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Krimi-Tipp

Federball

1. November 2019

Eigentlich wollte John le Carré es – mit inzwischen 88 Jahren – etwas ruhiger angehen lassen. Daraus ist offenbar nichts geworden. Der Brexit zwang ihn förmlich dazu, einen weiteren Spionage-Roman zu schreiben. Bremen-Zwei-Redakteurin Gabriele Intemann hat “Federball” gelesen.

Buchcover: Federball [Quelle: Verlag Ullstein]
John le Carré: Federball, Verlag Ullstein, 2019 [Quelle: Verlag Ullstein]

John Le Carré: "Federball" [4:41 Minuten]

Ein politisches Buch

Er kann es offenbar nicht lassen. In Interviews hat er erzählt, dass er schon vor zwei Jahren mit dem Schreiben begonnen hat. Also ziemlich direkt, nachdem sein letztes Buch erschienen ist. Vor allem aber treibt ihn offenbar der Brexit so sehr um, dass die neue Geschichte einfach aus ihm heraus musste. Es geht nämlich genau darum: um den Brexit und die verfahrene Situation, in der sich Großbritannien derzeit befindet. Aber auch die USA und Trump bekommen ihr Fett weg.

Der Brexit geht dem überzeugten Europäer le Carré so sehr gegen den Strich, dass er vor kurzem die irische Staatsbürgerschaft beantragt hat und überlegt, Großbritannien zu verlassen. Passend dazu legt le Carré seinen Protagonisten sehr drastische Analysen in den Mund: Über den “blanken Irrsinn” des Brexits, “das beschissene Chaos” und in seinem Land, über den “verfluchten Narzisten” Boris Johnson, “das zehntklassige Minderheitenkabinett der Torries” – und das sind nur einige Zitate.

Zwei Handlungsstränge

Der Ich-Erzähler, Nat, ist ein in die Jahre gekommener Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes. Für den MI6 hat er jahrelang in Moskau, Prag und Tallinn gearbeitet. Inzwischen ist Nat Ende 40 und lebt wieder in London. Er wird in eine Nebenstelle des Geheimdienstes versetzt – beruflich eher ein Abstellgleis. Dort kümmert er sich um die Aktivitäten des russischen Geheimdienstes im Großraum London.

In dem zweiten Handlungsstrang  geht es um sein Hobby – das Federballspielen. Nat ist nämlich Vereinspräsident eines Badminton-Clubs. Dort wird er vom jungen Ed herausgefordert. Der spielt nicht nur gut Federball, sondern auch ein politischer Heißsporn. Und nach den Spielen treffen sich Nat und Ed immer an der Bar, um über Politik zu diskutieren. Der junge Mann gibt seinen Beruf mit “Rechercheur” an. Er steht damit dem Ich-Erzähler auch beruflich näher, als Nat zunächst glaubt.

Gelungen und hochaktuell

Wie immer schreibt le Carré elegant, mit witzig-ironischen Dialogen, mit sehr plastischen Charakteren und einer hintergründigen Handlung. Sein Buch kommt ohne große Action-Szenen aus und ist doch spannend bis zuletzt. Es ist schon meisterhaft, wie le Carré auf der Folie des Spionageromans die neue Unübersichtlichkeit in Zeiten von Brexit, Trump, Putin und Fake-News darstellt. Herausgekommen ist ein gelungener Roman und zugleich ein hochaktuelles Buch über die politischen Probleme unserer Zeit.

Buch-Infos:
John Le Carré: Federball. Aus dem Englischen von Peter Torberg. Ullstein Hardcover, 352 Seiten; 24 Euro.

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