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Damned Devotion

Sängerin wird immer noch als Geheimtipp gehandelt

13. Februar 2018

Wer nach seinem fünften Album noch immer in relativ übersichtlichen Hallen auftritt, gibt sich wahrscheinlich nicht mehr der Illusion einer internationalen Karriere hin. Joan as Policewoman geniesst die quasi Anonymität und produziert ohne den hemmenden Erfolgsdruck eine hervorragende Platte nach der anderen.

CD-Cover: Damned Devotion [Quelle: Play It Again Sam]
Joan As Police Woman: Damned Devotion [Quelle: Play It Again Sam]

Klischeefreie Soulplatte

Der schon etwas reifere Musikfreund hat es heutzutage ja wirklich nicht leicht. Zum einen treibt das, was aktuell mit dem Etikett "Pop" ausgestattet wird, den erfahrenen Songliebhaber schnell in die Arme des Sound-Zölibats, zum anderen verdudelt sich Erwachsenenmusik gerne mal in belangloser folkig, jazziger Songwriter-Bräsigkeit. Zum Glück gibt es ja aber noch "Joan As Policewoman". Hinter dem Projektnamen "Joan As Policewoman" verbirgt sich Joan Wasser. Die klassisch ausgebildete Violinistin trat erstmals als Freundin der Rock-Ikone Jeff Buckley in Erscheinung und machte sich aber bald auch mit ihren Solo-Alben einen guten Namen.

Flirteten die letzten beiden Werke schon heftig mit der Idee des puren Pop und des Zitats, zeigt uns Joan Wasser auf “Damned Devotion” wieder das gesamte Kaleideskop ihres Seelenhaushalts. Die Produktion wurde diesmal von Thomas Bartlett übernommen, ein Mann, der schon für den Klang von Bands wie "The National" oder auch "Sufjan Stevens" verantwortlich war. Irgendwie erinnert der Sound mit seiner Wärme an Platten aus den 70ern, ohne sich jedoch nur eine Sekunde dieser Epoche anzubiedern. E-Pianos verschmelzen hier mit verfremdeten Drumloops, analoge Elektronik trifft akustische Soundeinwürfe. Das klingt alles unverschämt lässig. Das hier ist zeitlose Moderne.

Thematisch arbeitet sich die Künstlerin an dem unerschöpflichen Feld der Liebe ab: “Warum liebe ich gerade diesen Typen”, “Hätte die Zeichen erkennen müssen?” oder es wird schlicht die eigene Dummheit zugegeben: Silly Me! “Damned Devotion” von "Joan As Policewoman" ist ein sehr gutes Pop-Album geworden. In sich geschlossen und trotzdem nicht engstirnig, einfach eine klischeefreie Soulplatte, die mehr bietet und mehr wagt, als man heutzutag erwarten kann.

Joan As Policewoman: Damned Devotion [3:34 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 13. Februar 2018, 11:40 Uhr

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