Livestream

Bremen Zwei Musik CD-Tipps

CD-Tipp

Oumniya

Bewegende Stimme aus Algerien

20. Oktober 2019

Schon vor 20 Jahren hat die heute 47-jährige, algerische Singer-Songwriterin Souad Massi Paris zu ihrer Wahlheimat auserkoren. Es folgte eine aufsehenerregende Karriere, bei der sie zu einer der bekanntesten Sängerinnen der arabischsprachigen Welt avancierte. Jetzt hat sie ihr neues Album "Oumniya" vorgestellt.

Cover: „Oumniya“ von Souad Massi. [Quelle: Nuzzcom]
Souad Massi: Oumniya [Quelle: Nuzzcom]

Vier Jahre hat sich Souad Massi seit ihrer letzten CD Zeit gelassen. Die hatte sie den großen Gelehrten der Jahrhunderte alten arabo-andalusischen Kultur gewidmet. Nun folgt mit "Oumniya", zu Deutsch "Mein Wunsch", das sechste Studioalbum der algerischen Liedermacherin. Es nimmt Themen wie Verrat, Verlogenheit und Korruption ebenso wie Freiheit, Menschenrechte und Emanzipation in den Fokus.

Weitgehend autobiographisch geprägte Texte

Ich gab Dir die Hand, Du aber hast mich erstochen, dabei war ich gerade einem Krieg entkommen [...]. Ich bot Dir Honig an, Du aber hast mich mit Herbheit überschüttet […]. Mein Herz ist kalt, ich hasse mich, ich hasse die Blumen und all‘ diese lachenden Gesichter.

Es wären nicht Souad Massis Songs, wären sie nicht ständig von Liebe, Enttäuschung und Poesie durchzogen. Doch der Schmerz über den Verrat kann ja sowohl persönliche Beziehungen wie ein ganzes Land meinen. Die weitgehend autobiographisch geprägten Texte verdienen daher eine genauere Betrachtung, auch wenn die überwiegend gefälligen, bisweilen arabesk-verspielten Arrangements anderes suggerieren.

Haften bleibt vor allem ihre bewegende Stimme, die wohilg-warm klingt. Ansonsten bewegt sich ihre Stimme in einem akustischen Singer-Songwriter-Rahmen, der aber durch nordafrikanische und Latin-Percussion, arabo-andalusische Geigenverzierungen, Flamenco-Pattern auf den Gitarren und nicht zuletzt die algerische Mandole eine besondere Prägung erfährt.

Melancholischer Blick aus dem Exil

Fast alle Songs erklingen in algerischem Dialekt, nur selten wird es mal hocharabisch, wie etwa bei einem traurigen Liebeslied aus Ägypten, bei dem der Abschiedsgruß "Salam" den herzzerreißenden Schlussstrich unter eine gescheiterte Beziehung setzt.

Und es gibt zwei französischsprachige Lieder, darunter ein bemerkenswertes aus der Feder eines franko-belgischen Autorinnenpaares Françoise Mallet-Joris & Marie-Paule Belle. Doch der Text passt so gut zum Leben von Souad Massi, als hätte sie ihn selbst geschrieben. Sie, die ihre vom Bürgerkrieg geprägte Heimat Algerien vor 20 Jahren gen Paris verließ.

Um den Geruch von frischem Brot mit Sesam oder Kreuzkümmel zu spüren, musste man in diesem Lande lange in der Schlange stehen [...]. Warum nur reimen sich dort die Wörter 'Haus' und 'Gefängnis', dessen Wächter obendrein die eigenen Nachbarn sind […]. Es gab nichts zu bedauern, also bin ich von zu Hause fortgegangen, aber Erinnerungen sind geblieben. Auch wenn ich weit weg bin, habe ich mein Geburtsland nicht verlassen.

Ein melancholischer Blick aus dem Exil auf die Heimat, den Souad Massi ergänzt durch einen Blick in den Spiegel, der zu aufrichtiger Selbstbeobachtung mahnt. Mit ihrem Album "Oumniya" kann Souad Massi ihn getrost wagen.


Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. Oktober 2019, 14:38 Uhr

Soad Massi Oumniya [3:43 Minuten]

CD-Tipps
Mehr in der Rubrik "CD-Tipps"