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CD-Tipp

Origin

Schwerer Inhalt, leichter Sound

15. Juli 2019

Wer sich heute auf die Suche nach Hipness in der Musikmetropole London macht, der landet auch in der jungen Jazz- und Soul-Szene. Wo man keine Scheu hat, Jazz-, Pop-, Soul-und Hip-Hop-Anteile zu mischen. Oft sind es die Nachfahren von Migrant*innen, die in dieser Szene agieren. Ein Aktivposten dabei ist derzeit das 27-jährige Multitalent Jordan Rakei.

Cover: Origin [Quelle: Ninja Tune]
Jordan Rakei: Origin [Quelle: Ninja Tune]

Die Zukunft der Menschen

Dass es im noch Vereinigten Königreich viel Weltoffenheit gibt, vor allem in der jungen Generation, das dürfte Musikmenschen nicht groß wundern. Jordan Rakei wurde in Neuseeland geboren und wuchs in Australien auf. Seit vier Jahren ist der Songwriter, Multi-Instrumentalist und Produzent in London. Sein Album "Origin" ist ein ernstes Statement über die Zukunft des Menschen. Gleichzeitig ein Statement gegen das bigotte Brexit-Britannien.

Gleich im ersten Song "Mad World" entwirft Jordan Rakei das dystopische Szenario einer aus den Fugen geratenen Welt. Er tut dies nicht in einem Sound der Verinnerlichung, sondern mit Groove und mit etwas nach außen gekehrter Paranoia. Schwerer Inhalt, leichter Sound. "Say Something" singt der Sänger im nächsten Song – mach dich bemerkbar.

Leichte Pop- und Soul-Anmutung

Jordan Rakei singt auf "Origin" nicht selten über die kollektive Zukunft. Über eine Welt, in der der menschliche Faktor immer weniger zählt, und die Technologie regiert. Man hätte dazu auch dräuende Klangbilder entwerfen können. Das Multitalent entschied sich dagegen. Das Album groovt mit einer gewissen leichten Pop- und Soul-Anmutung, die manchmal souverän lässig, dann wiederum etwas zu glatt ist.

Im Song "Mind’s Eye" ("Inneres Auge") wagt sich Rakei an das Thema künstliche Intelligenz. Die Technologie ist hier in den Körper des Menschen verpflanzt worden. So wie es Zukunftsforscher und Wissenschaftler vorhersagen. Er sei durchaus von dystopischen Visionen beeinflusst worden für seine neue Musik, sagt Jordan.Von Margaret Atwoods "The Handmaid’s Tale" oder "Twin Peaks" von David Lynch. Man muss das zwar nicht wissen, um die Songs bewusst zu hören. Aber es hilft dabei, sie zu verstehen.

Doch so virtuos wie Rakei mit den gewählten musikalischen Mitteln im Studio auch umgeht – irgendetwas fehlt für die ganz große Begeisterung. Ist es die zwingende Melodie oder der unwiderstehliche Groove? Das unverstellte Gefühl und große Herz? Schwer zu sagen. Jordan Rakei bewegt sich dennoch im Epizentrum einer jungen Szene, die über London hinaus ausstrahlt. "Origin" hat Gutes in Ansätzen zu bieten, in letzter Konsequenz aber ist die zwingend geniale Idee noch nicht dabei. "Mantra" heißt der letzte Song des Albums. Es ist ein Duett, das menschliches Vertrauen und Zusammenhalt beschwört.

Jordan Rakei: Origin [3:40 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 15. Juli 2019, 12:35 Uhr.

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