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Buch-Tipp

Wie ich Klavierspielen lernte

14. Mai 2019

Hanns-Josef Ortheil ist einer der meist gelesenen Gegenwartsautoren und gehört zu den produktivsten deutschen Schriftstellern. In seinem neuesten Buch erzählt er von seinen Anfängen als musikalisches Wunderkind und dem Leben als Konzertpianist, das er mit Anfang 20 krankheitsbedingt aufgeben musste. Katrin Krämer hat das Buch gelesen.

Hanns-Josef Ortheil ist einer der meist gelesenen Gegenwartsautoren und gehört zu den produktivsten deutschen Schriftstellern. In seinem neuesten Buch erzählt er von seinen Anfängen als musikalisches Wunderkind und dem Leben als Konzertpianist, das er mit Anfang 20 krankheitsbedingt aufgeben musste. Katrin Krämer stellt das Buch vor. (Insel Verlag, 24 Euro)

Autor/-in: Katrin Krämer;Hilke Theessen
Länge: 4:13 Minuten
Datum: Dienstag, 14. Mai 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Das Cover zeigt ein zertrümmertes Klavier: sagt das schon etwas über diese Geschichte?

Ja, in der Tat. Das Buch endet damit, dass der Erzähler sein Instrument martialisch in Stücke haut. Er muss sein Studium in Rom abbrechen, weil die Diagnose einer Sehnenscheidenentzündung seinen Lebenstraum jäh beendet.

Hanns-Josef Ortheil schreibt ja viele Romane mit stark autobiografischem Bezug: Ist der Erzähler also auch wieder sein Alter Ego?

Ja, man kann das Buch auch als ein Stück Autobiografie lesen. Allerdings hat er die dramatische Klavierzertrümmerung dazu gedichtet. Das passt gut ins Bild: Der junge Mann, der in Raserei verfällt und kaputt haut, was ihn kaputt macht. Auch die anderen autobiografischen Ortheil-Bücher sind nicht eins zu eins. Aber die Eckdaten stimmen und man kann immer herauslesen, das sein Leben den Takt vorgibt. Auch hier steht Hanns-Josef Ortheils Geschichte im Hintergrund: Der Junge, der als Kind einer stummen Mutter, die vier Kinder verloren hat, aufgewachsen ist. Auch in diesem Buch finden sich Mutter und Kind, die den ganzen Tag schweigend verbringen... sie sitzen zusammen am Klavier und kommen sich näher. Der kleine Hanns-Josef erobert das Klavier, entwickelt sich zum musikalischen Wunderkind und geht nach Rom zur Konzertpianistenausbildung.

Liest sich die Geschichte denn interessant, auch für Leser, die Ortheils Leben nicht so genau kennen?

Ja, denn wir leiden mit einem Kind, das ein schweres Defizit hat und die Sprachlosigkeit überwindet. Ortheil ist ein Meister darin, die Leser in seine Erlebnisräume hineinzuziehen und Stimmungen wiederzugeben. Er schildert Details, so dass sie als Teile eines großen Bühnenbilds seines Lebens an Bedeutung gewinnen. Und da steht das Klavierspielen als lebensrettende Maßnahme.

Fazit

Das Buch enthält viele tolle Anekdoten und spricht literarisch aufgeschlossene Leser und natürlich auch Klavierliebhaber an.

Infos:
Hanns-Josef Ortheil: Wie ich Klavierspielen lernte, Insel Verlag, 318 Seiten, 24 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 14. Mai 2019, 9:40 Uhr

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