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The Main Thing

10. März 2020

Seit gut zehn Jahren veröffentlicht die US-amerikanische Band Real Estate angenehm-fluffigen Indiepop. Und das höchst erfolgreich! In den letzten Jahren lief es allerdings weniger gut für die Formation. Mittlerweile haben sich Real Estate wieder berappelt und personell neu aufgestellt – ohne Lead-Gitarrist Matt Mondanile.

Cover: Real Estate, The Main Thing, Domino Records (Goodtogo) [Quelle: Domino Records (Goodtogo)]
Real Estate, The Main Thing, Domino Records (Goodtogo) [Quelle: Domino Records (Goodtogo)]

Das neue Album

Zwei der Gründungsmitglieder sahen sich gezwungen, ihren Schulfreund und Lead-Gitarristen Matt Mondanile aus der Band zu werfen. Es gab massive und glaubwürdige Vorwürfe der sexuellen Belästigung von Frauen. Das war vor knapp vier Jahren. Nun hat sich die Band neu formiert und das neue Album veröffentlicht.

Die ersten Klänge des Albums lassen an den watteweichen Elektropop der französischen Band Air denken. Doch dann steigert sich der Eingangssong "Friday" doch noch zu einer veritablen Indie-Hymne Marke Yo La Tengo oder Death Cab For Cutie. Schwelgerisch schön, leichtfüßig und verträumt – so klingt das neue Album von Real Estate über weite Strecken. Doch so harmonieselig wie der Sound sind die Songtexte nicht: Darin geht es um Existenzängste, Politik und Vaterschaft. Um die Sorgen erwachsener Männer, die die Welt um sich herum mit kritischem Blick betrachten.

Ernste Töne

In dem melancholischen Song "Silent World" fragt sich Frontmann Martin Courtney beispielsweise, ob er seine Kinder jemals in diese "wicked world" wird loslassen können. Es sind diese ernsten Töne, die aufhorchen lassen – aus einem Album, das sich ansonsten manchmal etwas zu träge gibt. Beinahe jeder Song auf diesem Album hätte genauso auch auf einem früheren der Band erscheinen können. Weiterentwicklung? Fehlanzeige. Das kann man kritisch sehen. Muss man aber nicht. Denn: Warum etwas verändern, das bestens funktioniert? Real Estate haben ihren Trademark-Sound gefunden: helle, luftige Arrangements mit elegant-eingängigen Gitarrenmelodien.

Die einzige Neuerung auf diesem Album: nostalgische Streicher-Arrangements – und eine Gastsängerin! Amelia Meath, eine Hälfte des Elektro-Pop-Duos Sylvan Esso, singt auf der ersten Singleauskopplung "Paper Cup". Definitiv ein Höhepunkt des Albums. Auch inhaltlich gibt der Song einiges her: Martin Courtney fragt sich darin, ob er mit seinem Musiker-Dasein den richtigen Lebensweg gewählt hat. Oder ob es in Zeiten von Klimawandel und anderen politischen und sozialen Herausforderungen nicht sinnvoller wäre, sich anderweitig zu engagieren.

Beantwortet werden diese Fragen nicht. Sie machen den Song ironischerweise aber zu einem der besten, den Real Estate je geschrieben haben.
Andere Songs auf dem Album plätschern dagegen etwas ziellos und eintönig dahin. Ein großer Wurf ist "The Main Thing" von Real Estate letztlich nicht. Wenn man den Sound der Band aber mag, dann wird man auch hier nicht enttäuscht sein.

Real Estate: The Main Thing [3:18 Minuten]


Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 09. März 2020, 14:40 Uhr

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