Livestream

Bremen Zwei Musik CD-Tipps

CD-Tipp

Laço umbilical

... auf den Spuren Cesaria Evoras

15. Februar 2018

Der Tod Cesaria Evoras vor gut sechs Jahren hat in der kapverdischen Musikszene bis heute eine Lücke gerissen, auch wenn sich bemerkenswerte Sängerinnen wie Lura, Élida Almeida oder Mayra Andrade international längst einen Namen gemacht haben. Mit ihrem Debutalbum meldet sich mit Lucibela nun eine neue Sängerin zu Wort, die dem großen Idol vielleicht am nächsten kommt.

Lucibela: Laço umbilical [Quelle: Lusafrica, N'Krumah Lawson-Daku]
Lucibela [Quelle: Lusafrica, N'Krumah Lawson-Daku]

Wie so viele Nachwuchssängerinnen der Kapverden verdient sich Lucibela ihren Lebensunterhalt zunächst damit, durch die Hotels des Inselarchipels zu tingeln und Lieder der unvergessenen Botschafterin Cesaria Evora nachzusingen und äußert ganz bescheiden:

"Natürlich ist Cesaria Evora einzigartig und unerreichbar. Aber ich möchte ihre Arbeit fortsetzen und mit meinem eigenen Talent dazu beitragen, kapverdische Musik bekannter zu machen".

Dieses Vorhaben untermauert die 31-jährige Lucibela eindrucksvoll mit ihrem Debutalbum, auf dem sie 13 Songs aus ihrer Heimat präsentiert.

... nach altbekanntem Muster

Heiter beschwingtere Coladeiras und melancholisch-traurige Mornas, alles nach altbekanntem Muster: Eine berührende Stimme flüstert in kapverdischem Kreolisch Schicksalsschläge, Liebeserklärungen oder wohlmeinende Ratschläge, während das Begleitensemble mit Gitarren, Percussion, dem unvermeidlichen mandolinenartigen Cavaquinho sowie gelegentlich einer Geige oder einem Akkordeon für die nötige Leichtigkeit sorgt.

Aber selbst was so tänzerisch beschwingt und federleicht daherkommt, entpuppt sich bei genauerem Hinhören als ernstgemeinte Kritik an aufdringlich stalkenden Machos sowie als Statement weiblicher Emanzipationsbestrebungen am Rande Afrikas. Die Me-too-Debatte scheint auch auf den Kapverden angekommen zu sein…

Zwischen Moralpredigt und Lokalpatriotismus

Es gibt auch noch eine freundlich gemeinte Aufforderung an einen gewissen Miguel, „nicht zu sehr den Mädchen nachzustellen, ja aufzupassen, sich nicht beißen zu lassen und sich wo möglich eine Krankheit einzufangen“, was unter dem Titel "profilaxia" wohl als Aids-Prävention gedacht ist.

„‘Abri oie Miguel‘, pass auf, Miguel, geh‘ nicht an diese dunklen Plätze, wo Du mit stolz geschwellter Brust hinziehst und mit gekrümmten Rücken wiederkehrst“.
Lucibela [Quelle: Lusafrica, N'Krumah Lawson-Daku]
Lucibela [Quelle: Lusafrica, N'Krumah Lawson-Daku]

Solche pädagogischen Tipps sind indes eher selten. Vielmehr strotzen die Lieder vor Lokalpatriotismus und schwärmen vom sonnenverwöhnten Inselparadies.

Ein omnipräsentes Erbe

Produziert wurde das "Laço umbilical" – zu Deutsch "Nabelschnur" betitelte Album in Lissabon und Paris und komplett arrangiert von Toy Vieira, einem alten Weggefährten von – wie sollte es anders sein – Cesaria Evora.

Mal wieder reiht sich alles um eine samtweiche Stimme, die das Erbe von Cesaria Evora weiterträgt und demnächst in Frankreich und Belgien auftritt. Auch den hiesigen Gefilden könnte Lucibela zu ein wenig mehr Wärme verhelfen...

Musik 1: Chica di Nha Maninha
Musik 2: Dona Ana
Musik 3: Mal amadu
Musik 4: Profilaxia
Musik 5: Mi e dode nab ô Cabo Verde
Musik 5: Arku da bedja
Musik 5: Violeiro

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 15. Februar 2018, 11:40 Uhr

Lucibela "Laço umbilical" [3:39 Minuten]

CD-Tipps
Mehr in der Rubrik "CD-Tipps"