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Buch-Tipp

Luzies Erbe

9. September 2019

Die Dötlingerin Helga Bürster ist Hörspielautorin, hat eine ganze Reihe Regionalkrimis geschrieben und gibt Schreibkurse. Jetzt ist ihr erster Roman erschienen, "Luzies Erbe", ein Familien-Roman. Bremen Zwei Moderatorin Katrin Krämer hat das Buch schon gelesen.

Das Leben ihrer mittlerweile verstorbenen Großeltern diente Autorin Helga Bürster als Vorlage für die Geschichte, die sowohl während des Zweiten Weltkrieges als auch in der Gegenwart spielt.

Autor/-in: Helga Bürster;Hendrik Plaß
Länge: 4:23 Minuten
Datum: Montag, 9. September 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Die Geschichte

Im Mittelpunkt steht Luzie Krusenbusch, die Tochter des örtlichen Postbeamten in Dötlingen. Die Geschichte spielt während des Zweiten Weltkrieges und erzählt von einer verbotenen Liebe – nämlich der zwischen Luzie und dem polnischen Zwangsarbeiter Jurek Mazur. Verboten, weil es als "Rassenschande" galt, wenn sich eine deutsche Frau mit einem "Polacken" einließ.

Diese Verbindung und das, was daraus folgte, hat auch die nachfolgenden Generationen sehr belastet. Luzie und Jurek haben zwei Kinder bekommen, mit denen sich Luzie bis zum Kriegsende verstecken musste. Denn: Frauen, die mit einem polnischen Zwangsarbeiter verheiratet waren – und deren Kinder – galten bis in die 1960er Jahre in Deutschland als staatenlos. Sie mussten die deutsche Staatsbürgerschaft erstmal beantragen, was mit Schikanen verbunden war.

Tatsächlich liegt diesem Roman die Lebensgeschichte von Helga Bürsters Großmutter Paula zu Grunde. Sie hat zum großen Teil so stattgefunden, wobei die Autorin viel recherchieren oder dazu dichten musste  – zum Beispiel Dinge, über die in der Familie nicht gesprochen wurde.

Schweigen und Verdrängen

Helga Bürster übergibt den Erzählerinnenpart zwischendurch an Luzies Enkelin Johanne. Sie ist das Alter Ego der Autorin. Der Roman ist autobiografisch angelegt, wenn auch vieles Fiktion ist. Wie Johanne, ist auch Helga Bürster mit diesen dunklen Schatten aufgewachsen, die über der Familie lagen und sich im Grunde bis heute nicht verzogen haben. Helga Bürster wollte – wie die Roman-Johanne – immer genau wissen, was eigentlich damals passiert ist, aber niemand wollte darüber sprechen.

Das Schweigen und Verdrängen nimmt Johanne die Luft zum Atmen und das arbeitet Helga Bürster im Roman sehr überzeugend heraus. Sie wechselt permanent die Perspektive zwischen den damaligen Geschehnissen und denen der Gegenwart. Aber alles fließt wie selbstverständlich ineinander und wird zu einem großen stimmigen Ganzen.

Fazit

Der Roman ist nicht nur unglaublich berührend, sondern auch literarisch gelungen. Obwohl die Geschichte eher düster und tragisch anmutet, hat die Autorin einen überzeugenden, auch leichten Erzählton gefunden. Die Charaktere, nicht nur die Protagonisten, auch die vielen Nebenschauplätze und Nebenspieler, sind sehr plastisch beschrieben. Ein tolles beeindruckendes Buch.

Infos:
Helga Bürster: Luzies Erbe, Suhrkamp-Inselverlag, 288 Seiten, 22 Euro

Wer ist Helga Bürster? Ein Porträt

Katrin Krämer hat die Schriftstellerin besucht, dort, wo sie "Luzies Erbe" zum größten Teil geschrieben hat.

Die Dötlingerin Helga Bürster ist Hörspielautorin, hat eine ganze Reihe Regionalkrimis geschrieben und gibt Schreibkurse. Jetzt ist ihr erster Roman erschienen, "Luzies Erbe", ein Familien-Roman. Das Leben ihrer mittlerweile verstorbenen Großeltern diente als Vorlage für die Geschichte, die sowohl während des Zweiten Weltkriegs als auch in der Gegenwart spielt. Das Buch wurde vom renommierten Insel-Verlag zum Spitzentitel des neuen Herbstprogramms erklärt. Bremen Zwei Moderatorin Katrin Krämer hat die Schriftstellerin besucht, dort, wo sie "Luzies Erbe" zum größten Teil geschrieben hat. (Insel Verlag, 22 Euro)

Autor/-in: Helga Bürster
Länge: 5:05 Minuten
Datum: Sonntag, 8. September 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. September 2019, 9:40 Uhr

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