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Krimi-Tipp

Der Revolver

24. Oktober 2019

Ein junger Mann findet bei einem Spaziergang eine Waffe, genauer gesagt: einen Revolver. Er nimmt die Waffe mit und dann ... ja, was passiert dann? Kann man eine Schußwaffe besitzen, ohne sie abzufeuern? Das ist die Grundfrage im neuesten Buch des japanischen Schriftstellers Fuminori Nakamura. Ziphora Robina hat es gelesen.

Ein junger Mann findet bei einem Spaziergang einen Revolver. Er nimmt die Waffe mit und dann ... ja, was passiert dann? Kann man eine Schusswaffe besitzen, ohne sie abzufeuern? Darum geht es in dem Krimi von Fuminori Nakamura. Ziphora Robina hat es gelesen.

Autor/-in: Ziphora Robina;Tom Grote
Länge: 3:36 Minuten
Datum: Donnerstag, 24. Oktober 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Eine besondere Gemütslage

Der Student Tooru Nishikawa ist eigentlich ein ruhiger, introvertierter Mensch. Er lebt vor sich hin, nichts berührt ihn. Er hat Freunde, sogar Affären. Aber trotzdem fühlt er sich einsam, ziellos, rastlos in einer Millionenstadt. Der Fund der Waffe elektrisiert ihn, rüttelt ihn auf.

Er entwickelt eine kuriose Besessenheit, die Waffe scheint ihn anzusprechen, ihn zu verführen. Es entsteht so etwas wie eine Beziehung zu dem Revolver. Nishikawa behandelt sie sogar besser als seine Geliebte. Der Drang, sie auch zu benutzen, sie abzufeuern, wird immer stärker. Er fragt sich, ob er stark genug sein wird oder ob es einfach vorbestimmt ist, dass er die Waffe benutzt. 

Der Autor ist selbst ein pessimistischer Mensch, das hat er in einem Interview verraten. Er ist der Meinung, dass wir alle eine dunkle Seite haben, die nur darauf wartet, an die Oberfläche zu gelangen. In seinen Büchern geht es fast ausschließlich um verlorene, ausgegrenzte Menschen, Menschen, die nur existieren, aber nicht wirklich leben. Die aber in der Gesellschaft halbwegs funktionieren, um ja nicht aufzufallen.

Übersetzung von Thomas Eggenberg

Die Übersetzung dieses Romans ist eine große Leistung. Im Japanischen gibt es viele Feinheiten und Nuancen. Ist jemand sehr höflich oder sehr direkt? Es ist für den Übersetzer von Vorteil, dass es in diesem Buch wenige Dialoge gibt, es konzentriert sich auf die Gedankengänge des Protagonisten. Und da funktioniert die Übersetzung sehr gut. Die Sprache ist präzise und schnörkellos und spiegelt die innere Distanz, die der Protagonist zu seiner Umgebung fühlt. Der Übersetzer Thomas Eggenberg hat davor schon einige Bücher des Schriftstellers übersetzt, kennt also seine Handschrift und seinen Stil.

Ein produktiver Autor

"Der Revolver" von 2003 war der Debütroman von Fuminori Nakamura, auf Deutsch sind aber zwei andere Bücher zuerst erschienen, nämlich: "Die Maske" und "Der Dieb". Insgesamt hat Fuminori Nakamura ein Dutzend Bücher verfasst, viele davon preisgekrönt. 

Fazit: Lesenswert

Es ist ein überraschender, nihilistischer Krimi Noir. Darüber hinaus ist es ein Stück weit Gesellschaftskritik und psychologische Studie, sprachlich sehr dicht und klar.

Infos:
Fuminori Nakamura: Der Revolver, Diogenes Verlag, Übersetzung Thomas Eggenberg, 192 Seiten, 22 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. Oktober 2019, 8:40 Uhr

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