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Internationale Raumfahrt

20 Jahre ISS

Gespräch mit Dirk Lorenzen, Wissenschaftsjournalist

20. November 2018

20. November 1998: Eine russische Rakete bringt das erste Modul der Internationalen Raumstation ISS ins All. Zwei Wochen später transportieren die Amerikaner mit dem Space Shuttle das zweite Modul dazu. Seit dem Jahr 2000 ist der Außenposten im All dauerhaft bewohnt. Die ISS ist heute so groß wie ein Fußballfeld, die Module sind so geräumig wie das Innere eines Jumbo-Jets und der ganze Komplex kreist in 400 Kilometern Höhe 15 Mal am Tag um die Erde. Seit den Anfängen 1998 gab es auf der Station mehr als 200 Außeneinsätze und hunderte Experimente. Wir haben mit dem Wissenschaftsjournalisten Dirk Lorenzen über 20 Jahre ISS gesprochen.

die ISS im Weltall [Quelle: EADS Astrium]
In 90 Minuten um die Welt: Seit 20 Jahren umkreist die Internationale Raumstation ISS die Erde. [Quelle: EADS Astrium]

Gespräch mit Dirk Lorenzen:
20 Jahre Internationale Raumstation ISS [4:46 Minuten]

Bremen Zwei: 20 Jahre ISS: Was waren die Höhen und Tiefen?

Dirk Lorenzen: Aus europäischer Sicht war der Höhepunkt sicher die Ankunft des Raumlabors Columbus 2008, damit wurde die ISS zum Teil wirklich zum fliegenden Forschungslabor. Der Tiefpunkt ist, dass die Station viel zu groß und zu komplex ist; historisch bedingt durch den Start dieses Projekt nach Ende des Kalten Krieges in den neunziger Jahren; aber heute würde man die ISS viel kleiner und effizienter bauen

Bremen Zwei: Wird die ISS in Zeiten des "New Space" überhaupt noch gebraucht – oder übernehmen Firmen wie "SpaceX" von Elon Musk die Raumfahrt?

Dirk Lorenzen: Gerade"SpaceX" und andere Firmen brauchen die ISS. Denn die NASA hat die Versorgung der ISS, also den Transport von Material nach oben und zurück zur Erde, kommerziellen Firmen übertragen – und zwar auch der Firma von Elon Musk. Das sind milliardenschwere Verträge. Irgendwann will Elon Musk auch Menschen ins All transportieren, zum Mond und zum Mars. Diese langen Aufenthalte müssen trainiert werden – und dafür brauchen auch die kommerziellen Firmen die ISS.

Bremen Zwei: Wie wichtig ist die Forschung im All?

Dirk Lorenzen: Das Labor auf der ISS ähnelt den Laboren auf der Erde – mit einem Unterschied: Es herrscht Schwerelosigkeit. Deshalb kann man dort interessante Experimente durchführen, insbesondere aus den Bereichen Materialwissenschaft, Biologie und Medizin. Allerdings spielt Forschung im All nur eine Nebenrolle. Im Schnitt kommt die reguläre Besatzung von sechs Menschen auf knapp 40 Wochenstunden Forschung. Die meiste Zeit brauchen die Astronauten für Wartungsarbeiten und für ihr körperliches Training. Die Wissenschaft taugt nicht als Rechtfertigung für die ISS.

Bremen Zwei: Was ist der Sinn der ISS?

Dirk Lorenzen: Vor allem ist die ISS ein politisches Projekt: die Weltraumstation ist international. Auf der ISS arbeiten Menschen aus Russland, den USA, Europa, Kanada und Japan exzellent zusammen, und das seit 20 Jahren – und egal, wie schlimm so manche Krise am Boden auch gerade gewesen ist. Im Moment ist der deutsche Astronaut Alexander Gerst auf der ISS. Er sieht die ISS so:

Die komplexeste, wertvollste und unwahrscheinlichste Maschine, die die Menschheit jemals gebaut hat – zum Wohle aller. Wenn wir über Kontinente hinweg so zusammenarbeiten können, dann können wir noch viel mehr zusammen erreichen. Wir müssen es nur versuchen.

Tweet von Alexander Gerst am 5. November 2018

Bremen Zwei: China ist auch Raumfahrtmacht – warum ist es bei der ISS nicht dabei?

Dirk Lorenzen: Das ist von den USA politisch so gewollt. Seit vielen Jahren verbietet der US-Kongress der NASA, mit China zusammenzuarbeiten. Ich habe am vergangenen Freitag mit dem NASA-Chef Jim Bridenstine über dieses Thema gesprochen. Er möchte, dass China dabei ist und stellt sich klar gegen die Haltung des Kongresses. Aber die NASA muss sich natürlich an die gesetzlichen Vorgaben halten.

Bremen Zwei: Was kommt nach der ISS?

Dirk Lorenzen: Der Betrieb der ISS läuft mindestens bis 2024, aber eine echte "ISS-2" in der Erdumlaufbahn wird es nicht geben. Vermutlich wird eine Art ISS in der Umlaufbahn um den Mond errichtet, also eine Station, die die Partner als Ausgangspunkt nutzen können, um entweder Richtung Mars zu fliegen oder auf dem Mond zu landen. Das könnte im Jahr 2030 soweit sein.

Mehr Informationen zur Internationalen Raumstation:
BR Wissen: Der Koloss im All

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 20. November 2018, 15:15 Uhr

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