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Museen Böttcherstraße

Ich bin Ich

15. September 2019 bis 9. Februar 2020

13. September 2019

Eine Schau mit 50 Selbstbildnissen derselben Künstlerin – kann das überhaupt interessant sein? Bremen-Zwei-Kulturchef Stephan Cartier hat sich die neue Ausstellung in den Museen Böttcherstraße schon angesehen und den Kurator der Schau getroffen.

Zeichnung von Paula Modersohn-Becker. [Quelle: Museen Böttcherstraße]
Paula Modersohn-Becker: Zwei Studien zu einem Selbstbildnis, 1903/04, Kohle und Rötel auf blauem Papier, Stiftung Preussischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett, Berlin [Quelle: Museen Böttcherstraße]

Besuch der Ausstellung: "Viel zu entdecken" [4:34 Minuten]

Der Titel hört sich kindlich und hochphilosophisch zugleich an. "Ich bin ich und hoffe es immer mehr zu werden" – diesen Satz schrieb Paula Modersohn-Becker in einem Brief von 1906.

Das war in einer Phase, wo ihr Leben im Umbruch war. Sie wollte sich von ihrem Mann trennen. Sie reiste allein nach Paris. Sie wollte in Paris bleiben. Sie wollte sich dort als Künstlerin verwirklichen.

Frank Schmidt, Kurator

Und es verdeutlicht auch den inneren Konflikt der Künstlerin mit ihrer Identifikation, die nach wie vor ein Vorbild für viele Frauen ist. Die Ausstellung ist erste, die sich ausschließlich mit den Selbstbildnissen von Paula Modersohn-Becker beschäftigt. Die Werke stammen aus den Jahren 1897-1907. In diesen zehn Jahren hat sie insgesamt 65 Selbstbilder geschaffen. Für Stephan Cartier war die bewegendste Entdeckung eine frühe Zeichnung von 1897:

Da sitzt sie vor einem Spiegel, hält die Hände so hoch, als wenn sie Grimassen schneiden will und man hat den Eindruck, man ist für einen Moment mit Paula Modersohn-Becker auf einer Ebene.

Stephan Cartier, Bremen Zwei

Viel zu entdecken

Man kann in den Selbstbildnissen immer wieder eine andere Frau entdecken und auch sehen, wie Paula Modersohn-Becker eigene Aspekte dieses Selbstbildnisses in der Kunstgeschichte finden musste, so Stephan Cartier weiter, "es gab ja kaum Vorbilder". Paula Modersohn-Becker war ihrer Zeit weit voraus. Selten sei die Wandlung einer Frau so zu erleben wie in dieser Ausstellung.

Mal sieht man die verliebte junge Frau in der Frühzeit. Es gibt die strenge Kunststudentin. Es gibt eine Frau, die sich von ihrem Mann innerlich schon getrennt hat.

Stephan Cartier

Gemälde von Paula Modersohn-Becker. [Quelle: Museen Böttcherstraße]
Paula Modersohn-Becker: Selbstbildnis nach halbrechts, die Hand am Kinn, Sommer 1906, Öltempera auf Papier auf Pappe, 27 x 18,7 cm, Privatbesitz Dortmund [Quelle: Museen Böttcherstraße]

Gelungene Schau

Die Ausstellung zeigt "wirklich ganz authentisch eine Frau, die sich wandelt". Spannend sei auch, das man sehen könne wie sich diese Künstlerin bei ihren Porträts an der Renaissance-Malerei orientierte. Und man könne auch erkennen, dass vieles von dem, wofür Paula Modersohn-Becker später bekannt geworden ist, schon in der Zeit davor angelegt war, erklärt Stephan Cartier.

Es ist also eine sehenwerte Revue in einem Gesicht.
Gemälde von Paula Modersohn-Becker. [Quelle: Museen Böttcherstraße]
Paula Modersohn-Becker: Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag, 25. Mai 1906, Öltempera auf Pappe, 101,8 x 70,2 cm, Museen Böttcherstraße, Paula Modersohn-Becker Museum [Quelle: Museen Böttcherstraße]

Ich bin Ich. Paula Modersohn-Becker. Die Selbstbildnisse

Museen Böttcherstraße
15. September 2019 bis 9. Februar 2020
dienstags bis sonntags, 11-18 Uhr
montags geschlossen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 13. September 2019, 6:47 Uhr.

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