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Buch-Tipp

Der Kampf um die Weltordnung

4. Februar 2019

Nur wenige Monate ist es her, da wollte Matthias Herdegen Bundesvorsitzender der CDU werden. Erst im November ruderte er zurück, unterstützte schließlich die Kandidatur Friedrich Merz. Jetzt macht der renommierte Völkerrechtler der Universität Bonn erneut von sich reden, diesmal mit seinem neuen Buch. Alexander Schnackenburg hat es gelesen.

Nur wenige Monate ist es her, da wollte Matthias Herdegen Bundesvorsitzender der CDU werden. Erst im November ruderte er zurück, unterstützte schließlich die Kandidatur Friedrich Merz. Jetzt macht der renommierte Völkerrechtler der Universität Bonn erneut von sich reden, diesmal mit seinem neuen Buch. Alexander Schnackenburg stellt es vor.

Autor/-in: Alexander Schnackenburg;Hilke Theessen
Länge: 3:43 Minuten
Datum: Montag, 4. Februar 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Bremen Zwei: Was ist das Besondere an diesem Buch?

Alexander Schnackenburg: Das Buch ist besonders umständlich und verschachtelt geschrieben – aber trotzdem sehr lesenswert. Schon wegen des brisanten Themas: Das Buch handelt davon, wie sich zuletzt weltweit die Machtverhältnisse verschoben haben – und womöglich weiter verschieben. Außerdem ist es – für eine wissenschaftliche Arbeit – bestechend aktuell. Der Autor berücksichtigt beispielsweise bereits den Einfluss Donald Trumps. Auch der Syrienkrieg und der Brexit spielen eine Rolle. Herdegen glaubt, dass wir in einer Zeit des Umbruchs leben.

Bremen Zwei: Wie meint er das?

Alexander Schnackenburg: Es herrschen längst nicht mehr solch' klare Verhältnisse wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Herdegen geht davon aus, dass es heute drei Großmächte gibt: die USA, Russland und China. Vom Miteinander dieser drei Mächte hängt aus seiner Sicht die ganze Zusammenarbeit der Vereinten Nationen ab – und damit der Weltfrieden.

Bremen Zwei: Wenn es aber um ein Miteinander geht – warum schreibt er dann von einem "Kampf um die Weltordnung"?

Alexander Schnackenburg: Für Herdegen repräsentieren die USA einerseits sowie Russland und China andererseits Systeme, die kaum miteinander vereinbar sind. Daher schreibt er auch von einem "Wettbewerb der Systeme". Während er in den USA eine typische westliche Demokratie sieht, betrachtet er Russland und China als autoritäre Staaten mit imperialistischen Tendenzen. Das muss in seinen Augen zu Problemen führen.

Bremen Zwei: Welche Rolle fällt Deutschland zu?

Alexander Schnackenburg: Das ist die große Frage. Leider sagt Herdegen dazu nicht viel. Immerhin aber kritisiert er unsere derzeitige Außenpolitik – für ein CDU-Mitglied – erstaunlich scharf. Er sagt: Deutschland müsse endlich seine Rolle als europäische Führungsmacht annehmen. Zudem hält Herdegen die USA unter Trump nur noch bedingt für einen verlässlichen Partner: sowohl wirtschaftlich als auch militärisch. Darin sieht er eine ernsthafte Gefahr für uns alle.

Bremen Zwei: Allein in Trump sieht er eine Gefahr?

Alexander Schnackenburg: Nein, natürlich nicht nur in Trump. Herdegen stellt fest, dass alle Großmächte ihre Machtansprüche zuletzt sehr ruppig geltend gemacht haben. Als Beispiele nennt er etwa Russlands Annexion der Krim oder auch Chinas Gebaren im Südchinesischen Meer.

Bremen Zwei: Was kann uns in dieser aggressiven Welt, die der Autor skizziert, überhaupt noch schützen?

Alexander Schnackenburg: Der Völkerrechtler Herdegen glaubt an dieses Völkerrecht –  ebenso wie an den UN-Sicherheitsrat. Er sagt aber auch, dass die UN-Charta von 1945 immer wieder den realen Verhältnissen angepasst werden muss. Nur, solange alle Großmächte hinter der Charta stehen, ist sie wirksam, glaubt er. Macht und Recht brauchen einander. Zumindest auf lange Sicht. Davon ist Matthias Herdegen überzeugt.

Infos:
Matthias Herdegen: "Der Kampf um die Weltordnung", C.H. Beck Verlag, 291 Seiten, 21,90 Euro.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. Februar 2019, 12:40 Uhr

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