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Manchester Calling

Schnörkellos und auf den Punkt

17. März 2020

Beim internen Hausputz wird man wahrscheinlich auch Dinge wiederfinden, die man all die Jahre erfolgreich ignoriert hat. Die Melodien von Paul Heaton haben viele von uns begleitet und vielleicht sogar geprägt, obwohl wir es teilweise gar nicht wissen. Jetzt ist ein neues Album des Briten erschienen: Manchester Calling.

CD-Cover: Manchester Calling [Quelle: EMI]
Paul Heaton: Manchester Calling [Quelle: EMI]

Paul Heaton ist eine britische Legende. Er war Sänger und Komponist der "Housemartins" und bei "The Beautiful South". Seine Stimme prägte Refrains von Songs wie "Happy Hour", "Caravan of Love" oder auch "Song for Whoever". Jetzt gibt es beide Bands schon lange nicht mehr – Paul Heaton allerdings hat noch nie eine längere Pause eingelegt und veröffentlicht jetzt sein achtes Soloalbum. Es ist gleichzeitig das vierte mit der Sängerin Jaqueline Abbott: Manchester Calling.

Extrem abwechslungsreich

Wie kaum ein anderer versteht es Paul Heaton, die Seele vieler Briten zu vertonen. Brexit-Schmerzen, der Abend im Pub, verlorene Freundschaften, fortschreitende Gentrifizierung, das tägliche Drama. Der Song "If You Could See Your Faults" handelt von einer abgewirtschafteten Partnerschaft, in der sie sich nur noch die Frage stellen kann: Ist es besser ignoriert oder ausgenutzt zu werden?

Musikalisch ist Paul Heaton wie Mutter Beimer in der Lindenstraße: Er bietet auch auf "Manchester Calling" solide Hausmannskost. Der stramme Mix aus eingängigen Hymnen, schiebenden Rockern, aus einer guten Portion Motown-Soul und einer Prise Ska macht dieses Album extrem abwechslungsreich. Auf der anderen Seite ist die Mitsing-Refrain-Dichte so hoch, dass es einem schon fast zu viel werden kann.

Wunderbar Britisch

Die Produktion ist mehr als gradlinig. Freunde von Klangexperimenten und ungewöhnlichen Instrumenten kommen hier nicht auf ihre Kosten. Die Band spielt, was eben eine Band zu solchen Kompositionen spielen soll. Schnörkellos – und auf den Punkt. Chef im Ring sind klar die beiden Sänger*innen. Zum einen Paul Heatons Stimme, die im Laufe der letzten 30 Jahre scheinbar überhaupt nicht gealtert ist. Und zum anderen Jaqueline Abbott, deren Stimmfarbe den Liedern eine ungehörte Selbstverständlichkeit gibt.

"Manchester Calling" von Paul Heaton und Jaqueline Abbot ist ein wunderbar britisches Album. Geeignet für Menschen, die sich trotz allem auf den Frühling freuen und von überschwänglichen Refrains nicht genug bekommen können.

Paul Heaton & Jacqui Abbott: Manchester Calling [3:38 Minuten]


Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. März 2020, 14:10 Uhr

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