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Mitmachen statt zuschauen

Projektarbeit holt Bremer Jugendliche auf die Bühne

21. Dezember 2018

Weihnachtsmärchen sind der Renner. Für viele Heranwachsende aus eher sozial benachteiligten Stadtteilen ist dies jedoch das einzige Mal im Jahr, dass sie ins Theater gehen. Wenn überhaupt. Dabei bemühen sich sowohl Schulen als auch die Theater selbst, Kinder und Jugendliche aus "bildungsfernen" Familien zu erreichen und nicht nur zum Zuschauen, sondern auch zum Mitmachen auf der Bühne zu bewegen. Aber wie machen sie das?

Jugendlich proben für einen Auftritt [Quelle: Alexander Hauer]
Im Musikraum der Oberschule am Waller Ring laufen die Proben für das Theaterprojekt "Radio Waller Welle". [Quelle: Alexander Hauer]

 

Der Beitrag von Margit Ekholt:
Jugendliche machen Theater [5:02 Minuten]

Brauhaus-Keller im Bremer Theater am Goetheplatz. Ein fensterloses, weißgetünchtes Gewölbe. Knapp ein Dutzend Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren stehen im Kreis zusammen, experimentieren mit Mimik und Gesten. Trainerin Marie-Theres gibt Anweisungen. Die Mädchen und Jungen kommen nicht nur aus gutbürgerlichen Bremer Stadtteilen wie Schwachhausen oder Horn, sondern auch aus Gröpelingen, Blumenthal oder der aufstrebenden Neustadt, so wie der 18-jährige Abdul. Er stammt aus Afghanistan, seine Betreuerin machte ihn vor zwei Jahren auf die Jugendsparte am Theater aufmerksam und er hat gleich Feuer gefangen.

Man kann hier viele Sachen lernen, neue Leute kennenlernen, das macht Spaß.

Abdul

Zauberformel: Projektarbeit

Wie erreichen die Theater Jungen und Mädchen, die aus Familien stammen, die mit bildenden Künsten nichts am Hut haben? Die Zauberformel lautet: nicht warten, bis die Kinder von sich aus kommen, sondern selbst in die eher kulturfernen Stadtteile gehen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt "Aus dem Nichts". Rebecca Hohmann, die Leiterin des Moks-Theaters, beschreibt es so:

Bei diesem Projekt arbeiten wir mit fünf verschiedenen Schulen aus dem Stadtgebiet in Bremen zusammen. Aus unterschiedlichen Stadtteilen. -und am Ende kommen alle zu uns und zeigen sich gegenseitig die Ergebnisse.

Rebecca Hohmann

Fehlende Unterstützung

Ein anderes Projekt heißt "Kultur macht stark". Es wird durch den Bund mitfinanziert. Auch da gehen Theaterpädagogen in eher abgehängte Ortsteile und arbeiten dort direkt mit Jugendlichen an kleinen Szenen. Leider fehle es oft an der Unterstützung durch die Eltern, erzählt Rebecca Hohmann.

Wo wir dann Theatergruppen installieren, in Obervieland, Blumenthal oder Gröpelingen, dass wir merken, dass die Kinder auf sich allein gestellt sind, dass nicht die Eltern dahinter stehen und sagen: heute ist Mittwoch, du musst zum Theater, und dass man vorbei gehen und die abholen muss, und auch wieder zurückbringen muss, diese Kinder.

Rebecca Hohmann

Persönlichkeits- und Identitätsförderung

Szenenwechsel. Die Oberschule am Waller Ring im Bremer Stadtteil Walle. Im Musikraum laufen die Proben für das Theaterprojekt "Radio Waller Welle". 20 Schüler und Schülerinnen des achten Jahrgangs und der Vorklasse erarbeiten eine Show mit Musik, Tanz und Szenen, die im Frühjahr als Live-Show präsentiert wird.

Professionelle Hilfe bei der Theaterarbeit kommt von der Kultureinrichtung Opus 100. Projektleiter Alexander Hauer erarbeitet gerade mit Jugendlichen neben der Radioshow auch Shakespeares Sommernachtstraum.

Wir haben Musik, Bewegung, Tanz, Theater, der Flyer soll aus den Schülern heraus entstehen, wir haben eine Kostümgruppe, eine Bühnenbildgruppe, das heißt, der komplette neunte Jahrgang ist beteiligt.

Alexander Hauer

Theaterspiel, so heißt es, fördert die Persönlichkeit und die Identität der Kinder. Alexander Hauer kann das bestätigen. Er wie auch Rebecca Hohmann vom Mokstheater haben schon erlebt, dass auch in den eher benachteiligten Stadtteilen schon so manches große Talent entdeckt wurde.

 Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. Dezember, 16:40 Uhr.

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