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Buch-Tipp

Briefe nach Breslau

Meine Geschichte über drei Generationen

9. Juni 2020

Anita Lasker-Wallfisch ist eine der prominenten Überlebenden des Holocaust. Eine würdevolle alte Dame, die kein Blatt vor dem Mund nimmt, wenn es darum geht, zu erinnern und zu warnen, egal, ob sie vor Schülern oder vor dem Bundestag spricht. Die heute 94-jährige hat als junges Mädchen, als Mitglied des Mädchenorchesters, Ausschwitz-Birkenau und Bergen-Belsen überlebt. 1946 ging sie nach England. 1958 wurde ihre Tochter Maya geboren. Deren Erinnerungen an die eigene schwierige Kindheit und Jugend, kombiniert mit einer Aufarbeitung der Familiengeschichte, sind jetzt als Buch erschienen. Kristin Hunfeld hat es gelesen.

Anita Lasker-Wallfisch ist eine der prominenten Überlebenden des Holocaust. Die heute 94-Jährige hat als junges Mädchen, als Mitglied des Mädchenorchesters, Ausschwitz-Birkenau und Bergen-Belsen überlebt und ging 1946 nach England. 1958 wurde ihre Tochter Maya geboren und deren Erinnerungen an die eigene schwierige Kindheit und Jugend, kombiniert mit einer Aufarbeitung der Familiengeschichte, sind jetzt als Buch erschienen. Kristin Hunfeld stellt es vor.

Autor/-in: Kristin Hunfeld;Reza Vafa
Länge: 4:40 Minuten
Datum: Dienstag, 9. Juni 2020
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Langes Schweigen

Mayas Mutter Anita und deren Schwester sind Auschwitz-Überlebende. Darüber, was sie Mutter als junge Frau erlebt hat – die deutsche Vergangenheit, die Deportierung ihrer Eltern, die Zeit in Auschwitz und Bergen-Belsen – spricht sie nicht mit Maya. deren Großeltern von den Nazis ermordet wurden.

Alles Deutsche war schlecht, aber zuhause sprachen die Eltern Deutsch miteinander, was die Tochter nicht verstehen konnte. Es gab zwar Fotos von den Großeltern, die von den Nazis ermordet wurden, aber gesprochen wurde nie über sie. Die Eltern wollten die Kinder nicht belasten, und die Kinder fragten nicht nach. Erst 1988 schrieb Anita Lasker-Wallfisch ihre Geschichte für ihre längst erwachsenen Kinder auf.

Maja war ein unglückliches ängstliches Kind, das sich immer als Außenseiterin fühlte. Später tingelt sie durch das London der 70er Jahre, mit langen Nächten, Drogen, Partnern, die ihr nicht guttun, und heiratet den Sohn eines Rabbiners. Es war eine eher unglücklichen Ehe, aus der ein Sohn hervorging.

Raus aus der Opferrolle

Um das Schweigen zu überwinden, beginnt Maya Lasker-Wallfisch, die Geschichte ihrer Familie zu erforschen und schreibt gegen die Sprachlosigkeit an. Über die Briefe hat sie die Verbindung zu ihren Großeltern aufgebaut. Als Leser*innen erfahren wir viel über die Geschichte der Familie Lasker in Breslau. Die Briefe als Stilmittel funktionieren gut. Hochinteressant ist auch, wie Lasker-Wallfisch mit ihrer heutigen Erfahrung als anerkannte Psychotherapeutin auf ihre Mutter blickt. Und wie sie versteht, warum die Mutter so war, wie sie war.

Fazit

Ein Buch, das viele Leser*innen verdient.

Infos:
Maya Lasker-Wallfisch, "Briefe nach Breslau", Insel-Verlag, 250 Seiten, 24 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. Juni 2020, 12:40 Uhr

Bremen Zwei