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2020

11. Mai 2020

Die Songwriterin Eliza Gilkyson schafft es immer wieder, mit Leidenschaft und Engagement auch politisch relevant zu sein. Ihr neues Album "2020" ist als oppositioneller Aufruf zur Solidarität in einem wichtigen Wahljahr in den USA gedacht.

Cover: 2020 [Quelle: Red House]
Eliza Gilkyson: 2020 [Quelle: Red House]

Ein politisches Album

Eliza Gilkyson ist eine Künstlerin, auf die man sich verlassen kann. Seit einer kreativen Neugeburt in den neunziger Jahren, hat die Wahl-Texanerin viele Songs geschrieben, die sich nicht davor scheuen, Dinge beim Namen zu nennen. Mit fast siebzig Jahren hat die Frau aus Austin jetzt ein Album gemacht, das zu ihren inhaltlich brisantesten zählt. Mit Songs, die zweierlei anstreben: Die Mobilisierung der amerikanischen Opposition gegen das derzeitige "Regime", wie Gilkyson sagt. Dazu die Förderung von Empathie und Solidarität ganz allgemein.

Gleich im ersten Song des Albums bezieht Eliza Gilkyson Stellung und spricht von einem Versprechen, dass sie halten muss. Ein Versprechen an die jüngeren Generationen, an ihre Kinder und Enkel, alles zu tun, um diese Welt zu erhalten für ein lebenswertes Leben auch in Zukunft. Es sind die großen Fragen der Zeit, die Gilkyson damit anspricht. Die Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und Gleichberechtigung, Ökologie und Ökonomie, Menschlichkeit und Miteinander – auch im politischen Widerstand gegen die Mächte der Gegenwart.

Für eine bessere Welt von morgen

Dreimal singt Gilkyson auf "2020" auch Songs alter Folk-Idole. Pete Seegers "Where Have All The Flowers Gone" erhält einen neuen feministischen Zug, Dylans apokalyptisches "A Hard Rain’s A-Gonna Fall" bringt immer noch Gänsehaut. Und der Song "Beach Haven" bezieht sich auf den Folk-Ahnen Woody Guthrie, der schon vor Jahrzehnten die diskriminierenden Mietpraktiken der New Yorker Immobilienfirma anprangerte, die viele Jahre später den 45. Präsidenten der USA hervorbrachte. Wir holen uns alles zurück, singt Gilkyson im Refrain von "Sooner Or Later".

Eindringliches Folk-Songwriter-Album

Aber nicht Cover-Versionen bilden den Schwerpunkt dieses eindringlichen Folk-Songwriter-Albums, es sind die eigenen Songs von Eliza Gilkyson. Die sich hier einige Male mit Studenten ihrer regelmäßigen Songwriting-Klassen zusammentut für eine Zusammenarbeit mit der Jugend. Das kommt musikalisch ohne modische Zugeständnisse aus, ist gerade deshalb von emotional direkter Wirkung, ohne Umwege über soundtechnische Ablenkungen.

Wenn im letzten Song "We Are Not Alone" abermals ein Chor mit einstimmt, dann ist man längst angekommen in der Song-Welt von Eliza Gilkyson. Deren Song "The Great Correction" auch von Joan Baez gesungen wurde auf der Zielgeraden ihrer Karriere. "Die große Korrektur" – es ist das Ziel, für das Gilkyson auch auf diesem Album singt. Für eine bessere Welt von morgen.

Eliza Gilkyson: 2020 [3:33 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. Mai 2020, 11:38 Uhr

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