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Buch-Tipp

The President is Missing

6. Juni 2018

Wenn zwei ältere Herren zusammen ein Buch schreiben – dann löst das in der Regel keine besonderen Reaktionen aus. Es sei denn, diese beiden Senioren heißen James Patterson und Bill Clinton. "The President is missing" heißt ihr gemeinsamer Krimi, der als "das" Buchereignis 2018 angekündigt wurde.

Wenn einer der reichsten und meistbeschäftigen Autoren und ein Ex-Präsident der Vereinigten Staaten ein Buch schreiben, sorgt das für Aufmerksamkeit. Das Gemeinschaftswerk von James Patterson und Bill Clinton wurde jetzt weltweit veröffentlicht und angekündigt als "das Buchereignis 2018". Bremen-Zwei-Moderatorin und Krimikennerin Anja Goerz hat das deutschsprachige Buch in einer Nacht durchgelesen.

Autor/-in: Anja Goerz, Martin Busch
Länge: 4:51 Minuten
Datum: Montag, 4. Juni 2018
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

James Patterson ist laut Wirtschaftsmagazin Forbes der reichste und meistbeschäftige Autor, er hat – laut seiner Website – mehr als 350 Millionen Bücher verkauft. Sein Co-Autor Bill Clinton war 1993 bis 2001 immerhin Präsident der Vereinigten Staaten und hat bereits mehrere Sachbücher veröffentlicht. Der Verlag "Droemer Knaur" veröffentlicht die deutsche Ausgabe von "The President is missing" und hat unserer Kollegin Anja Goerz mitten in der Nacht ein Leseexemplar geschickt., knapp 500 Seiten Lesestoff. Es war zwar spannend, sagt Anja Goerz, aber doch eher gewöhnlicher Krimistoff, allerdings mit einigen Finessen.

Wohin verschwindet der Präsident?

Er muss aus dem Weißen Haus verschwinden, wegen einer bedrohlichen Situation. Aber für den Leser ist er natürlich die ganze Zeit da: Der Präsident ist die Hauptperson, der Erzähler. Es geht um einen Angriff auf die Vereinigten Staaten, es geht um Cyberterror, um Spionage und darum, wie ein Präsident arbeitet. Das hat James Patterson in einem Werbevideo zum Buch verraten

Es geht also um die Wichtigkeit des amerikanischen Präsidenten. Liest man die raus?

Der Leser erlebt den Kampf um seine Entscheidungen. Das Hin und Her in Situationen, in denen es eigentlich nur Pest oder Cholera gibt. Natürlich kann der Präsident einfach mal eben sagen: "Ich will den russischen Präsidenten sprechen und den deutschen Kanzler", und die werden dann eingeflogen.

Anja Goerz [Quelle: Radio Bremen]
Anja Goerz hat sich für den Clinton-Krimi die Nacht um die Ohren geschlagen.

Und die Bedrohung, die hier geschildert wird, die könnte das ganze Land lahmlegen und damit diese angesprochene Wichtigkeit natürlich auch komplett zerstören.

Liest man denn das Insider-Wissen von Bill Clinton heraus? Ist man nah dran an diesem fiktiven Präsidenten?

Ja, zum Beispiel erfahren wir, dass die Tapete im Speisezimmer, die Szenen aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zeigt, von Jackie Kennedy angebracht wurde. Betty Ford mochte sie nicht und ließ sie abnehmen. Und Carter ließ sie wieder anbringen. Manchmal sind die Beschreibungen über politische Entscheidungen für meinen Geschmack etwas zu detailliert. Aber es gibt auch ganz humorvolle Szenen, zum Beispiel als der Präsident sagt: "Ein Verbot von Sturmgewehren hat im Kongress so viel Chancen wie eine Resolution, den Reagan National Airport nach mir umzubenennen".

Gibt es auch Anspielungen auf die aktuelle Politik im und aus dem Weißen Haus?

Durchaus. "Präsident Duncan" fragt sich, wo die Zeiten geblieben sind, in denen Fakten gezählt haben. Beklagt sich bei Twitter: "Empörung schlägt Vernunft, Emotionen schlagen Fakten". Der fiktive Präsident hat Parallelen zu Bill Clinton, ist Jurist, er hat auch eine Tochter und seine Frau während des Studiums kennengelernt. Dabei steht dieser Präsident Duncan immer als sehr heldenhaft und patriotisch da. "Selbst an den schlechten Tagen kann man etwas Sinnvolles erreichen" – ist ein Zitat, dass man als Beispiel nennen kann.

Wie haben der Ex-Präsident und der Autor eigentlich zusammengefunden?

Sie wurden verkuppelt. Beide haben denselben Agenten und der fand es eine gute Idee, die beiden älteren Herren mal zusammen ein Buch schreiben zu lassen. Sie sind beide über 70 und waren beide auf ihre Art schon sehr erfolgreich. Ich glaube nicht, dass die noch irgendetwas beweisen wollen. Geldmangel jedenfalls kann kein Grund sein, Patterson hat laut Forbes allein im vergangenen Jahr über 80 Millionen Dollar verdient.

In Deutschland geht dieses Buch übrigens mit einer Auflage von 60.000 an den Start. Man habe den Abverkauf genau im Blick, um die zweite Auflage ohne Lieferengpass in den Handel zu bringen, heißt es. Im Vergleich zu anderen Neuerscheinungen ist das das Doppelte bis Zehnfache. "Das Paket" von Sebastian Fitzek soll aber auch mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren gestartet sein.

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Buchcover: The President Is Missing [Quelle: Droemer Verlag]
Bill Clinton und James Patterson: The President Is Missing, Droemer Verlag, 2018 [Quelle: Droemer Verlag]

Mir gefällt gut, dass außerordentlich viel Personal mit Frauen besetzt ist: die Stabschefin, die FBI-Direktorin, die Vizepräsidentin, die CIA-Chefin, sogar eine Auftragsmörderin gibt es. Nur aus Deutschland kommt ein Kanzler.

Insgesamt ist das wie eine "Polit-Krimi Backmischung": Ein Pfund Weißes Haus von innen, 100 Gramm amerikanische Politik für Anfänger, eine Prise prominente Autoren und vorab ganz viel Geheimnis um diese Überraschungstorte, die dann mit Wunderkerzen um Mitternacht serviert wird. Und das Sahnehäubchen ist auch schon klar: Aus der Buchvorlage soll eine Fernsehserie entstehen.

Fazit

"The President is missing" ist ein schöner Schmöker für den Sommerurlaub. Näher dran ist man sicher, wenn man sich die Biografie von Bill Clinton kauft oder den Krimi "Der Präsident" von Sam Bourne , der im vergangenen Jahr erschienen ist.

Infos:
Bill Clinton/James Patterson, "The President Is Missing", ins Deutsche übersetzt von Anke und Eberhard Kreutzer, Droemer-Verlag, 22 €. Das Hörbuch wird gesprochen von Uwe Teschner.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. Juni 2018, 16:20 Uhr

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