Livestream

Bremen Zwei Musik CD-Tipps

CD-Tipp

Tales Of America

25. Februar 2019

Es gibt sie noch, die Märchen, die das Leben schreibt: Der junge kenianische Sänger und Songwriter J.S. Ondara lebt gerade einen dieser Träume. Er ist Mitte 20, wurde als Teenager in Nairobi/Kenia zum Bob Dylan-Fan. Dann gewann er in einer Lotterie eine Green Card.

Cover: J.S. Ondara. Tales of America, Verve (Universal Music) [Quelle: Verve (Universal Music)]
J.S. Ondara. Tales of America, Verve (Universal Music) [Quelle: Verve (Universal Music)]

Er ist immer noch ein mächtiger Mythos, der amerikanische Traum von Erfolg und Selbstverwirklichung in einem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dass die Realität für viele Afroamerikaner anders aussieht, ist längst bekannt. Für einen 20-jährigen Afrikaner aus Nairobi fühlt sich diese Realität unter Umständen noch ein wenig anders an. J.S. Ondara schreibt und singt auf seinem ersten Album über seinen "American Dream". Und der hat viele emotionale Facetten.

Seine Eintrittskarte in die USA

Es gab kaum Möglichkeiten für den jungen Rockfan J.S. in Nairobi. Er kannte Nirvana und Guns`n´Roses aus dem Kofferradio, doch erst die Stimme von Bob Dylan brachte ihn zu einem eigenen Kurs. Mit zwanzig kam er in Dylans Heimatstaat Minnesota. In einem der kältesten Winter der Geschichte. Doch nichts konnte den angehenden Songwriter beirren. Mit erstaunlicher Hartnäckigkeit verfolgte J.S. seinen Traum – bis zum ersten Album. "Ich bin gut darin geworden, 'Goodbye' zu sagen", singt er jetzt. Man glaubt ihm jedes Wort.

Bewegende Intensität

Die schon von jeher starke Folk- und Songwriter-Szene von Minnesota nahm sich des talentierten Afrikaners an. Man gab ihm Auftritte, lud ihn zu Radiosessions ein. Das wiederum führte zum Plattendeal und J.S. Ondara arbeitet auf seinem Debüt mit renommierten Alternative-Musikern und Produzenten aus Los Angeles. Die lassen ihm Freiraum und geben seiner Stimme mit einfachen Mitteln die Möglichkeit, sich zu entfalten. Auch in einem fast feminin wirkenden Falsett.

Sie ist definitiv besonders, die Stimme von J.S. Ondara. Vom Timbre her transportiert sie manchmal sogar Erinnerungen an die frühe Tracy Chapman. Doch vor allem hört man die eigenen Gefühle und Gedanken von J.S. – dazu kein kalkuliert gefühliges Songwriting, sondern in den besten Momenten eine durchaus bewegende Intensität, die ein Versprechen auf mehr ist. "Tales Of America" von J.S. Ondara – bislang eine der schönsten Entdeckungen des Jahres.

J.S. Ondara: Tales Of America [3:30 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. Februar 2019, 12:40 Uhr.

CD-Tipps
Mehr in der Rubrik "CD-Tipps"