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Fair und nachhaltig produzierte Kleidung

Gibt es einen Wandel in der Textilindustrie?

29. November 2018

Blick in eine ausgebrannte Textilfabrik in Saver, Dhaka, Bangladesch. [Quelle: DPA, Photoshot]
Blick in die ausgebrannte Textilfabrik in Saver, Dhaka, Bangladesch. [Quelle: DPA, Photoshot]

Einstürzende Fabriken, pestizidverseuchte Bauernhöfe, Akkord-Arbeit zu niedrigsten Preisen: die Bedingungen für Angestellte der Textilindustrie in Asien sind auch nach dem Fabrikbrand in Pakistan 2012 weiter mieserabel. 258 Menschen sind bei dem Unglück damals ums Leben gekommen. Vier der Opfer verklagen deshalb den Discounthändler Kik. Wer sich mit dem Kleidungsmarkt beschäftigt, landet schnell bei dieser oder einer ganz ähnlichen Geschichte. Und wer einkauft, der landet oft ebenso schnell bei Kleidung, die unter genau diesen Produktionsbedingungen hergestellt wurde.

Fair und nachhaltig produzierte Kleidung – ein Selbstversuch

Ein Wäscheetikett mit dem Label der Fair Wear Foundation. [Quelle: DPA, Karo Kraemer]
Fair Wear Foundation [Quelle: DPA, Karo Kraemer]

Bremen Zwei-Reporterin Katharina Guleikoff wollte es besser machen und sich "fair" kleiden. Ihr Fazit: Das ist gar nicht so schwer. Hier sind ihre Tipps:

  • Das Angebot im Internet ist groß und viele Shops belegen anhand von Nachhaltigkeitsberichten wie und wo ihre Ware produziert wird.
  • Das Etikett "Made in China" bedeutet nicht immer gleich Schlechtes: Einige Kleidungsstücke können zum Beispiel nicht in Europa hergestellt werden. Fasern wie Seide, Hanf oder Kaschmir werden direkt in China gewonnen und auch dort verarbeitet. Sie können demnach sehr wohl "fair" und "nachhaltig" produziert sein.
  • Drei internationale Siegel gelten als verlässlicher Anhaltspunkt für faire Kleidung: Fair Wear Foundation, IVN best und Global Organic Textile Standard (GOTS).

Nachhaltig und faire Kleidung – ein Selbstversuch [3:30 Minuten]

Weiterhin schlechte Arbeitsbedingungen

Näherinnen in einer in Bangladesch mit Mundschutz an Nähmaschinen. [Quelle: DPA, Mehedi Hasan/NurPhoto]
Näherinnen in einer Fabrik in Bangladesch. [Quelle: DPA, Mehedi Hasan/NurPhoto]

Was hat sich in der Zwischenzeit getan? Darüber möchte ich mit Gisela Burckhardt sprechen. Sie ist geschäftsführende Vorsitzende des Vereins FEMNET und engagiert sich seit vielen Jahren zudem in der sogenannten Kampagne für Saubere Kleidung, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der internationalen Textil -und Bekleidungsindustrie einsetzt. Sie konnte auf ihren Reisen zu den Produktionsstätten einen Sinneswandel feststellen – auch bei den großen Modekonzernen. Unter anderem gibt es ein Brandschutzabkommen und bessere Sicherheitsvorkehrungen. Die Arbeitsbedingungen hätten sich aber noch nicht geändert.

Die Frauen und Männer müssen weiterhin schuften und Überstunden machen für einen viel zu niedrigen Lohn. Und auch, dass man sich gewerkschaftlich organisiert ist fast unmöglich.

Gisela Burckhardt, FEMNET

Produktionsbedingungen in der Textilindustrie [3:51 Minuten]

Der Kommentar: Eine Kernfrage der Globalisierung

Mehrere hundert tote Arbeiterinnen und Arbeiter. Das war die schreckliche Bilanz nach einem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Pakistan. Mittlerweile ist das sieben Jahre das her. Und die Folgen sind juristisch immer noch nicht komplett aufgearbeitet. Vier Hinterbliebene bzw. Überlebende von damals haben den Modekonzern kik, der in der Fabrik produzieren ließ, auf Schmerzensgeld verklagt.

Mehrere hundert tote Arbeiterinnen und Arbeiter, so die schreckliche Bilanz nach einem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Pakistan. Sieben Jahre danach sind die Folgen juristisch immer noch nicht komplett aufgearbeitet. Überllebenden und Hinterbliebene haben den Modekonzern kik, der in der Fabrik produzieren ließ, auf Schmerzensgeld verklagt. Dieser Zivilprozess wird nun vorm Landgericht Dortmund verhandelt. Kik wehrt sich gegen Entschädigungszahlungen und argumentiert, die Ansprüche der Opfer seien verjährt. Hören Sie dazu unseren Kommentar von Jürgen Webermann...

Autor/-in: Jürgen Webermann
Länge: 2:29 Minuten
Datum: Donnerstag, 29. November 2018
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei
Beitragsreihe: Der Kommentar

Dieser Zivilprozess beginnt jetzt vor dem Landgericht Dortmund. Kik wehrt sich gegen Entschädigungszahlungen und argumentiert, die Ansprüche der Opfer seien verjährt. Das Verfahren betrifft eine Kernfrage der Globalisierung, meint Bremen Zwei Kommentator Jürgen Webermann: "Wer haftet, wenn es in einem Billiglohnland zu schweren Industrie-Katastrophen kommt?"

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. November 2018, 6:36 Uhr

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