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Kunst Performance

Hand in Hand mit Unbekannt

19. Oktober 2018

Mit wem halten Sie normalerweise Händchen? Mit ihrem Partner, mit Ihren Kindern wenn die noch was kleiner sind – und vielleicht auch noch mit Ihren Eltern, wenn die schon was älter sind und ein bisschen wackelig auf den Beinen. Aber mit völlig fremden Leuten? Das ist für viele wahrscheinlich etwas befremdlich. Aber genau mit dieser Befremdlichkeit soll Schluss sein fordert eine schottische Künstlerin, die gerade Führungen durchs Bremer Viertel anbietet.

Rosana Cade [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]
Rosana Cade will mit ihrem Projekt zwischenmenschliche Brücken bauen. [Quelle: Radio Bremen, Nikolas Golsch]

Ein Beitrag von Nikolas Golsch:
Hand in Hand mit Unbekannt [3:38 Minuten]

Händchenhalten bedeutet für jeden etwas anderes. Aber auf jeden Fall bringt es die Erfahrung mit sich, jeden auf der Straße als potentiellen Partner zum Händchenhalten zu sehen. Für mich ist das ein sehr positiver Gedanke.

Rosana Cade, Künstlerin

Eine Hand ist für Rosana Cade eine Brücke. Ein Tor, das Menschen verbindet. Die Künstlerin aus Glasgow will allein durchs Händchenhalten die anonyme Großstadt ein Stückchen aufbrechen – und ihren Bewohnern die Angst vor dem Fremden nehmen.

Ein Netz aus Menschen

Sieben Männer und Frauen hat sie dazu ausgesucht und zu Begegnungen mit Unbekannten ausschwärmen lassen. Sie alle kommen aus Bremen und ziehen vom Startpunkt im Bremer Viertel erst los, als es langsam dunkel wird. Jeder von ihnen hat vorher einen Posten zugeteilt bekommen – entstehen soll so ein Netz aus Menschen, die sich zumindest für ein paar Minuten in fremde Hände begeben.

Aufregend findet das Cassandra, die am Osterdeich Position beziehen soll und sich gerade mit ihrem Fahrradrollstuhl in Bewegung setzt. Am Ende des Spaziergangs steht dann jemand anders, der den dann vielleicht nicht mehr ganz so unbekannten Menschen wieder ein Stück durchs Viertel mitnimmt. Nach den sieben Stationen landet der fremde Gast dann wieder am Startpunkt und darf wieder in die Nacht entschwinden. Ein Experiment, zu dem für Cassandra auch ein bisschen Mut gehört.

Neue Welten

Die Vorstellung, mit einem völlig Fremden Händchen zu halten, ist ihr dagegen gar nicht suspekt, ganz im Gegenteil. Das könne neue Welten öffnen. Sie verspricht unserem Reporter, ihm nachher zu erzählen, wie die Gespräche und vor allem die Berührungen gelaufen sind. Dabei sein darf er nämlich nicht – das sei zu intim.

Künstlerin Rosanna will mit dem Projekt auch gegen Vorurteile ankämpfen. Für sie selbst war Händchenhalten lange negativ belastet – weil sie lesbisch ist und in schottischen Fußgängerzonen oft schräg angeguckt wurde, wenn sie mit ihrer Freundin Hand in Hand unterwegs war.

Am Anfang habe ich mit dem Projekt auf eigene Erfahrungen mit dem Händchenhalten reagiert. In meiner Partnerschaft habe ich mich damit nicht immer wohlgefühlt. Aber gleichzeitig geht es ja auch darum, wie es ist, körperlichen Kontakt mit Fremden zu haben. Das kann einem vieles eröffnen.

Rosana Cade, Künstlerin

Bei Cassandra scheint das geklappt zu haben: Nach ihren ersten beiden Begegnungen strahlen ihre Augen. Dadurch, dass man sich an der Hand halte, erzähle man sich viel schneller private Dinge.  

Hinweis

Die Führung findet noch bis Sonntag (21. Oktober) täglich statt. Dazu müssen Sie sich auf der Webseite der "Schwankhalle" Bremen anmelden. Die Karten zu den jeweiligen Führungen kosten zwischen 7 und 14 Euro.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 19. Oktober 2018, 8:36 Uhr

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