die Bremer Literaturzeitschrift "Stint" mit ins Leben gerufen. Denn irgendwann war für ihn klar, dass er als freier Schriftsteller arbeiten möchte. Gedichte, Romane, Drehbücher und ein Sachbuch hat er seitdem geschrieben –  und immer wieder auch Szenarien für Comics. Denn im Comic habe er Möglichkeiten wie in keinem anderen Medium, sagt Peer Meter.

Gute Zeichner*innen sind wichtig

Allerdings ist es für den 64-Jährigen nicht immer einfach, Zeichner*innen zu finden. Viele sind von der Idee, eine Graphic Novel zu machen, zwar zunächst begeistert, erzählt er. Sie fangen an zu zeichnen…..

….und dann hören sie auf, weil sie sehen, dass sie das einfach psychisch und physisch gar nicht schaffen können. Sie sehen dann erst, wie viel Arbeit es macht, einen Comic zu zeichnen. Und es gibt kaum Geld dafür.

Trotzdem gab es immer wieder tolle Kooperationen mit verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern gegeben, sagt Meter, unter anderem mit der Hamburger Zeichnerin Isabelle Kreitz. Mit ihr hat er den Comic "Haarmann" über den gleichnamigen Serienmörder gemacht. Das Buch ist 1990 erschienen.

Graphic Novel "Böse Geister". [Quelle: Radio Bremen]
In "Böse Geister" wird der Protagonist von seiner Vergangenheit eingeholt.
Und Barbara Yelin war ganz begeistert von meinem Gesche Gottfried-Szenario, "Gift" heißt diese Grafic Novel. Und dann kam eben noch der David von Bassewitz dazu – es ist eine Serienmörder-Trilogie – und dann habe ich ja die wunderbare Gerda Reith aus Leipzig, die beim tollen Comic "Böse Geister", dieses Szenario umgesetzt hat ...

Peer Meter

…in dem es um einen Jungen im Nachkriegs-Bremen geht, der verrückt nach Comics ist. Über seine drei Szenarien zu Serienmördern sagt Peer Meter:

In der Trilogie war mir bei jedem Comic wichtig, die Gesellschaft zu zeigen: Wie ist die Gesellschaft damit umgegangen? Und vor allen Dingen auch zu zeigen, dass die Gesellschaft es jedes Mal zugelassen hat.
Buchcover: Beethoven – Unsterbliches Genie [Quelle: Carlsen Verlag]
Peer Meter, Rem Broo: Beethoven – Unsterbliches Genie, Carlsen Verlag, 2020 [Quelle: Carlsen Verlag]

Ein neuer Comic über Beethoven

Die Gesellschaft hat den Schriftsteller auch bei seinem aktuellen Buch ganz besonders interessiert: Gerade ist seine Graphic Novel "Beethoven – unsterbliches Genie" erschienen, die er zusammen mit dem rumänischen Zeichner Rem Broo umgesetzt hat. Die beiden zeigen Ludwig van Beethoven darin mal aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel:

Wer so geniale Musik komponiert, kann als Mensch nicht ein liebreizender Kerl sein, sondern das ist eben auch ein ganz schwieriger Mensch gewesen, das ist ja ganz klar. Und das wollte ich über die Gesellschaft zeigen: Wie die das gar nicht versteht, wie die meint, ihn permanent belästigen zu können. Und wie jeder versucht, ein Stück von Beethovens Sonne abzubekommen.

Peer Meter

Tolle Zusammenarbeit

Mit viel schwarzem Humor wird die genauso gierige wie verlogene Gesellschaft gezeigt. Rem Broo hat die Geschichte sehr aufwendig gezeichnet – vielfarbig, mit spannenden Stilbrüchen und witzigen Neben-Szenen.

Rem Broo hat das brillant umgesetzt, um nicht zu sagen, genial. Und er hat die ganzen kleinen Gags in meinem Szenario noch zeichnerisch verfeinert. Mir ist immer wichtig: Die Kreativität des Zeichners muss in das Werk einfließen.

Infos:
Der Comic "Beethoven – unsterbliches Genie" von Peer Meter und Rem Broo ist im Carlsen-Verlag erschienen, 144 Seiten, 22 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. März 20209, 14:50 Uhr

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