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Living Mirage

21. Mai 2019

Im Fahrwasser von Mumford and Sons tauchten vor rund acht Jahren auch "The Head And The Heart" in der New-Folk-Szene auf. Das Sextett aus Seattle schaffte es mit hymnischen Harmoniegesängen und berückenden Melodien an die Spitze der US-Charts und in diverse Fernsehserien.

Cover: The Head and the Heart, the Head and the Heart, Reprise Records/Warner [Quelle: Reprise Records/Warner]
The Head and the Heart, the Head and the Heart, Reprise Records/Warner [Quelle: Reprise Records/Warner]

Der "Joshua Tree"-Nationalpark im Süden Kaliforniens gilt als magischer Ort. Viele berühmte Musiker kamen dort hin, um Inspiration zu finden. Genau das war im vergangenen Jahr auch der Plan von The Head And The Heart. In einem kleinen Studio, umgeben von Sand, Kakteen und Granitfelsen, durchlebten die Musiker nach eigenen Angaben eine Metamorphose, was vielleicht auch daran lag, dass das Sextett zwei Umbesetzungen hinter sich hatte. Eine junge Folk-Band auf einem Selbstfindungstrip in der Wüste - das musikalische Ergebnis heißt "Living Mirage" und ist das neue, vierte Album von The Head And The Heart.

Mal am Rande zum Kitsch

Auf ihrer neuen Platte haben The Head And The Heart ihre Liebe zu modernen Pop-Produktionen intensiviert. Songs mit schleppenden Hip-Hop-Beats und melancholischem Keyboard gibt es genauso wie Uptempo-Nummern mit euphorischen Chören und Streichern. Mit "Living Mirage" sind sie endgültig  in der perfekt produzierten Pop-Blase angekommen. Sicherlich das richtige Rezept für die Charts und die großen Stadien. Keine Frage: The Head And the Heart haben ein Gespür für Hits. Das zeigt auch ihre groovende Single "Missed Connection". Beim Hören der neuen Songs erwischt man sich mitunter beim Mitsummen. Und es gibt sie, die betörenden Melodien auf dem neuen Album. Einige Songs aber – vor allem in der Mitte der Platte – klingen dann doch ein wenig weichgespült. Indie-Pop für die Komfortzone, gern auch mal am Rande zum Kitsch.

Nur noch ein Geist der Vergangenheit

Der mehrstimmige Harmoniegesang ist und bleibt das Markenzeichen von The Head And The Heart. Intimität kommt aber durch die Hochglanz-Produktion zu selten auf. Dennoch gibt es sie: Das letzte Stück auf der Platte ist einer der stärksten Momente. Ein klassischer Folksong, angelehnt an Bob Marleys berühmten "Redemption Song". Nur Stimme und Gitarre – mehr braucht es hier nicht, um Musik zu feiern. Mehr sparsam instrumentierte, intime Songs hätten dem neuen Album von The Head And The Heart gut getan. Im "Joshua Tree"-Park wollte sich das Sextett "auf die Suche nach dem Geist der Band" machen. Herausgekommen ist ein Album, das wesentlicher poppiger klingt als seine Vorgänger. Die Magie ihres leicht schrägen, erdigen Folk-Sounds aus Anfangstagen allerdings ist nur noch ein Geist der Vergangenheit.

The Head And The Heart: Living Mirage [3:31 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. Mai 2019, 08:20 Uhr.

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