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Alle Jahre wieder

Was Weihnachtslieder mit unserem Gehirn machen

3. Dezember 2018

Die Adventszeit hat begonnen. Nicht nur die Weihnachtsmärkte, auch beim Einkaufen, im Fernsehen, im Radio – einfach überall werden wir drauf aufmerksam gemacht, nicht zuletzt durch Weihnachtslieder! Die einen hassen sie, die anderen lieben sie. Aber warum ist das so? Was Weihnachtssongs mit uns machen, dazu hat sich der Neurologe Dr. Magnus Heier auf Bremen zwei geäußert: Warum können uns bestimmte Musik-Stücke überhaupt so rühren?

Allerspätestens am 1. Advent beginnt auch in Deutschland die Saison der Weihnachtslieder. Frage an Dr. Magnus Heier: Warum begeistert und rührt uns Weihnachtsmusik?

Autor/-in: Wolfgang Rumpf
Länge: 5:24 Minuten
Datum: Montag, 3. Dezember 2018
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Musik aktiviert unmittelbar das Gefühlszentrum im Gehirn, das "Limbische System". Wichtig dabei: Das läuft unterbewusst, es ist vom Verstand nicht zu verhindern, die Tränen laufen unkontrolliert. Weihnachtslieder, wie zum Beispiel "Stille Nacht, heilige Nacht" rühren uns ganz besonders. Musik ist hier der unterbewusste Schlüssel zu Erinnerungen – zur Bescherung, zu den Großeltern, zum Weihnachtsbaum, zur frühesten Kindheit. Man merkt es nicht, aber man versinkt in den Gefühlen der ersten Lebensjahre, sagt Heier.

Lässt sich diese Tatsache auch irgendwie nutzen?

Es gibt Menschen, die nach einem Schlaganfall kein Wort mehr sprechen können. Aber singen können sie, sicher in Text und Musik. Oft "wachen sie auf", wenn sie im Weihnachtsgottesdienst uralt vertraute Lieder hören. Auch wenn sie den Text vielleicht nicht verstehen – singen können sie ihn.

Stichwort: Weihnachtsmusik-Hasser. Ist das dasselbe Muster?

Falsche Frage: Mehr als 95 Prozent aller Menschen sind musikalisch, auch wenn sie es selbst nicht wissen. Das kann man testen: Wenn man Musik nur ein bisschen verfälscht, gerade so, dass der Hörer es bewusst nicht merkt, dann kann man doch ein elektrisches "Protestsignal" im Gehirn nachweisen – nach wenigen Zehntelsekunden über der rechten Stirn.

Muss man erwachsen sein und die "richtige" Musik erlernt haben?

Nein, schon Kinder mit fünf Jahren reagieren mit diesem Protestsignal. Aber: Kinder mit Sprachstörungen reagieren nicht – die Sprache der Worte und die Sprache der Musik sind offenbar verwandt.

Hat Musik mit Sprache zu tun?

Wissenschaftler glauben, dass sie eine zweite Sprache ist – oder sogar die ursprüngliche. Was dafür spricht: Auf falsche Sätze reagieren wir wie auf falsche Musik. Auf den Satz "Der Weihnachtsmann ist dicker als draußen" reagiert das Gehirn mit einem Protestsignal, so wie bei "falscher" Musik – aber nicht im rechten Hirn, sondern links. Weihnachtslieder haben beides.

Ist das gesund?

Weihnachten kombiniert das alles: Weihnachtslieder in getragener Musik und bekannten Worten, Erinnerung, Gefühl und auch Gemeinschaft. Der nächtliche Weihnachtsgottesdienst ist die pure Lust für das Gefühlszentrum, ein Feuerwerk im limbischen System im Gehirn. Es ist ein wunderbares Erlebnis. Mehr Gefühl geht fast nicht.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 3. Dezember 2018, 10:10 Uhr

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