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Krimi-Tipp

Blutbuche

7. Juni 2018

"Neuntöter" hieß der erste Band der Trilogie vom Autorenduo Ule Hansen, bestehend aus Astrid Ule und Eric T. Hansen. Jetzt erscheint Teil 2 der Emma-Carow-Reihe unter dem Titel "Blutbuche". Die Geschichte spielt wieder in Berlin, es geht aber auch nach Polen. Und was der Baum damit zu tun hat, das weiß Anja Goerz.

"Neuntöter" hieß der erste Band der Trilogie vom Autorenduo Ule Hansen, bestehend aus Astrid Ule und Eric T. Hansen. Jetzt erscheint Teil 2 der Emma-Carow-Reihe unter dem Titel "Blutbuche". Die Geschichte spielt wieder in Berlin, es geht aber auch nach Polen. Und was der Baum damit zu tun hat, d as weiß Anja Goerz.

Autor/-in: Anja Goerz;Tom Grote
Länge: 3:29 Minuten
Datum: Donnerstag, 7. Juni 2018
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Der "Neuntöter" war ein sadistischer Vogel, der seine Beute auf Dornen aufspießt. Eine "Blutbuche" klingt eher harmlos. Warum dieser Titel?

Der Baum spielt eine eine große Rolle in diesem Thriller. Denn die entführten und grausam ermordeten Frauen schreiben Briefe an die Polizei. Darin steht immer, dass sie auf den ältesten Baum Polens blicken.

Die Opfer schreiben Briefe an die Polizei und können sie abschicken? Das ist ja ungewöhnlich.

Die ERmittlerin Emma Carow arbeitet als Profiler – so hieße das in amerikanischen Krimis. In Deutschland heißt diese Abteilung Operative Fallanalyse, kurz OFA, angegliedert an das Landeskriminalamt in Berlin. Sie wird eingebunden, als die Polizei Polen um Amtshilfe bittet: Dort sind nämlich diese auf deutsch geschriebenen Briefe eingegangen mit der Bitte, sie auf der Internetseite der Polizei zu veröffentlichen. Es gibt aber zunächst weder tote Frauen noch eine Spur zu einem Entführer, nur diese Briefe. Und die Fallanalytikerin soll ein Gutachten erstellen, aus dem hervorgeht, ob diese Briefe echt sind oder ob sich da jemand einen schlechten Scherz mit der Kripo erlaubt.  

Und was steht in den Briefen?

"Helft mir, er will mich in Stücke reißen", zum Beispiel, aber auch viel Undurchsichtiges und Unzusammenhängendes, was nicht einfach zu deuten ist. Und während Emma Carol versucht, diese Briefe zu entschlüsseln, ermittelt sie auch – zusammen mit den Kollegen vom LKA. Dabei kommt sie nach Polen, in die Transgenderszene in Berlin, in ziemlich düstere Ecken der Hauptstadt und in Kontakt mit verschiedenen Männern, die dann später alle nicht gerade unverdächtig sind.  

Klingt brutal und unübersichtlich, liest sich das auch so?

Kein bisschen. Emma Carol ist eine glaubwürdige Figur. Sie kämpft mit ihrer düsteren Vergangenheit, aber auch mit den Arbeitskollegen, die sie nicht so recht einschätzen kann. Insgesamt gibt es tolle Figuren in dieser Geschichte, besondere Zugänge und Begegnungen, bei denen man sich immer fragt: Gibts das wirklich oder haben die Autoren sich das jetzt ausgedacht? Zum Beispiel eine Kneipe, in der sich Transmänner treffen, also diejenigen, die sich in dem Geschlecht, dem sie zugeordnet werden, nicht wohlfühlen. Oder ein Mann, der sich einen GPS-Chip und Leuchtdioden unter die Haut pflanzen lassen hat.

Und mir gefällt die Sprache. Kurz, knackig, auf den Punkt. Das liegt sicher daran, dass eine Deutsche und ein Amerikaner gemeinsam schreiben. Die knackige Kürze der englischen Sprache: Subjekt, Prädikat, Objekt - das macht hier manche Szene noch ein wenig spannender und noch ein bisschen schneller.

Fazit

Eine absoluter Leseempfehlung. Das Ganze ist als Trilogie geplant. Teil 1 muss man nicht gelesen haben, aber es hilft, um die zweite Geschichte dieses Thrillers zu verstehen, die mit Emma Carows Vergangenheit zu tun hat. Aber wer die Vorgeschichte nicht kennt, kann dennoch in diese absolut kurzweilige, perfekt recherchierte Geschichte eintauchen.  

Infos:
Ule Hansen: Blutbuche, Heyne Verlag, 17 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 7. Juni 2018, 9:20 Uhr

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