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Hörbuch-Tipp

Die späteren Fahrten des Robinson Crusoe

29. Oktober 2019

Robinson Crusoe – die Geschichte um den Mann, der auf einer einsamen Insel Schiffbruch erleidet und sich dort ein neues Leben aufbaut, kennt wohl jeder. Weniger bekannt sind Teil Zwei und Teil Drei der Robinson-Crusoe-Trilogie, die Defoe nach dem Erfolg des ersten Buches schrieb. In den späteren Teilen ist Crusoe ein reicher Segler, der die Weltmeere überquert und dabei noch reicher wird. In der Reihe "Große Werke, Große Stimmen" hat Radio Bremen nun das Hörbuch zum zweiten Teil produziert. Florian Bänsch stellt es vor.

Cover: Daniel Dafoe, Die späteren Fahrten des Robinson Crusoe zu seiner Insel und rund um die Welt, Der Audio Verlag [Quelle: DAV]
Daniel Dafoe, Die späteren Fahrten des Robinson Crusoe zu seiner Insel und rund um die Welt, Der Audio Verlag [Quelle: DAV]

Hörbuch-Tipp von Florian Bänsch:
Die späteren Fahrten des Robinson Crusoe [3:08 Minuten]

Robinson Crusoe hält es nach den 27 Jahren auf seiner Insel vor Südamerika, auf der er sich einen Ureinwohner zum Diener "Freitag" macht und sich letztendlich zum König krönt, nur kurz in England aus. Kaum fünf Jahre später geht er wieder auf Reisen. Nach China, nach Russland, und zurück – auf die alte Insel.

"Die späteren Fahrten des Robinson Crusoe"

Wer glaubt, dass Crusoe sich nach Schiffbruch und Wildnis neu erfinden durfte, der irrt. "Die späteren Fahrten des Robinson Crusoe" erschienen 1719, kurz nach dem ersten Buch, auf Drängen des Herausgebers. Daniel Defoe behält seinen eher öden und gestaltlosen Erzähler bei und schickt ihn, ohne große neue Erkenntnisse, einfach nochmal auf See. Auch "Freitag" darf wieder mit. Zumindest für eine kurze Zeit.

Der gute, brave Freitag. Wir begruben ihn mit allem Anstand und großer Feierlichkeit. Er wurde in einen Sarg gelegt, und ins Meer geworfen. Elf Kanonenschüsse waren sein Salut. Also endete das Leben des dankbarsten, treuesten, biedersten und anhänglichsten Dieners, den je die Erde getragen hat.

Abenteuerroman der alten Schule

Es ist die Zeit der Besiedelung der Weltmeere durch das allmächtige British Empire. Und Crusoe, der personifizierte Kolonialismus, nimmt es eben hin. Oder eher: Tut sein Bestes, um Profit daraus zu schlagen. Trotzdem ist er der Held. Dieses Hörbuch behandelt den Text wie einen archäologischen Fund. Etwas zusammengestutzt – Daniel Defoe war ein Mann vieler, vieler Worte – aber nur behutsam abgestaubt, und ansonsten in Ruhe gelassen.

Ein Abenteuerroman der alten Schule. Neue Orte, neue Begegnungen, Inseln, Wetter, Wilde, Gold. Was es eben braucht für eine Fortsetzung. Nur keinen neuen Schiffsbruch. Michael Thomas liest, geradezu feierlich, die Hörbuchfassung. Vorgelesen ist sie besser. Manchmal hört man ihn leise die Seiten umblättern. Aber sieht vor dem inneren Auge das weite Meer.

Hörbuch-Infos:
"
Die späteren Fahrten des Robinson Crusoe zu seiner Insel und rund um die Welt", Daniel Defoe.
Gekürzte Lesung mit Michael Thomas.
Radio Bremen / DAV, 10 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. Oktober 2019, 8:40 Uhr

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