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Buch-Tipp

Worauf wir hoffen

11. Januar 2019

Schon das Cover weckt Aufmerksamkeit: Es ist dunkelblau und mit silberfarbenen Punkten auf einem Baum. Das Buch handelt von einer indischen Familie in den USA und es ist der Debütroman der amerikanischen Autorin Fatima Farheen Mirza. Bremen-Zwei-Reporterin Burcu Arslan hat es gelesen.

Das Buch handelt von einer indischen Familie in den USA und es ist der Debütroman der amerikanischen Autorin Fatima Farheen Mirza. Burcu Arslan stellt es vor.

Autor/-in: Burcu Arslan
Länge: 5:47 Minuten
Datum: Dienstag, 2. April 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Worum geht es?

Es geht um eine muslimische Familie indischer Herkunft, die in Kalifornien lebt. Die Familie: Das sind die Eltern und die drei Kinder, Hadia, ihre jüngere Schwester Huda und der kleine Bruder Amar. Die Kinder sind inzwischen erwachsen, und die Geschichte beginnt mit der Hochzeit von Hadia, der ältesten Schwester. Sie hat ihren Bruder Amar zu ihrer Heirat eingeladen, der vor drei Jahren den Kontakt zur Familie abgebrochen hat.

Der muslimische Glaube und die indische Herkunft sind es, die die Familie in der Fremde zusammenhält. So glaubt man. Aber die Eltern verlangen den Kindern sehr viel ab: Die strenge Religiosität und das unkritische Festhalten an Traditionen lässt den Kindern wenig Raum und nicht viele Freiheiten. Das traute Familienleben beginnt zu bröckeln, als Amar, der Sohn der Familie und der ganze Stolz der Eltern, beginnt, gegen seine Eltern aufzubegehren und an seinem Glauben zu zweifeln. Er verlässt die Familie, weil er die Nase voll hat von den Vorschriften und dem ewigen Vergleich mit seinen braven und folgsamen Schwestern. Und bei der Hochzeit treffen alle wieder aufeinander.

Rivalität und Verbundenheit

Hadia lädt ihren Bruder ein, weil sie ihn immer noch liebt und sich tief mit ihm verbunden fühlt. Auf der Hochzeitsfeier kommt es nicht zu einem Eklat, da sich alle Beteiligten zurückhalten. Aber es geht immer wieder um die Rivalität zwischen den Geschwistern, dem strengen Vater und der einfühlsamen Mutter. Die Geschwister sind eng miteinander verbunden, obwohl der Vater Amar immer wieder provoziert, indem er die Schwestern als Vorbilder herausstellt. Man fängt an, die einzelnen Familienmitglieder besser zu verstehen, weil die Autorin Mirza die Figuren aus ihrem jeweiligen Blickwinkel erzählen lässt.

Immer wieder gibt es Rückblenden, verschiedene Protagonisten erzählen die Geschehnisse aus ihrer Sicht. Das macht es manchmal auch etwas schwierig, der Geschichte zu folgen. Am Ende fasst Mirza aber die einzelnen Stränge fest zusammen zu einem Gesamtkonstrukt, einem Familienbild mit Höhen und Tiefen, wo einzelne Familienmitglieder nicht nur gut oder schlecht sind.

Fazit

Die erst 27-jährige Autorin hat es geschafft, mich in diese Familiengeschichte hineinzuziehen. Ihr Debutroman zeigt, wie eine Familie hin und hergerissen ist zwischen "halal" und "haram", dem "Erlaubten" und dem "Verbotenen", dem Guten und dem Bösen. Gleichzeitig sieht man aber auch, dass es möglich ist, beides miteinander zu vereinbaren und sowohl Amerikaner als auch gläubiger Muslim zu sein.

"Worauf wir hoffen" ist auch ein aktuelles Buch, denn es geht um Rassismus in Amerika, um die Bedeutung des Glaubens und der Religion sowie die Migration und das Ankommen und die Akzeptanz einer Familie in Amerika. Sieben Jahre hat die Autorin gebraucht, den Roman zu schreiben, und es hat sich gelohnt: "Worauf wir hoffen" war sogar auf der Bestsellerliste der New York Times.

Infos:
Fatimah Farhen Mirza: Worauf wir hoffen, dtv-Verlag, 480 Seiten, 24 Euro.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. April 2019, 15:40 Uhr

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