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Buch-Tipp

Pablo

29. Oktober 2018

"Pablo" – so heißt das Werk über das Leben des jungen Pablo Picasso in Paris – und es ist selbst ein Kunstwerk: eine Graphic Novel, gezeichnet vom französischen Comickünstler Clément Oubrerie und getextet von der Theaterdramaturgin und Regisseurin Julie Birmant. Das Buch ist ein Sammelband, bestehend aus vier Teilen – ein ziemlicher Comic-Wälzer also.

Cover: Clément Oubrerie, Julie Birmant, Pablo – Gesamtausgabe, Reprodukt [Quelle: Reprodukt]
Clément Oubrerie, Julie Birmant, Picasso 4: Pablo, Reprodukt [Quelle: Reprodukt]

Ein Buch-Tipp von Kerstin Burlage:
Clément Oubrerie: Pablo [3:57 Minuten]

Bremen Zwei: Bist Du beim Lesen dem Künstler Pablo Picasso näher gekommen?

Kerstin Burlage: Ja, absolut. Das ist das Tolle am Comic im Gegensatz zur normalen, geschriebenen Biographie: Das ist wie ein Film und man konnte so richtig eintauchen und Pablo Picasso kennenlernen. Ich habe gemerkt, dass der Comicmacher sich intensiv mit seinen Bildern auseinandergesetzt hat und mir damit Picassos Bilder näherbringt. Clément Oubrerie hat diesen Comic auf eine Art und Weise gezeichnet, die eigentlich an das Paris um 1900 erinnert. Manchmal musste ich an die berühmten Bilder von Montmartre von Henri de Toulouse-Lautrec denken. Das alles hat er in aquarellierten Zeichnungen gemacht – das ist ein richtiges Comic-Kunstwerk über Pablo Picasso, seinen Charakter und das Leben um 1900.                     

Bremen Zwei: Was hast Du darüber erfahren?

Kerstin Burlage: Pablo Picasso war ja erst alt 19 Jahre als er von seinem Heimatland Spanien nach Paris kam. Also noch ein Teenager voller Tatendrang, der in die Künstlerszene einsteigen wollte. Das hat auch relativ gut geklappt: Er ist in das Viertel Bateau-Lavoir auf dem Montmartre gezogen. Er zog in ein heruntergekommenes Haus, wo sich ganz viele Kunstschaffenden eingenistet hatten. Er arbeitete und schlief in seinem Atelier - dort hat er viel gemalt und gezeichnet. Nebenbei hat er noch Party gemacht und Drogen haben auch eine Rolle gespielt – wie sich das so gehört in dem Alter. Das alles erlebt man sehr nah mit. Unter anderen weil die Person, die die Geschichte erzählt, seine damalige Lebensgefährtin Fernande Olivier ist. Sie hat damals ihr Geld als Model für die Künstler in Paris verdient und so Pablo kennengelernt. Fernande erzählt die Geschichte der beiden im Rückblick.

Bremen Zwei: Das heißt man lernt den jungen Picasso als Künstler und als Lebensgefährten kennen?

Kerstin Burlage: Genau. Und das macht es auch spannend, weil man ihn durch Fernande Oliviers Perspektive so hautnah erlebt. Wie er sie zeichnet, durch die verschiedenen künstlerischen Phasen geht und am Ende bei seinem revolutionären kubistischen Stil angelangt. Und wie er dieses Lebensgefühl damals in Frankreich einsaugt: Die Freiheit, die Freizügigkeit. Andererseits lernt mal Pablo als ganz ungestümen jungen Mann kennen, der seine Kunst über alles stellt. Das ist auch nicht immer so einfach für sie.

Bremen Zwei: Also ist "Pablo" alles in allem ein Buch, das Du empfehlen würdest?

Kerstin Burlage: Ja, KunstfreundInnen sowieso, aber auch Interessierten, die vielleicht noch nicht so viele Berührungspunkte mit Pablo Picasso hatten. Diese Graphic Novel erzählt sein Leben so leichthändig und humorvoll. Es gibt auch Schicksalsschläge, die sind dementsprechend gezeichnet, aber manchmal erinnert das einfach an eine französische Filmkomödie. Das fand ich so schön und unterhaltsam. Es ist ein schöner Weg um sich diesem großen Künstler zu nähern.

Buch-Infos:
Clément Oubrerie und Julie Birmant: Pablo. Reprodukt-Verlag, 350 Seiten, 39 Euro.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. Oktober 2018, 9:38 Uhr

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