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Wildbienen – das unbekannte Wesen

24. Mai 2019

Bienen ernähren die Welt. Ein Drittel der Nutzpflanzen hätte überhaupt keinen Ertrag, wenn es die Bienen nicht gäbe. Und zwar nicht nur die westlichen Honigbienen – sondern genauso deren etwas weniger prominenten Schwestern: die Wildbienen. Dass auch sie vielseitige, spannende und für das Ökosystem unersetzliche Insekten sind, ist vielen nicht bewusst. Bremen-Zwei-Autorin Kerstin Burlage hat sich auf die Spur der Wildbienen gemacht – und dabei Faszinierendes herausgefunden.

Wildbienen sind vielseitige, spannende und für das Ökosystem unersetzliche Insekten. Kerstin Burlage hat sich auf die Spur der Wildbienen begeben – und dabei Faszinierendes herausgefunden.

Autor/-in: Kerstin Burlage
Länge: 4:10 Minuten
Datum: Samstag, 25. Mai 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

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Wildbienen – das unbekannte Wesen

Allein in Bremen und umzu gibt es sehr viele Wildbienen-Arten, hier nur einige davon: Frühlings-Pelzbiene, Garten-Wollbiene, Stumpfzähnige Zottelbiene, Rotfransige Sandbiene, Steinhummel, Frühlings-Pelzbiene, Rotbeinige Furchenbiene, Dunkelflügeliege Buckelbiene, Glockenblumen-Sägehornbiene, Wegwarten-Hosenbiene, Heidekraut-Seidenbiene, Aschgraue Sandbiene und Heidelbeer-Sandbiene.

Insgesamt 220 Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehören, fühlen sich hier zu Hause. Und so verschieden wie ihre Namen klingen, so unterschiedlich sehen sie auch aus: von der dicken, pelztragenden Erdhummel bis hin zur acht Millimeter kleinen, unscheinbaren Maskenbiene. Jede Art hat ihre ganz eigenen Bedürfnisse und wenn es um die Behausung geht, auch ihre eigene Bauweise.

Eine Hummel im Anflug auf "satte Fingerhut-Blüten". [Quelle: Marina Theiß]
Auch Hummeln gehören zu den Wildbienen. [Quelle: Marina Theiß]

Helmut Riemann aus Bremen kennt die Wildbienen genau, er beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit ihnen. Früher hat er als insektenkundlicher Präparator am Übersee-Museum gearbeitet. In seinem Garten in Mahndorf hat er eine große Nisthilfe aufgestellt, aus Lehm, angebohrtem Holz und Schilfhalmen. In solch eine ist gerade eine "rothaarige Mauerbiene" gekrabbelt:

In so einem Halm, da werden mehrere kleine Brutkammern angelegt und dazwischen  werden kleine Zellwände eingezogen und wenn dieser Brutgang voll ist – das sind meist 5,6 oder 7 Kammern hintereinander, dann wird ein Nestverschluss gemacht.

Was man hier beobachten kann, das findet noch viel häufiger im Verborgenen statt, denn anders als die bekannte Honigbiene, baut der größte Teil der Wildbienen kleine unterirdische Nester, erklärt Helmut Riemann. Damit sie überleben und ihre Brut ernähren können, bräuchen die wilden Bienen auch wilde Blumen wie Löwenzahn, Taubnesseln, Hauheckel, Flockenblumen oder Kleearten.

Viele Wildbienenarten sind bedroht

Andererseits sind Wildblüten auch darauf angewiesen, dass sie von Wildbienen bestäubt werden. Ein empfindliches Gefüge, das der Mensch massiv stört: durch zu wenig naturbelassene Wiesen, zu viel Chemie und Düngemittel. Mehr als die Hälfte aller 561 Wildbienenarten, die es in Deutschland gibt, sind mittlerweile bedroht:

Eigentlich brauchen wir viel mehr Platz, um die Tiere erhalten zu können, wir brauchen Hecken, Randstreifen, die auch wirklich blühen und nicht friedhofsgleich gepflegt werden, wir haben ja immer noch Randstreifen, aber die sind tot.

Helmut Riemann

Dabei sind Wildbienen auch für uns Menschen immens wichtig: Sie bestäuben zum Beispiel Obstblüten bereits dann, wenn es den Honigbienen draußen noch zu kalt ist. Und in manch kleiner Blüte passt auch nur eine kleine Wildbiene hinein.

Blumenwiese im Sommer [Quelle: Radio Bremen, Maria Klindworth]
Hier fühlen sich viele Insekten wohl, darunter auch die Wildbienen. [Quelle: Radio Bremen, Maria Klindworth]

Bewusstsein wächst

Sehr langsam wächst das Bewusstsein dafür, wie wichtig Wildbienen für das gesamte Ökosystem sind. In Bremen beispielsweise finden sich im Frühling stellenweise natürlichere Grünflächen als früher. Darüber freut sich Rike Fischer. Sie ist Mitglied im Arbeitskreis "Bienen und Blüten" vom BUND Bremen und präsentiert das Beispiel Doventor:

Hier hat sich an einem sonnigen Hang mitten in der Stadt ganz viel verändert und ich denke, es liegt wohl am Mähkonzept, also wie oft im Jahr gemäht wird.

Es wird seltener gemäht. Das sei auch für den eigenen Garten die beste Idee. Daneben kann man auch für natürliche Nisthilfen sorgen: Schilfrohre aber zum Beispiel auch eine kleine Lehmfläche unter einem Dachvorsprung, breite Fugen zwischen Pflastersteinen oder Blumenkästen mit Sand können den Wildbienen dienlich sein. Und dazu blühende Stauden, damit sie Nektar finden – und möglichst häufig das, was landläufig als "Unkraut" bezeichnet wird, sagt Rike Fischer:

Man möchte es schön haben und wenn man die Schönheit sieht in diesen wilden Blumen, dann wird’s doch angenehm für uns beide.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. Mai 2019, 09:50 Uhr

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