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Buchtipps zu Weihnachten

Bücher als Geschenk: unsere Empfehlungen

28. November 2019

Zum Verschenken und zum Selberlesen: unsere literarischen Spezialitäten, ausgewählt von der Bremen-Zwei-Redaktion. Eine Graphic Novel und Bücher über Jazz, Feminismus, das Alter und die Zukunft der Welt. Nachdenklich und hoffnungsvoll, melancholisch und witzig, kenntnisreich und berührend. In jedem Fall: Lesenswert!

ein Stapel Bücher [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]
Romane, Sachbücher, ein Krimi, ein Hörbuch und eine Graphic Novel: Unsere Empfehlungen! [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]

Posy Simmonds: "Cassandra Darke"

Kerstin Burlage [Quelle: Radio Bremen]
Ein Comic für den Gabentisch? Kerstin Burlage hätte da was.

Posy Simmonds ist in ihrer Heimat Großbritannien so etwas wie die "Grande Dame" des Comics. Eine Autorin mit einem feinen Gespür für soziale Ungerechtigkeit, die besonders häufig Frauen betrifft. Wie auch in ihrem neuen Buch "Cassandra Darke". Eine Geschichte voller Perspektivwechsel, virtous gezeichnet. Eine Empfehlung von Bremen-Zwei-Redakteurin Kerstin Burlage.

Darum geht's:

"Cassandra Darke" beschreibt die Kluft zwischen Arm und Reich, ein bisschen wie in Charles Dickens "Weihnachtsmärchen". Die 71-jährige Kunsthändlerin Cassandra Darke ist eine ungewöhnliche Frau, der die anderen egal sind – weil sie reich ist. Reich geworden durch Kunstfälschungen. Und dann ist da noch ihre Nichte Nicki, eine Performance-Künstlerin, die die Ausbeutung von Frauen zu ihrem Thema macht. Nicki wohnt bei Cassandra und arbeitet für sie – und beide Frauen sind voller Verachtung für das, was die jeweils andere tut. Doch dann brechen kriminelle Energien durch – im Leben beider Frauen – und stellen alles gefährlich auf den Kopf.

Cover "Cassandra Darke" [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]
Posy Simmonds, "Cassandra Darke", aus dem Englischen von Sven Scheer, Reprodukt, 95 Seiten, 24 Euro [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]

Ein Geschenk für ...

... alle, die richtig gut gemachte Comics lieben. Und für alle, die Freude an einer klugen, witzigen und herrlich britischen Gesellschaftsanalyse haben.

Sven Kuntze: "Alt sein wie ein Gentleman"

Anja Goerz [Quelle: Radio Bremen]
Tipp von Anja Goerz: Das Buch erst selber lesen und dann verschenken!

Das Buch ist der Nachfolger von "Altern wie ein Gentleman" des Autors und Journalisten Sven Kuntze. Bremen-Zwei-Moderatorin Anja Goerz ist von beiden Gentleman-Büchern begeistert.

Darum geht's:

In seinem aktuellen Buch beschreibt Kuntze sich als alten Menschen. Er versucht zu Beginn einzuordnen, was er da geschrieben hat und erklärt es als eine Sammlung aus Trost und Hoffnung, Vergessen, Verdrängung und Ablenkung. Und er gibt zu, dass er sich mit dem Schreiben manchmal schwer getan hat, weil er gern verdrängt, dass das Leben endlich ist, beschreibt die Verdrängung aber auch als solides Fundament im Alter, um Gegenwart und Zukunft zu bewältigen.

Buchcover "Alt sein wie ein Gentleman" [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]
Sven Kuntze, "Alt sein wie ein Gentleman – Über Würde im Alter und andere überschätzte Tugenden", C.Bertelsmann, 256 Seiten, 20 Euro. [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]

Ein Geschenk für ...

... alle, die älter sind als 40. Und vielleicht ist es die beste Idee, es erst selbst zu lesen und dann den Eltern oder der alten Tante zu schenken, damit man darüber reden kann.

Harald Welzer: "Alles könnte anders sein"

Florian Bänsch [Quelle: Radio Bremen, Florian Bänsch]
Florian Bänsch hat für Sie dieses besondere Hörbuch ausgewählt. [Quelle: Radio Bremen, Florian Bänsch]

Der Sozialpsychologe Harald Welzer ist Direktor einer Stiftung, deren Ziel die Schaffung einer offenen, zukunftsfähigen Gesellschaft ist. Und damit erklärt sich der Titel des Hörbuchs "Alles könnte anders sein". Und zwar nicht nur anders, sondern besser. Ein Hörbuch, das den Menschen wieder beibringt, sich das Träumen zu gestatten. Ein Tipp von Bremen-Zwei-Redakteur Florian Bänsch.

Darum geht's:

Alles wird schlechter, die Welt geht unter, die fetten Jahre sind vorbei. Die Zukunft lockt nicht, sie droht. Harald Welzer will mit diesem Denken Schluss machen. Ein Umdenken tut not, ein Optimismus soll es werden, ein "Realismus der Hoffnung", wie Harald Welzer es nennt. Er macht seine Utopien nicht mundgerecht, er haut sie raus, er träumt groß, er schlägt sie einem um die Ohren, bis man ihnen die nötige Aufmerksamkeit schenkt. Genau das ist Welzers Absicht, denn "das macht erheblich bessere Laune, als sich mit apokalyptischem Geraune wechselseitig zu ermuntern, nichts zu tun."

Hörbuchcover: Alles könnte anders sein [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]
Harald Welzer, "Alles könnte anders sein", Argon Verlag, 24,95 Euro. [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]

Ein Geschenk für ...

... Schwarzseher, die gerne Weißseher werden möchten. Für alle, die sich auf die Zukunft wieder freuen wollen. Und für alle, die daran glauben, dass am Ende alles gut wird.

Andrew Shaffer: Hope Never Dies

Jutta Günther [Quelle: Radio Bremen]
Jutta Günther empfiehlt einen Krimi mit besonderen Ermittlern.

Schon das Cover zeigt: Hier treten ungewöhnliche Ermittler auf. Joe Biden, ehemaliger US-Vize-Präsident am Steuer eines Cabrios. Daneben stehend, sehr entschlossen: Barack Obama, ehemaliger US-Präsident. "Ein Fall für Obama und Biden", steht noch dabei. Und die echten Obama und Biden wissen um ihre Rollen als Ermittler. Der Autor hütet sogar ein von Biden signiertes Exemplar seines Buches.

Darum geht’s:

Biden langweilt sich, nachdem er nicht mehr in Amt und Würden ist, und er ist beleidigt, weil sich sein Freund Obama nicht mehr bei ihm meldet. Doch dann wird er in den Selbstmord – oder Mord? – eines Eisenbahnschaffners verwickelt, und schließlich ermitteln beide zusammen.

Die Geschichte liest sich flott und ist gespickt mit kleinen feinen Florettstichen gegenüber der US-Gesellschaft: So genügt ein Halbsatz, um die Verwässerung der Krankenversicherung durch die neue Regierung zu geißeln, die Obama so am Herzen gelegen hatte. Oder die Drogensucht sehr vieler Menschen – etwas, das zu spät bemerkt wurde, wie der Autor seinen Biden sagen lässt. Sehr eindeutig und sehr pointiert.

Buchcover "Hope never dies" [Quelle: Radio Bremen]
Andrew Shaffer, "Hope Never Dies", Droemer Knaur, 320 Seiten, 14,99 Euro.

Ein Geschenk für …

… Fans spannender Unterhaltung, die sich mit der gegenwärtigen US-Politik nicht abfinden wollen. 

Helga Bürster: Luzies Erbe

Katrin Krämer [Quelle: Radio Bremen]
Das Bucht der Dötlinger Autorin hat Katrin Krämer beeindruckt

Helga Bürster, Jahrgang 1961, ist in Dötlingen im Landkreis Oldenburg aufgewachsen – mit dem Gefühl, das irgendetwas nicht stimmt in der Familie ihrer Mutter und Großmutter. Ihr Debütroman ist die Geschichte ihrer eigenen Familie. Bremen-Zwei-Moderatorin Katrin Krämer über "Luzies Erbe".

Darum geht's:

Eine Geschichte des Schweigens über eine Liebe, die es in der Nazizeit nicht geben durfte. Und ein Roman darüber, wie wirkmächtig Traumata auch in nachfolgenden Generationen sind. Helga Bürsters Fragen nach dem Verschwinden des Großvaters und danach, wie die Großeltern Krieg und Naziterror überlebt haben, sind unbeantwortet geblieben. "Wer fragt, hat zuviel Zeit." Das bekommt auch die Erzählerin, Luzies Enkelin Johanne, zu hören. Auch Johanne versucht, der Geschichte der Großeltern auf den Grund zu gehen. Aber das "Mazur’sche Schweigen", das stimmige Leitmotiv dieses beeindruckenden Romans, das hält sich hartnäckig. Bis heute.

Cover Luzies Erbe [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]
Helga Bürster, "Luzies Erbe", Suhrkamp-Insel, 288 Seiten, 22, 00 Euro. [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]

Ein Geschenk für…

…alle, die eine verbotene Liebe zur Zeit der Nazidiktatur erleben und erfahren wollen, wie diese Geschichte eine Familie bis in die Gegenwart begleitet.

Julia Korbik: "Stand Up: Feminismus für Alle"

Jana Wagner [Quelle: Radio Bremen, Martin von Minden]
Als Einstieg in den Feminismus empfiehlt Jana Wagner dieses Buch [Quelle: Radio Bremen, Martin von Minden]

"Stand Up" ist ein feministisches und unterhaltsames Handbuch, mit persönlichen Anekdoten, Interviews und Porträts von starken Frauen und Männern, die heute Vorbilder sind: Emma Watson, Taylor Swift, Margarete Stokowski, Sophie Passmann oder Robert Franken.

Darum geht's:

Julia Korbik hat schon 2014 das Buch "Stand Up - Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene" herausgebracht. Jetzt hat sie das Buch überarbeitet und neu veröffentlicht, mit dem neuen Titel "Stand Up – Feminismus für alle".

Klar, es geht um Feminismus: Theorien, Geschichte, knallharte Zahlen und um Feministen und Feministinnen selbst. Denn auch Männer können heutzutage Feministen sein. Feminismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, hat sein intellektuelles Image abgelegt und ist Teil der Popkultur – angeführt von Stars wie Beyoncé und Emma Watson. Doch auch wenn Feminismus heute vielleicht cooler und massentauglicher als noch vor fünf Jahren ist –  der Kampf für die Geschlechtergerechtigkeit noch nicht vorbei.

Buchcover "Stand Up" [Quelle: Radio Bremen]
Julia Korbik,"Stand Up. Feminismus für alle", Kein & Aber, 432 Seiten, 24 Euro.

Ein Geschenk für…

... Feminist*innen und alle, die es werden sollen: Papa, Mama, der große Bruder oder die beste Freundin.

Wolfram Knauer: "Play yourself, man!"

Harald Mönkedieck Moderator Nordwestradio [Quelle: Radio Bremen, Braño Tomanik]
Harald Mönkedieck hat die Zeitreise durch den Jazz in Deutschland genossen [Quelle: Radio Bremen, Braño Tomanik]

Ein umfangreiches Musik-Sachbuch über die Geschichte des Jazz in Deutschland, vom Kaiserreich bis in die Gegenwart. Ein Buch, das das Zeug zum Standardwerk hat, meint Bremen-Zwei-Musikredakteur Harald Mönkedieck.

Darum geht's:

Man reist mit dem Autor in das Berlin der 1920er Jahre, erfährt von der Bekämpfung von Swing und Jazz durch die Nationalsozialisten, erlebt den Aufbruch nach Kriegsende. Auch die Jazz-Szene in der DDR wird beleuchtet und die Gegenwart der Musik im Deutschland von heute. Der Autor ist Leiter des Darmstädter Jazzinstituts und forscht seit vielen Jahren über den Jazz. Er bietet seinen Lesern interessante Interpretationsvorschläge der Ereignisse an und tut dies in einem flüssigen und kenntnisreichen Stil, der auch gesellschaftlich-historische Zusammenhänge berücksichtigt.

Buchcover "Play yourself, Man!" [Quelle: Radio Bremen]
Wolfram Knauer: "Play yourself, man! Die Geschichte des Jazz in Deutschland", Reclam Verlag, 528 Seiten, 36 Euro

Ein Geschenk für ...

... Musikliebhaber*innen, Jazzfans und historisch Interessierte.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. Dezember 2019, 7:10 Uhr

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