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A Folk Dancer's Journey

Mit orientalischer Kurzhalslaute auf europäischen Folkpfaden

11. Juli 2019

Nicht zuletzt dank einer Reihe preisgekrönter Einspielungen klassischer türkischer Musik gilt der Belgier Tristan Driessens als Koryphäe auf der orientalischen Kurzhalslaute namens Oud. Mit seinem aktuellen Plattenprojekt "A Folk Dancer’s Journey" beweist er, wie sehr er auch anderen volksmusikalischen Traditionen aus Europa verbunden ist.

Begonnen hatte es auf einer abenteuerlichen Reise, die der damals 15-jährige Tristan Driessens zusammen mit seiner Mutter unternahm. Zwei Jahre lang durchstreiften sie in einem von Pferden gezogen Planwagen die endlosen Weiten Spaniens. Unterwegs ergaben sich immer wieder Gelegenheiten, mit Musikern aus anderen Kulturkreisen zu kommunizieren.

Cover: Tristan Driessens, A Folk Dancer's Journey, Seyir Muzik [Quelle: Galileo Music]
Tristan Driessens, A folk dancer's journey, Seyir Muzik [Quelle: Galileo Music]

So lernte Tristan nicht nur eine Vielzahl sephardischer und arabo-andalusischer Musiktraditionen aus erster Hand kennen, vor allem verliebte er sich in die Klänge der orientalischen Kurzhalslaute Oud.

Der mit der Kurzhalslaute tanzt...

Schnell festigte sich sein Ruf in der belgischen Folk- und Weltmusikszene: Als talentierter Tänzer und mehr noch als begnadeter Musiker, der allerdings gerne unbetretene Pfade einschlug, etwa weil er mit seiner orientalischen Kurzhalslaute auch flämische Walzer, schwedische Polskas, irische Jigs oder wie hier eine Art gelassen daherkommende Mazurka intonierte.

Von 2009 bis 2012 ging er nach Istanbul, um an der Seite türkischer Meister die ottomanischen Musiktraditionen von Grund auf zu studieren. Zurück in Brüssel erlangte er einen künstlerischen Hochschulabschluss auf der Oud sowie einen musikwissenschaftlichen Master. So avancierte der heute 37-jährige Belgier nach und nach zu einem ausgewiesenen Experten klassischer türkischer Makam-Musik.

Nun legt Tristan Driessens mit "A Folk Dancer’s Journey" ein Album vor, das gewissermaßen seine musikalische Reisefreudigkeit dokumentiert. Unterstützt wird er dabei von 15 Weggefährten, darunter sehr prominente wie etwa Derya Türkan, einem Meister der Kemençe, jener kleinen birnenförmigen, mit dem Bogen gestrichenen türkischen Laute.

Ein Wanderer zwischen den Welten

Himmlische Töne, die vielleicht deswegen so anrühren, weil die Saiten zur Tonhöhenregulierung nicht mittels Fingerkuppe abgegriffen, sondern nur mit dem Fingernagel berührt werden. Die Schönheit der Melodien, die größtenteils aus Tristans Feder stammen, könnte das geneigte Publikum indes ein ums andere Mal verwirren, welches Instrument denn da gerade ertönt...

Insgesamt wird ein vielseitiges, rein akustisches Instrumentarium präsentiert, das typisch europäische Folkinstrumente wie Drehleier, Blockflöte, Traversflöte und keltische Harfe mit klassischer Violine, Cello und Kontrabass zusammenführt, dazu stoßen kaukasische Oboen, Klarinette, diverse Kurz- und Langhalslauten und ein Sammelsurium an orientalischer Percussion.

Trsitan Driessens ist ein Wanderer zwischen den Welten. Ganz natürlich ertönt da ein irischer Jig über den rhythmischen Patterns marokkanischer Gnawa-Musik. So bietet das Album eine kurzweilige Reise zwischen Orient und Okzident, die allen Beteiligten auch als Solisten Raum lässt.


Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. Juni 2019, 11:40 Uhr

Tristan Driessens A folk dancer's journey [3:39 Minuten]

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