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Krimi-Tipp

Berlin Prepper

11. Mai 2019

Sie kann nichts mehr überraschen, denn sie sind vorbereitet: auf Krieg, Naturkatastrophen, Pandemien. "Prepper" heißen solche Menschen abgeleitet vom englischen Verb "to prepare", sich vorbereiten. Ein solcher Prepper ist Walter Noack im Krimi von Johannes Groschupf. Martina Bittermann hat das Buch gelesen.

Sie kann nichts mehr überraschen, denn sie sind vorbereitet: Auf Krieg, Naturkatastrophen, Pandemien. Prepper heißen solche Menschen abgeleitet vom englischen Verb: to prepare: sich vorbereiten. Ein solcher Prepper ist Walter Noack im Krimi von Johannes Groschupf. Martina Bittermann stellt das Buch vor.

Autor/-in: Martina Bittermann;Tom Grote
Länge: 4:48 Minuten
Datum: Donnerstag, 23. Mai 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Prepper sind Menschen, die sich auf Katastrophen vorbereiten. Wie macht das der Prepper in diesem Krimi?

Weil Menschen essen müssen, in jeder Lebenslage, spielen Lebensmittel eine besondere Rolle im Leben eines Preppers. So hortet Walter Noack Ravioli-Dosen und Bundeswehrrationen für mehrere Monate. Außerhalb seiner Wohnung hat der Prepper Depots für Geld und Papiere angelegt. Dabei hat er auch an Dinge gedacht, die man im Notfall tauschen kann: Nähnadeln, Rasierklingen, Zahnbürsten. Nachts absolviert Noack ein Fitnessprogramm, um fit zu sein für den Ernstfall. Erst läuft er, dann steigt er in die kalte Spree und krault gegen den Strom. Er betrachtet das nächtliche Berlin aus dem Wasser heraus. Eine interessante Perspektive.

Ein normales Leben ist das ja nicht?

Nicht wirklich. Dann hat Walter Noack auch noch einen besonderen Job in einer Zeitungsredaktion. Dort ist er der Content-Moderator und arbeitet – so heißt es in dem Roman "im Reich des digitalen Volkszorns". Er kümmert sich darum, dass Hassbotschaften und gewaltverherrlichende Kommentare aus den Kommentarspalten verschwinden. Das ist übles Zeug, das da täglich auftaucht: Hass auf Ausländer, Wut auf die Politik und Todesdrohungen gegen Politik, Schwule und einen Großteil der Menschheit. Eines Abends wird Noack nach seiner Schicht mit einem Baseballschläger niedergedroschen, wenige Tage später erwischt es seine Kollegin Peppa und noch einige Zeit später ist Noacks tot. Ermordet.

Jetzt kommt welcher Ermittler ins Spiel?

Johannes Groschupf kommt ohne Ermittler aus. Es geht ihm eher um eine Gesellschaftsanalyase als um Ermittlungserfolge. Sein Bild ist düster: Die Gesellschaft ist zerfressen vom Hass, dazu rechte Netzwerke, Reichs- und Wehrbürger, die sich waffenbewehrt auf einen Tag X vorbereiten, eine boomende Sicherheitsbranche und ihr zweifelhaftes Personal. Die Mischung, die der Autor da zusammenrührt, ist explosiv.

Eher eine Dystopie als ein ganz klassischer Kriminalroman? Hat Dich das überzeugt?

Einen Prepper zur Hauptfigur zu machen, und so die doch seltsam anmutende Prepper-Szene ins Licht zu rücken, das finde ich originell und habe es so bisher noch nicht gelesen. Groschupf beschreibt seinen Helden dabei keineswegs als Verrückten, sondern als jemanden, der einfach nur auf die Unwägbarkeiten des Lebens vorbereitet sein will. Ich habe das Buch auch wegen seines kühlen und schnörkellosen Stils gerne gelesen. Die Story ist zügig erzählt — bis hin zum dramatischen Finale im Newsroom der Redaktion.  

Infos:
Johannes Groschupf: "Berlin Prepper", Suhrkamp Verlag 14.95 Euro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 23. Mai 2019, 9:40 Uhr

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