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Kunsthalle Bremen

Tierischer Aufstand

200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft

22. März 2019

Esel, Katze, Hund und Hahn – die Bremer Stadtmusikanten sind weltweit bekannt und das tierische Wahrzeichen der Hansestadt. Zum 200-jährigen Jubiläum des Märchens zeigt die Kunsthalle Bremen eine Sonderausstellung.

Zum 200-jährigen Jubiläum des Märchens "Die Bremer Stadtmusikanten" zeigt die Kunsthalle Bremen eine Sonderausstellung. Eindrücke von Reporterin Mirjam Steger.

Autor/-in: Mirjam Steger
Länge: 2:50 Minuten
Datum: Samstag, 23. März 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Stapeln...

Schon vor Ausstellungsbeginn sorgt die Skulptur "Pinpointing Progress" von Maarten Vanden Eynde vor der Kunsthalle für Aufmerksamkeit.

Skulptur des belgischen Künstlers Maarten Vanden Eynde vor Kunsthalle Bremen [Quelle: Radio Bremen, Martina Raake]
Skulptur von Maarten Vanden Eynde vor der Kunsthalle [Quelle: Radio Bremen, Martina Raake]

Eigentlich hat die Skulptur des belgischen Künstlers gar nichts mit den Stadtmusikanten zu tun. Er hat sie für die Biennale in Riga kreiert. In Bremen aber weckt sie fast zwangsläufig diese Assoziation. Deshalb hat Dr. Manuela Husemann, Kuratorin der Ausstellung, das Thema Stapeln in der Ausstellung auch aufgegriffen. So werden unter anderem auch Bilder von ganz unterschiedlichen Tieren, die übereinander gestapelt sind, zu sehen sein.

Wir haben auch von Martin Creed vier Stühle, die nach oben kleiner werden, und dadurch dann auch dieses Stadtmusikantenmotiv bekommen.

Aus verschiedenen Blickwinkeln

Die Ausstellung "Tierischer Aufstand" nähert sich den Stadtmusikanten auf vielfältige Weise. Da sind zunächst die historischen Dokumente, Fotos, Bücher und Briefe aus dem Staatsarchiv, das an der Ausstellung mitgewirkt hat. Dann wird es bunt: Illustrationen, Glanzbilder, Oblaten und auch Zigarettenbildchen hinter Glas kann man bestaunen. Die Stadtmusikanten-Skulptur von Gerhard Marcks war übrigens eine Auftragsarbeit. Bevor sie in Bremens gute Stube kam, stand sie in einem Park in den Niederlanden. Das Thema des Märchens, das die Gebrüder Grimm vor 200 Jahren geschrieben haben, war eigentlich ein ziemlich ernstes, so die Kuratorin.

Die Stadtmusikanten waren ja ein Gesinde-Märchen, also haben auch sehr viel Wahres beinhaltet. Es ging darum, dass wenn man als Gesinde auf einem Hof gearbeitet hat und nicht mehr arbeitsfähig war, dass man auch ganz schnell abrutschen konnte und obdachlos werden konnte, sehr arm war.

Daher greift die Ausstellung auch diese Themen auf. Da ist beispielsweise das Werk von Gimhongsok: Riesige Plüschtiere liegen auf einem Haufen, eigentlich Plüschkostüme. Das sieht im ersten Moment irgendwie lustig aus, hat aber einen ernsten Hintergrund, wie auf der Tafel dahinter zu lesen ist.

Da erklärt er uns, dass in diesen Kostümen die Familie Tirana aus Albanien steckt, die hier nach Deutschland gekommen ist, um ein besseres Leben zu führen, so wie die Tiere im Märchen, sie arbeitet für weniger als Mindestlohn, um ihr Leben zu bestreiten. Und er fragt den Besucher damit: Find ich das in Ordnung? Sollte ich was dagegen tun?
Ansteckpin: Die Bremer Stadtmusikanten im Auto [Quelle: Staatsarchiv Bremen, Koetzle]
Ansteckpin: Die Bremer Stadtmusikanten im Auto, 1997, Sammlung Dieter Brand-Kruth [Quelle: Staatsarchiv Bremen, Koetzle]

Viele Überraschungen

Manche Exponate rütteln auf und regen zum Nachdenken an. Andere wiederum amüsieren und lassen einen schmunzeln. Auch Filme sind zu sehen: einer aus den 1930er Jahren, und auch eine russische Version der Bremer Stadtmusikanten. Altbekanntes und auch völlig Überraschendes gibt es in der Ausstellung zu entdecken. Kitsch darf natürlich nicht fehlen.

Viel Spielzeug, viele Objekte aus Glas, aus Keramik, aus Metall, wir haben Uhren, Münzen, ein Spiel, alles Mögliche, wo man die Stadtmusikanten drauf sehen kann.

"Eine klug aufgebaute Schau" [4:22 Minuten]

Kunsthalle Bremen

"Tierischer Aufstand. 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft". Öffnungszeiten: Mi bis So 10 – 17 Uhr, Di 10 – 21 Uhr
Mo geschlossen. Laufzeit: 23. März bis 1. September 2019

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 22. März 2019, 13:10 Uhr.

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