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CD-Tipp

Zhang spielt Tschaikowsky und Prokofjew

Sinn für großräumige musikalische Architektur

10. Juli 2019

Der junge Chinese Haochen Zhang ist ein Musiker mit fantastischen Möglichkeiten am Klavier. Er hat keine Angst vor pianistischen Ungeheuern und zeigt sich auf seiner ersten Orchester-CD als Klavierlöwe mit Samtpfote und stählerner Pranke.

Cover: Zhang Spielt Tschaikowsky und Prokofjew, Bis (Klassik Center Kassel) [Quelle: Bis (Klassik Center Kassel)]
Zhang Spielt Tschaikowsky und Prokofjew, Bis (Klassik Center Kassel) [Quelle: Bis (Klassik Center Kassel)]

Die rasenden Finger gehören dem chinesischen Pianisten Haochen Zhang. Der bändigt auf seiner neuen CD ein wahres pianistisches "Monster", das zweite Klavierkonzert von Sergej Prokofiev. Zusammen mit den Konzerten von Max Reger oder Ferruccio Busoni gehört das Stück zu den schwierigsten Klavierkonzerten überhaupt. Ein Interpret muss hier nicht nur über gewaltige Kraftreserven und eine unfehlbare Technik verfügen, er muss vor allem auch einen Sinn für großräumige musikalische Architektur besitzen. Der jetzt 29-jährige Zhang hat alle diese Eigenschaften und noch mehr – er schafft es, Prokofievs horrende Anforderungen nicht nur zu erfüllen, sondern er spielt geradezu mit den Höchstschwierigkeiten dieser Musik. In der riesigen Kadenz des ersten Satzes ist das eindrucksvoll zu hören.

Virtuose seiner Generation

Haochen Zhang gewann schon vor zehn Jahren den berühmten Van Cliburn-Klavierwettbewerb in den USA. Seitdem ist er einer der großen Virtuosen seiner Generation, vor allen Dingen aber ein wunderbarer und reflektierter Musiker. Hört man ihn mit Prokofiev, dann ist das keine Kraftmeierei am Klavier, sondern intelligente und gestalterische Virtuosität auf dem höchsten vorstellbaren Niveau. Besser, beherrschter und musikantischer kann man diese anspruchsvolle Musik kaum spielen. Haochen Zhang hat das große Glück, dass auch seine Partner auf diesem Album auf Augenhöhe agieren. Er spielt zusammen mit einem der führenden Orchester Nordeuropas, dem "Lahti Symphonv Orchestra" unter der Leitung von Dima Slobodeniouk. Solist und Orchester liefern sich hier ein spektakuläres Duell, bei dem die Musik aber nicht auf der Strecke bleibt. Prokofievs zweites Konzert geht in dieser neuen Aufnahme so unter die Haut wie selten zuvor. Haochen Zhang hat mit seiner ersten Orchester-CD die Latte hoch gehängt, und diese Einspielung des Prokofiev-Konzertes dürfte schon bald zu den Referenzen gehören.

Haochen Zhang: Zhang Spielt Tschaikowsky und Prokofjew [3:12 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 10. Juli 2019, 15:38 Uhr.

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