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Buch-Tipp

Unterm Birnbaum als Comic

3. Juni 2019

Theodor Fontane ist vor allem mit seinen Romanen "Effi Briest" und "Der Stechlin" bekannt geworden. Dass er auch einen Krimi geschrieben hat, wissen nur wenige: "Unterm Birnbaum" heißt er und diesen Stoff hat sich nun die Hamburger Comic-Autorin Birgit Weyhe vorgenommen. Für die Reihe "Die Unheimlichen" des Carlsen-Verlages hat sie diese gruselige Novelle gezeichnet, die in einem fiktiven Dorf in Brandenburg spielt. Kerstin Burlage stellt die Graphic Novel vor.

Theodor Fontane ist vor allem mit seinen Romanen "Effi Briest" und "Der Stechlin" bekannt geworden. Dass er auch einen Krimi geschrieben hat, wissen nur wenige: "Unterm Birnbaum" heißt er und aus diesem Stoff hat sich die Hamburger Comic-Autorin Birgit Weyhe vorgenommen. Für die Reihe "Die Unheimlichen" des Carlsen-Verlages hat sie diese gruselige Novelle gezeichnet, die in einem fiktiven Dorf in Brandenburg spielt. Kerstin Burlage stellt die Graphic Novel vor.

Autor/-in: Kerstin Burlage
Länge: 4:36 Minuten
Datum: Montag, 3. Juni 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Worum geht es in "Unterm Birnbaum"?

Der Wirtshausbesitzer Abel Hradschek und seine Frau Ursel sind Zugezogene im Oderbruchdorf Tschechin. Sie haben eine Außenseiterrolle: Abel trinkt und spielt und hat eine Haufen Schulden. Dann kommt ein Handlungsreisender von der Firma, bei der Abel Schulden hat. Das Ehepaar gerät in Panik. Aus lauter Angst vor Armut fassen sie den Plan, den Handlungsreisenden umzubringen, ihn beiseite zu schaffen und das ganze Dorf zu täuschen.

Wie hat Birgit Weyhe das Ganze in Bilder umgesetzt?

Faszinierend, sie hat drei Farben benutzt: schwarz, weiß und hellgrün. Ihr Stil ist sehr ausdrucksstark. Er erinnert an Drucke mit einer ostafrikanischen Formensprache. Erzählt wird diese Geschichte aus der Sicht der Mutter Jeschke. Das ist die alte Frau aus dem Nachbarhaus. Im Dorf hat sie eine Rolle zwischen weiser Frau und Hexe. Sie weiß ziemlich viel, beobachtet alles – auch Abel Hradschek. Durch diese Perspektive gesehen funktionieren die Bilder gut. Birgit Weyhe hat die Geschichte stark gekürzt. Das ist gut gelungen, deshalb ist man gleich in der Handlung drin, sieht die Strukturen im Dorf, man guckt quasi mit Mutter Jeschke aus dem Fenster und sieht den Handelnden zu, die sich immer mehr verstricken.

Das Gruselige aus Fontanes Novelle – fängt sie das in ihren Bildern gut ein?

Die Grusel-Elemente fließen überall in den Bildern ein, auch als Symbole. Zum Beispiel hat das Umschlagtuch von Ursel Hradschek ein Muster, aus dem lauter kleine Totenschädeln werden. Oder die drohende Armut: gezeichnet als furchtbare Bestie. Fontanes "Unterm Birnbaum" wurde lange als "Nebenwerk" wahrgenommen. Er war aber eigentlich seiner Zeit voraus: die Figuren sind spannend, weil er in die dunklen Seiten der menschlichen Psyche schaut. Das hat Birgit Weyhe toll umgesetzt, in ihren Bildern schwingen immer dunkle Ahnungen mit.

Eine Buchempfehlung?

Was Birgit Weyhe aus Fontanes Novelle gemacht hat, ist auf jeden Fall lesens- und anschauenswert. Nur das kleine Format des Buches hat mich persönlich nicht so überzeugt, denn gerade ihre Zeichnungen wirken in größeren Formaten viel toller. Dennoch ist es eine sehr gelungene Adaption des Fontane-Werkes.

Infos:
Theodor Fontane: "Unterm Birnbaum" als Comic, gezeichnet von Birgit Weyhe, erschienen im Carlsen Verlag in der Reihe "Die Unheimlichen", 80 Seiten, 12 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 3. Juni 2019, 12:40 Uhr

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