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Buch-Tipp

Ein Freitod

5. Juli 2019

Der norwegische Comic-Autor Steffen Kverneland hat in seinem Buch den Selbstmord seines Vaters verarbeitet. Das Buch hat in Norwegen viel positive Resonanz bekommen – jetzt wurde es auch ins Deutsche übersetzt. Kerstin Burlage hat das Buch gelesen und mit dem Autor darüber gesprochen.

Der norwegische Comic-Autor Steffen Kverneland hat in seinem Buch den Selbstmord seines Vaters verarbeitet. Das Buch hat in Norwegen viel positive Resonanz bekommen – jetzt wurde es auch ins Deutsche übersetzt. Kerstin Burlage stellt das Buch vor und hat mit dem Autor darüber gesprochen.

Autor/-in: Kerstin Burlage
Länge: 4:50 Minuten
Datum: Freitag, 5. Juli 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Das Thema "Suizid" ist für Steffen Kverneland sehr persönlich, da es um seinen Vater und dessen Selbstmord geht. Zu dem Zeitpunkt war Steffen Kverneland gerade 18 Jahre alt. Diese Geschichte des Vaters und die damit verbundene eigene Geschichte lässt er in seiner Graphic Novel Revue passieren. Die Bilder, mit denen er die Eindrücke, die der Vater hinterlassen hat, darstellt, sind farbig aquarellierte Zeichnungen, die sehr plastisch wirken.

Das Besondere dieser Comics: es sind Original-Familien-Fotos von Steffen Kverneland. Sie geben dem Ganzen eine große Intensität. Wir sehen den Autor als Kind und seinen Vater, der vordergründig sehr erfolgreich war, sich aber schließlich das Leben nahm.

Die Arbeit an der Graphic Novel war eine große persönliche Belastung für den Kverneland, wie er im Interview erzählte. Sie habe alte Narben wieder aufgerissen und obwohl er dachte, er hätte das Ganze eigentlich emotional gut aufgearbeitet, sei es schwer gewesen. Manchmal habe er weinend in seinem Arbeitszimmer gesessen – nicht gerade das, was Comiczeichner normalerweise machen.         

Vater-Sohn-Beziehung aufbereiten

Obwohl ihm das alles so schwerfiel, musste die Geschichte einfach aus ihm heraus, so Kverneland. Das habe auch mit seinem eigenen kleinen Sohn, den er adoptiert hat, zu tun. Es geht um das Thema Vater-Sohn-Beziehung, zum eigenen Vater aber auch zu seinem Kind. Er wollte in seinem Buch Parallelen ziehen und auch darstellen, wie Depressionen sich bei Menschen äußern können, beziehungsweise wie sie sich bei seinem Vater geäußert haben. Steffen Kverneland wollte zeigen, dass auch depressive Menschen viele Dimensionen haben: viel Licht und sehr viel Schatten.

Suizid sollte kein Tabu-Thema mehr sein

Steffen Kverneland spricht sich dafür aus, das Thema Suizid endlich offen anzuschauen. Er hat zunächst gedacht, das Buch wird ein Flop. Deshalb freut er sich umso mehr über die vielen positiven Reaktionen – auch von Lesern, die selbst Angehörige von Suizidtoten sind. Er habe den Comic aber nicht gezeichnet, um jemandem zu helfen – er sei eher ein egoistisches Projekt, wie alle seine Comics. Darüber hinaus wurde "Ein Freitod" mittlerweile auch zum "besten norwegischen Comic des Jahres" gewählt.

Infos:
Steffen Kverneland: "Ein Freitod", Avant-Verlag, aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger, 120 Seiten, 28 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 5. Juli 2019, 15:40 Uhr

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