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Buch-Tipp

Der zweite Schlaf

17. Oktober 2019

Der britische Schriftsteller Robert Harris ist bekanntlich immer für einen Bestseller gut. In der Regel entführt er die Leser dabei in vergangene Epochen – nicht zuletzt, um gegenwärtige Fragen zu beleuchten. Sein neuester Thriller heißt "Der zweite Schlaf“. Gabriele Intemann stellt ihn vor.

Der britische Schriftsteller Robert Harris ist bekanntlich immer für einen Bestseller gut. In der Regel entführt er die Leser dabei in vergangene Epochen – nicht zuletzt, um gegenwärtige Fragen zu beleuchten. Sein neuester Thriller heißt „Der zweite Schlaf“. Gabriele Intemann stellt ihn vor.

Autor/-in: Gabriele Intemann;Stefanie Pesch
Länge: 4:56 Minuten
Datum: Donnerstag, 17. Oktober 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

800 Jahre in der Zukunft

Die Geschichte beginnt "im April des Jahres unseres auferstandenen Herrn 1468". Aber schon bald merkt man, dass da etwas nicht stimmt: Anachronismen tauchen auf – gebundene Bücher, Plastik, Standuhren. Es stellt sich dann heraus, dass die Geschichte in der Zukunft spielt. Und zwar nach einer großen Katastrophe, die die Menschheit um Jahrhunderte zurückgeworfen hat. Danach hat man eine neue Zeitrechnung eingeführt, die im Jahr 666 einsetzte. Deswegen ist das Jahr 1468 eines, das etwa 800 Jahre in der Zukunft liegt.

Szenerie fast wie im Mittelalter

Alle unsere technischen Errungenschaften – Strom, Autos, Handys – gibt es nicht mehr. Häuser und Infrastruktur sind zerfallen. Die meisten Menschen leben in großer Armut. Die Bevölkerung ist stark dezimiert. In England, wo das Ganze spielt, leben nur noch acht Millionen Menschen. Es herrscht die Kirche – und zwar mit drakonischen Maßnahmen: Hinrichtungen und Folter sind an der Tagesordnung. Im Prinzip: finsteres Mittelalter mit kleinen Fenstern in die Zukunft.

Darum geht es

Hauptperson ist der junge Priester Christoper Fairfax. Er wird von seinem Bischof in ein Dorf geschickt, um dort den verstorbenen Pastor zu beerdigen. Und dabei stößt er auf allerlei Ungereimtheiten. Die Frage steht im Raum, ob der Pastor ermordet wurde. Fairfax geht dem nach und stellt fest, dass sich der Pastor mit "Antiquitäten" beschäftigt hat, also mit Funden aus der Zeit vor der Apokalypse. Und das ist etwas, was die Kirche überhaupt nicht mag. Wer sich mit dieser Zeit beschäftigt, gilt automatisch als Ketzer und wird verfolgt. Das hält Fairfax aber nicht ab, das Ganze zu untersuchen – einerseits um herauszufinden, was mit dem Pastor passiert ist. Andererseits aber auch, um mehr über die Apokalypse herauszufinden.

Fazit

Sich die Zukunft der Menschheit als ein Mittelalter vorzustellen, kann etwas verwirrend sein. Durch die unterschiedliche Datierung weiß man nicht immer sofort, wo auf der Zeitachse die Geschichte gerade spielt. Gut gelungen ist das Gedankenspiel, wie verletzlich unsere Zivilisation letztendlich ist. Soziale Errungenschaften und technischer Fortschritt sind eben nicht unumkehrbar. Gelungen ist auch das Setting: fast wie ein Kammerspiel kommt die Geschichte mit ganz wenigen Personen und Orten aus. Das Finale der Geschichte könnte etwas dramatischer sein.

Infos:
Robert Harris: Der zweite Schlaf. Deutsch von Wolfgang Müller. Heyne Verlag, 416 Seiten, 22 Euro, Ebook 17,99 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. Oktober 2019, 9:40 Uhr

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