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Neuer Trend in der Landwirtschaft

"Solawi" auf Hof Grummersort in Hude

Die Zeit der kleinen Bauernhöfe ist vorbei. Viele kleine Betriebe machen dicht, sie sind unrentabel geworden. Doch es gibt mittlerweile eine Gegenbewegung: die Solidarische Landwirtschaft, kurz "Solawi". Eine Gruppe von Menschen trägt die Kosten der Bewirtschaftung und bekommt  dafür einen Teil der Ernte. Die Bauern haben ein sicheres Einkommen. Wie das genau funktioniert, hat sich Frank Jakobs in Hude im Landkreis Oldenburg angesehen.

Neue Chance für kleine Höfe: die solidarische Landwirtschaft. Vorfinanzierung gegen Ernteanteil – das ist das Konzept, auch auf dem Hof Grummersort in Hude.

Autor/-in: Frank Jakobs
Länge: 3:16 Minuten
Datum: Mittwoch, 13. Februar 2019
Sendereihe: Der Morgen | Bremen Zwei

"Solawi" auf Hof Grummersort in Hude

Auf dem Hof Grummersort in Hude leben 28 Kühe und rund 20 Schweine. Die Tiere haben viel Auslauf – die Schweine werden irgendwann geschlachtet und die Kühe geben Milch. Die Milch wird in der hofeigenen Käserei verarbeitet, erklärt der 32-jährige Landwirt Eike Frahm: "Heute wurde Bergkäse hergestellt, der geht dann morgen in den Reiferaum und dann dauert es ein halbes Jahr, bis man den ersten jungen Bergkäse dann kosten kann."

Der Demeter-Hof existiert seit 30 Jahren. Aktuell betreiben ihn drei Familien. Frahm und seine Mitstreiter haben mit dem Generationenwechsel aus einem Teil des Betriebes eine solidarische Landwirtschaft gemacht. Kurz "Solawi".

Solidarische Landwirtschaft bedeutet, dass sich eine Gruppe von Menschen um den Hof herumstellt und die Kosten der Bewirtschaftung trägt, das heißt unsere Produktion wird im Vorfeld finanziert und wir verteilen jede Woche einen bestimmten Anteil unserer Ernte.

Eike Frahm, Landwirt

Vielfältige Ernte

Die Ernte ist vielfältiger als auf einem konventionellen Hof, der sich meist spezialisiert hat. Hier gibt es neben den Tieren auch Gewächshäuser für Salate und Gemüse und Äcker für Getreide und Kartoffeln.

Eine, die regelmäßig ihre Lebensmittel vom Hof Grummersort bekommt, ist die 26-jährige Lehramtsstudentin Elisa aus Oldenburg. Gemeinsam mit einer Mitbewohnerin teilt sie sich einen Anteil. "Wir zahlen den Richtwert und der liegt für einen halben Anteil bei 86 Euro im Monat. Also von den Produkten, die wir kriegen, müssen wir nichts zusätzlich einkaufen."

Kartoffeln, Möhren, Rote Beete und anderes Gemüse der Saison bekommen die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft jede Woche. Dazu Brot aus der eigenen Hofbäckerei, Milch und Fleisch. Ihren Anteil kann Elisa an drei Standorten in Oldenburg oder direkt auf dem Hof in Hude abholen.

Die Lebensmittel sind unglaublich lecker, und da habe ich einen Gewinn an Qualität. Vorher dachte ich immer, dass ich mir Demeter-Produkte nicht leisten kann als Studentin. Das Gefühl habe ich gar nicht mehr. Mit dem, was ich bekomme für das Geld, ist das total gut. Außerdem habe ich auch das Gefühl, sozialpolitisch einen Beitrag leisten zu können. Das gibt mir unglaublich viel.

Elisa, Solawi-Anteilseignerin

Brücke zwischen Stadt und Land

Der Solawi-Hof in Hude hat rund 70 Mitglieder. Jedes Jahr, etwa im April, stellt der Betrieb öffentlich seinen Finanzplan vor. Dann können Interessierte für ihre Anteile bieten. Zum Beispiel für einen halben Anteil 86 Euro zahlen oder auch mehr. Viele Mitglieder kommen aus der Stadt. Die solidarische Landwirtschaft sei eine Brücke zwischen Stadt und Land, sagt Eike Frahm. Er hofft, dass noch mehr Menschen den Hof unterstützen, denn zurzeit ist diese Form der Landwirtschaft angesagt. In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 200 Betriebe dieser Art. Tendenz steigend. Auch Landwirt Eike Frahm hat Spaß daran.

Die ersten Zwiebeln kommen aus der Erde, und man weiß, die freuen sich drauf in der Stadt. Oder der Feldsalat ist nächste Woche schnittbereit und man weiß, wer das bekommt und für wen man das macht, und dann macht das auch richtig Freude.

Eike Frahm

Solidarische Landwirtschaft in der Region

Landwirtschaft finanzieren – nicht Lebensmittel. Das ist das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft. Eine Gruppe Menschen geht in finanzielle Vorleistung; jeder erhält im Gegenzug seinen Teil der Ernte, regional und ökologisch produziert. Ein Trend, der überall im Land Anhänger hat. Die "Solawis" haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, alle Infos und eine Karte mit Betrieben in der Region gibt es hier:

Website Solidarische Landwirtschaft

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 13. Februar 2019, 8:35 Uhr.

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