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Alterations

17. Februar 2020

Entdeckt wurde sie in ihrer Wahlheimat Frankreich, mit zwei Swing-Jazzalben im Bigband-Sound. Mittlerweile hat sich die Sängerin Robin McKelle von einer Interpretin zu einer Songwriterin entwickelt. Mit ihrem neuen Album jedoch geht sie zurück zum Genre "Interpretation".

CD-Cover: Alterations [Quelle: Doxie Records]
Robin McKelle: Alterations [Quelle: Doxie Records]

Ihr Repertoire

"Alterations" – auf Deutsch "Veränderung" oder "Abwandlung". Als musikalischer Fachbegriff dazu etwas ganz Konkretes: Die Änderung von Akkordtönen in Halbtonschritten. So klingt das Album von Robin McKelle in der Tat – wie ein Besuch bei guten alten Bekannten in einem neuen Haus. Ein Haus namens "Jazz".

Mit "Back To Black" von Amy Winehouse beginnt die Wahl-Pariserin aus New York ihr Album. Nicht der einzige Liebesleid-Song, der hier zu hören ist. Robin McKelle ist dabei sehr offen, ihr Repertoire reicht hier von den Heldinnen der Pop-Gegenwart zu solchen der fernen Rock- und Jazz-Vergangenheit – von Adele bis Janis Joplin. So wie auch ihre eigenen Prägungen besonders von klassischen Stimmen aus Jazz, Soul und Pop kommen.

Interessante kreative Experimente

Wenn Robin McKelle Klassiker wie Billie Holidays "Don’t Explain" singt, dann spürt man ihr Bemühen, den großen Song-Vorlagen neues abzuringen. Sie setzt dabei – getreu dem Albumtitel – auch auf innermusikalische Veränderung in allen Bereichen. Neue Rhythmen, variierte Melodien, veränderte Harmonik. Das funktioniert manchmal gut, manchmal nicht so sehr. Dolly Partons großer Eifersuchts-Song "Jolene" zum Beispiel verträgt so viel Innovation offenbar nicht so gut.

Und so ist der Hörer hin- und hergerissen. Einerseits der Respekt vor den zum Teil erheblichen kreativen Anstrengungen, die hier von der Sängerin und ihrer kleinen Crew amerikanischer Studio-Cracks unternommen wurde. Andererseits fehlt der insgesamt recht wandlungsfähigen Stimme von Robin McKelle das letzte Quentchen Persönlichkeit, um sie vom Gros vergleichbarer Sängerinnen abzuheben und sofort wiedererkennbar zu machen. Beim einzigen eigenen Song des Albums funktioniert es problemlos. "Head High" - ein Song über die zeitlose Inspiration, die für Robin McKelle von weiblichen Sanges-Idolen ausgeht.

Und so bieten die zehn Songs auf "Alterations" insgesamt zwar durchweg interessante kreative Experimente und Songs von Ewigkeitswert. Doch wenn am Ende die letzten Töne von Carole Kings Evergreen "You’ve Got A Friend" verklingen, dann bleibt das Schicksal dieses Albums unklar. Denn "Alterations" bietet ein zwar respektables, aber nur eingeschränkt bewegendes Hörerlebnis.

Robin McKelle: Alterations [3:35 Minuten]


Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 14. Februar 2020, 14:13 Uhr

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