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MA

16. September 2019

Mit einem ganz realen indischen Vornamen und einem Image als eigentümlicher Songwriter-Freak, hat sich der Amerikaner Devendra Banhart eine solide Fangemeinde auch in Europa erarbeitet. Mit seiner neuen CD legt er jetzt ein vergleichsweise leichtes Album vor – nicht ohne Tiefgang.

Cover: Ma [Quelle: Nonesuch]
Devendra Banhart: Ma [Quelle: Nonesuch]

Sanfte Musik

Nur eine Silbe gibt dem neuen Album von Devendra Banhart den Titel: "Ma". Sie steht für das dem Album zugewiesene Konzept "Mutterschaft". Ein Thema, das vom Künstler offen betrachtet wird. So gibt es hier sowohl persönliche wie auch archetypische Bezüge: Zu "Mutter Ozean", zum Verständnis eines "Mutterlandes", dazu aber auch Bezüge zu Vätern und Söhnen. In der sanften Musik liegt gleichzeitig ein durchaus zärtliches Verständnis vom Potential menschlichen Zusammenhalts.

Im Song "Kantori Ongaku" gewährt Banhart einem japanischen Refrain Einlass. In einem buddhistischen Tempel in Kyoto begann das Projekt mit ersten Aufnahmen, fortgesetzt wurde es im nordkalifornischen Küstenort Big Sur und in der Metropole Los Angeles. Esoterische Verklärtheit hält sich dabei zum Glück in Grenzen. Banhart ist zwar schon oft wie ein Neo-Hippie und Freak erschienen, doch das Langhaar und die Kostümierung sind nicht mehr Teil seiner Inszenierung. Vergangenheitsbezüge gibt es aber weiter. Besonders auffällig im Song "Memorial", der sich bei Leonard Cohen bedient.

Nur schwer fassbar

Auch auf "Ma" bleibt Devendra Banhart nur schwer fassbar. Seine Künstler-Persona ist die eines sanften Barden, sein ästhetischer Ansatz reich an Spiel und Verwandlung. Auf "Ma" erscheint er der Welt musikalisch leichtfüßig und konzentriert. Mal mit Sanges-Vibrato wie einst bei Donovan, dann tänzerisch und in spanischer Zunge. Neben Englisch ist es die zweite Muttersprache des in Venezuela aufgewachsenen Sohn einer südamerikanischen Mutter. Im Song "Abre los manos" adressiert Banhart die Zerrüttung seiner zweiten Heimat, singt aber auch von der Hoffnung.

Einladung zur inneren Reise

Das Fazit: "Ma" ist ein schönes Album geworden. Was man selbst emotional erlebt beim Hören der zunächst so unscheinbaren Songs entscheidet sich im Vermögen, sich zu öffnen für das unter der Oberfläche liegende Potential dieser Musik. Devendra Banhart bleibt ein Künstler des Uneindeutigen. Doch in seiner verschrobener Sanftheit schlummert ein Weg ins Unbewusste. Der leise Minimalismus der Songs jedenfalls lädt ein zu einer Reise nach innen – auch ohne Konzept und Überbau.

Devendra Banhart: Ma [3:33 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 16. September 2019, 15:38 Uhr.

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