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Buch-Tipp

Lola

21. März 2019

Weibliche Helden sind selten im Krimigeschäft, noch seltener sind weiblich Schurken. Um eine solche Antiheldin geht es im aktuellen Krimi von Thriller von Melissa Scrivner Love.Gabriele Intemann hat das Buch schon gelesen.

Krimi-Autorinnen sind längst etabliert auf dem Büchermarkt. Seltener sind weibliche Helden, noch seltener sind weiblich Schurken im Krimigeschäft. Um eine solche Anti-Heldin geht es im aktuellen Krimi von Thriller von Melissa Scrivner Love Gabriele Intemann stellt das Buch vor.

Autor/-in: Gabriele Intemann;Anja Goerz
Länge: 3:57 Minuten
Datum: Donnerstag, 21. März 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Wer ist die Titelheldin "Lola"?

Sie ist die Chefin einer Gang – der "Crenshaw Six". Einer Bande, die sich in einem heruntergekommenen Vorort von Los Angeles dem Drogenhandel widmet. Von ihrer Chef-Rolle weiß aber außerhalb der Gang niemand. Alle halten ihren Freund, Garcia, für den Kopf der Bande. Das ist Lola auch ganz recht. Sie – klein und zierlich – zieht lieber aus dem Hintergrund die Fäden.

Drogenhandel in den USA – spielt da die aktuelle Diskussion unter Trump eine Rolle?

Nein, eigentlich nicht. Die Bande wird zwar von einem mexikanischen Drogenkartell beliefert, aber das ist es auch schon. Die Geschichte ist ganz aus der Innenperspektive von Lola geschrieben. Ihre Gang gerät in einen Konflikt zwischen diesem mexikanischen Drogenkartell und einem neuen Großlieferanten, der den Markt in LA erobern will. In dieser Gemengelage ergibt sich für die "Crenshaw Six" die Chance, einen großen Konkurrenten auszuschalten.

Was ist dabei die Krimi-Geschichte?

Der mexikanische Drogenring beauftragt Lolas Bande, eine Übergabe von Drogen vom neuen Händler an eine andere Drogenbande in LA zu verhindern und dabei die Drogen und das Geld sicherzustellen. Das geht jedoch schief. Der mexikanische Drogenboss ist sauer und gibt Lolas Bande drei Tage, um Geld und Drogen zu besorgen. Sonst steht Lolas Leben auf dem Spiel. Die Geschichte ist also ein Wettlauf gegen die Zeit. L9ola muss herausfinden, wo das Geld und die Drogen sind. Und wer bei der geplatzten Übergabe die Fäden gezogen hat.

Ist es ein besonderer Krimi, weil der Drogenboss eine Frau ist?

Finde ich schon, bei einem Mann wäre der Boss vermutlich einfach nur der Drogenboss. Und Lola hat diese Seite auch. Sie ist tough und weiß sich als Banden-Chefin zu behaupten. Sie bringt ihre Gegner gnadenlos um und zeigt auch ihren Kollegen gegenüber Härte, wenn sie nicht so funktionieren, wie sie sollen.

Auf der anderen Seite kümmert sich Lola noch um ihren jüngeren Bruder, führt nebenher ihrer Mutter den Haushalt, und sie zeigt ein Herz für ein kleines Mädchen, das – wie sie selbst früher – von Männern vergewaltigt wird. Also Lola hat durchaus eine reflektierte, soziale und mitfühlende Seite. Und diese Ambivalenz verleiht ihrem Charakter und der Geschichte einen Tiefgang, der bei männlichen Helden zumindest selten ist.

Istd as Buch lesenswert?

Auf jeden Fall. Der Krimi ist gut geschrieben – kurze Kapitel, spannend und schnell erzählt. Da ist der Autorin Melissa Scrivner Love mit ihrem Erstlingswerk gleich ein großer Wurf gelungen. Nicht ganz zufällig, denn Scrivner Love schreibt auch Fernseh-Drehbücher für amerikanische Serien, unter anderem für "CSI". Für "Lola" ist schon eine Fortsetzung angekündigt.

Infos:
Melissa Scrivner Love: Lola. Suhrkamp Taschenbuch, 391 Seiten, 14,95 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. März 2019, 9:40 Uhr

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