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Rachael & Vilray

11. November 2019

Für die Welt sind sie ein neues Duo, doch im wahren Leben kennen sich Sängerin Rachael Price sowie Gitarrist, Sänger und Songwriter Vilray schon Jahre, denn sie waren beide einst Jazz-Studenten auf dem renommierten New England Conservatory of Music in Boston. Nun stellen sie ihr Duo-Album vor.

Cover: Rachael & Vilray [Quelle: Nonesuch]
Rachael & Vilray [Quelle: Nonesuch]

Es gab einmal eine Ära, in der Jazz die Pop-Musik der Zeit war. Die 1930er und 40er Jahre boten dem Publikum nicht nur ein Übermaß der Song-Neuheiten, die heute ein Rückgrat des "American Songbook" darstellen. Die Musik war außerdem geprägt von einer Ästhetik, die hohe Musikalität neben inhaltlichen Witz und interpretatorischen Charme stellte. Das neue Duo Rachael und Vilray kennt sich aus in dieser Welt wie in der sprichwörtlichen Westentasche.

Wer die souveräne Rachael Price als Sängerin der Band Lake Street Dive schon schätzt, der dürfte von diesem Album überrascht sein. Wo die Band aus Brooklyn gemeinhin den Sound einer klassischen Pop-Combo mit Soul-Anteilen durchmischt, geht ihre Hauptstimme hier mit Gefühl und Können in eine Welt, die sie schon als Heranwachsende begeisterte. Die Welt von Ella Fitzgerald und Doris Day – das Jazz- und Pop-Entertainment alter Schule.

Zurück in ein vergangenes Pop-Zeitalter

Dieses erste Album von Rachael & Vilray ist wie eine Reise in ein vergangenes Pop-Zeitalter. Doch nur zwei der Songs sind alt und von damals, die anderen zehn stammen aus der Feder des international bislang unbekannten Vilray. Was ihn auszeichnet, ist ein offenbar müheloser und filigraner Umgang mit der alten Song-Sprache. Ein Musik- und Text-Idiom, das hier nicht angestaubt klingt, sondern frisch. Ein kleines Kunststück.

Die große Qualität dieses kleinen Albums liegt im Detail. Man kümmerte sich intensiv um altes Equipment der Zeit, historische Mikrofone, alte Instrumente, legendäre Verstärker. Man bringt so der Vorstellung von großer Kunst in kleiner Form Respekt und Zuneigung entgegen. Denn nichts wäre leichter für diese Crew, als nur eine Stilübung in Nostalgie abzuliefern. Rachael und Vilray reicht das nicht. Das weiß auch Jon Batiste, prominenter Bandchef von US-Late Night-Talker Stephen Colbert. Der smarte Pianomann aus New Orleans ist ein erklärter Fan und gastiert hier bei einem Song an den Tasten.

Fortsetzung erwünscht

Und so ist die Begegnung mit diesem Debut von Rachael & Vilray genau betrachtet mehr als ein Besuch in einem alten Idiom der Musikhistorie. Man hört hier nicht das Repertoire von Billie Holiday, sondern überwiegend neue Songs, komponiert in der Gegenwart. Sie wirken als Ganzes wie Balsam für gestresste Seelen und überdrehte Geister. Rachael & Vilray liefern und sie tun es souverän – mit Coolness, Witz, Gelassenheit und Können. Fortsetzung unbedingt erwünscht.

Rachael & Vilray: Rachael & Vilray [3:30 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. November 2019, 14:38 Uhr.

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