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Was berührt, das bleibt.

Wundervolle Klänge rund um die Lyrics

22. Juli 2019

Enno Bunger aus Leer bringt mit "Was berührt, das bleibt" am 26. Juli sein viertes Album heraus. Irgendwo zwischen Bosse und Poisel hat der Bunger angedockt und nach drei Alben seinen eigenen Stil gefestigt.

Cover: Enno Bunger, Was berührt, das bleibt, Columbia (Sony Music) [Quelle: Columbia (Sony Music)]
Enno Bunger, Was berührt, das bleibt, Columbia (Sony Music) [Quelle: Columbia (Sony Music)]

Ein schmerzhaftes Album

Dies ist ein schmerzhaftes Album. Es geht tief hinein und piekst in Gefilden, deren Türen man ungern öffnet. Nur wenige Monate, nachdem für eine enge Freundin ein Typisierungsaufruf gestartet wurde, ist 2017 auch Enno Bungers Liebe an Krebs erkrankt. Ihr geht es wieder gut, nur das Erlebte steckt tief. So haben die beiden zehn der elf Songs von "Was berührt, das bleibt" zusammen geschrieben, um zu verarbeiten.

Es geht um Furcht, sein Leben, dieses kostbare Geschenk, lassen zu müssen. Auch von Menschen, die man schon verloren hat, wird erzählt, aber: Seien Sie nicht abgeschreckt. "Was berührt, das bleibt" trägt dank Bungers Stimme und den wundervollen Klängen rund um die Lyrics sicher durch diese dunklen, emotionalen Täler. Und da er in seinen Songs aus ganz persönlichen Erfahrungen spricht und die, wie immer im Leben, auch auf der hellen Seite verankert sind, hat der Ostfriese natürlich auch emotional Schönes kreiert, das ein glückliches Lächeln im Gesicht trägt. So zum Beispiel "Ponyhof", der einzige Song auf dem Album, an dem seine Freundin nicht beteiligt ist. Natürlich werden auch hier wieder Tränen rollen, aber das sind Tränen des Glücks: Darüber, diesen einen besten Freund zu haben, der diese eine Frau gefunden hat, mit der er sein ganzes Leben teilen will. "Ponyhof" ist eine "gesungene Trauzeugenrede an den besten Freund, den man sich vorstellen kann", sagt Enno. Und er hat sie genauso vorgetragen.

Genieße das Leben - jetzt!

Er klingt anders, der Enno Bunger, anders, als man ihn in Erinnerung hatte. Man fühlt sich an der Wurzel gepackt, eingehüllt, abgeholt, aber trotz aller Schwere hier und da nicht allein gelassen. Ganz im Gegenteil: Wenn man mit der eigenen Freundin eine solche Zeit der Angst übersteht und alles gut zu werden scheint, dann sprudelt das Glück in einem, und man ist wahrscheinlich innerlich bunter als zuvor. Pack das Glück, mach Dir klar, wie wertvoll wir sind, genieße – jetzt!

Oder auch, Zitat Enno Bunger aus dem Song "Kalifornien":

Unsere Herzen klopfen schon ewig, endlich lassen wir sie rein. Wir wollen nichts mehr werden, wir wollen nur noch sein.

Irgendwo zwischen Bosse und Poisel hat der Bunger angedockt und nach drei Alben seinen eigenen Stil gefestigt. Der Anlass: unfassbar schwer. Der Output?  Im Herzen 100 Prozent positiv. Ein Ansporn für alle, die ihm zuhören, Traurigkeit zuzulassen, sich dann aber auch wieder in den eigenen Popo zu treten und die Tage mit guten Gedanken und Leben zu füllen.

Enno Bunger: Was berührt, das bleibt [3:40 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 22. Juli 2019, 16:45 Uhr.

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