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Echtzeit

10. März 2020

Sie ist ein gern gesehener Gast auf deutschen Konzertbühnen, die Hamburger Liedermacherin Anna Depenbusch. Mit Charme, Natürlichkeit und musikalischem Können erzählt sie in ihren Songs kleine Geschichten vom Leben und der Liebe. "Echtzeit" hat sie ihr neues Album genannt und präsentiert sich darauf solo und nahbar.

CD-Cover: Echtzeit [Quelle: Liedland]
Anna Depenbusch: Echtzeit [Quelle: Liedland]

Besondere Aufnahmetechnik

Eine Stimme und ein Klavier, das ist alles, was man auf "Echtzeit" hört. Nicht das erste Mal ist das bei Anna Depenbusch so, doch dieses Album steht unter besonderen Vorzeichen. Die Hamburgerin hat sich bewusst von allen elaborierteren Strategien der popmusikalischen Produktions-Gegenwart befreit. Rückt nah heran und ist zugewandt wie in einem Live-Konzert.

Was verleiht Popsongs Bedeutung in Zeiten ständiger digitaler Verfügbarkeit? "Echtzeit" ist diesbezüglich ein Plädoyer für das Unmittelbare. Anna Depenbusch präsentiert elf neue Songs, produziert mit alter Aufnahmetechnik: Ein analoger Vinyl-Direktschnitt, eine nachträglich nicht manipulierbare Live-Performance - in Echtzeit. Einmal für die A-Seite, einmal für die B-Seite einer Vinyl-Schallplatte. Fehlerrisiko inklusive. Anna Depenbusch ließ sich darauf ein und meisterte die Aufgabe mit Bravour.

Faktor Entschleunigung

So wird man Zeuge einer Performance, die auch für den Faktor Entschleunigung steht. Sie setzt dem digitalen Quantisierungsdruck moderner Pop-Produktionen so etwas wie menschlichen Atem und die Unregelmäßigkeit eines inneren Rhythmus entgegen. Anna Depenbusch hat sich damit für die eigene Individualität entschieden. Das ist zwar nichts Neues, doch so konsequent wie hier hat sie es zuvor noch nicht umgesetzt. Eine kluge Entscheidung.

So trifft man ihn wieder, den charmanten und intelligenten Depenbusch-Touch, der mit Beobachtungsgabe und Humor Situationen menschlicher Liebes- und Lebensbeziehungen verhandelt. Das Mädchenhafte gehört immer noch dazu, doch ein wenig Koketterie damit gehört auch zur künstlerischen Pop-Persona von Anna Depenbusch, die ihre Musikalität immer in den Dienst der eigenen Weltensicht stellt. Und diese findet Poesie im Alltäglichen und schätzt den Blick auf das Kleine und Beiläufige.

Grünes Cover als Statement?

"Echtzeit" ist von der äußeren Präsentation von Album und Künstlerin in fettes Grün getaucht. Auch ein Statement? Könnte sein. Anregend auch Zitate von Charles Chaplin und Marlene Dietrich im Booklet. Am Ende steht ein "Schlaflied für Pauli". Gemeint ist der Physiker und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli. Ein Mann mit eigenem Blick auf die Welt. Genau wie Anna Depenbusch. Man hält sich gut und gerne auf in ihrer Song-Welt. Dümmer und unsensibler wird man dadurch nicht.

Anna Depenbusch: Echtzeit [3:39 Minuten]


Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 10. März 2020, 08:20 Uhr

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