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Krimi-Tipp

Asphalt-Dschungel

4. April 2019

Der Roman "Derrière les panneaux il y a des hommes" ist ein Krimi Noir von Joseph Incardona. Wortwörtlich übersetzt hieße er eigentlich: "Hinter den Schildern sind die Männer". Der deutsche Titel dagegen ist schlicht: "Asphalt-Dschungel". Ziphora Robina hat die deutsche Übersetzung gelesen.

Sex und Crime, Rachegelüste und Schuldgefühle sind in diesem gut geschriebenen Krimi spannend verpackt – in einer gelungenen Übersetzung.

Autor/-in: Ziphora Robina; Anja Goerz
Länge: 3:43 Minuten
Datum: Donnerstag, 4. April 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Wie wird aus "Hinter den Schildern sind die Männer" eigentlich "Asphalt-Dschungel"?

Als sehr freie Übersetzung kann man das sicherlich nicht bezeichnen, vielleicht klang der deutsche Titel einfach zu sperrig. Dagegen kann man sich unter "Asphalt-Dschungel" sofort etwas vorstellen. Es ist Mitte August, Ferienzeit, es ist heiß, stickig und voll auf der französischen Autobahn. Marie, ein junges Mädchen, verschwindet spurlos, während sie ihre Eltern in einer Raststätte streiten. Ist sie weggelaufen, wurde sie entführt? Die Polizei nimmt die Spur auf, es beginnt ein Rennen gegen die Zeit. Die Fahndung als Jagd auf ein potentielles Raubtier, die Autobahn als Dschungel – das ist schon ein passender Vergleich.

Asphalt-Dschungel, so heißt doch auch ein Film-noir-Klassiker aus den 1950er Jahren? Hat das Buch etwas damit zu tun?

Das ist nur Zufall. Der Film basiert auf einem anderen Buch, "The Asphalt Jungle", behandelt aber einen Raubüberfall in Chicago. In dem Buch von Joseph Incardona werden die Autobahn, ihre Raststätten und Parkplätze als kleiner Mikrokosmos dargestellt. Die Menschen, die sich hier aufhalten, arbeiten und leben, das ist eine eigene Spezies – die Fernfahrer und Prostituierten, die Reisenden, aber auch die Mitarbeiter der Raststätten. Da ist zum Beispiel Pierre, der seit Wochen Teile der Autobahn abfährt, auf der Suche nach dem Entführer seiner kleinen Tochter. Als er von der verschwundenen Marie hört, ist er sich sicher: es gibt einen Zusammenhang. Und auch die Polizei kommt zu diesem Schluss, der Täter muss sich irgendwo auf der Autobahn versteckt halten. Also beginnen sie die Jagd auf den Serientäter.

Hat die Übersetzerin Lydia Dimitrow den richtigen Ton getroffen?

Ja, der Roman wechselt zwischen sehr kurzen Sätzen und ausführlichen Beschreibungen. Dadurch wechselt auch das Tempo wie auf der Autobahn, und das hat die Übersetzerin gut aufgefangen. Die kurzen Sätze sind knapp und präzise, manchmal schlagwortartig, die langen Ausführungen dagegen poetisch, fließend. Um noch einmal auf den Originaltitel zu kommen: wenn man weiß worum es geht, nämlich einen Serientäter, der Kinder entführt, dann macht der Titel auch wieder Sinn. Hinter den Schildern sind oder lauern die Männer. Das Böse ist allgegenwärtig, sogar auf einer Autobahn-Raststätte.

Fazit

Asphalt-Dschungel ist ein guter Krimi Noir, es ist alles drin: Sex und Crime, Rachegelüste und Schuldgefühle, spannend verpackt und poetisch geschrieben, auch wunderbar übersetzt. Man blickt in diesem Krimi aber auch in psychologische Abgründe, denn Kindesentführung ist kein leichter Stoff.

Infos:
Joseph Incardona: Asphalt-Dschungel, Übersetzung: Lydia Dimitrow, Lenos Verlag, 338 Seiten, 22 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. April 2019, 9:40 Uhr

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