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Ur-Insekten

Springschwänze und Silberfischchen

8. November 2019

Insekten sind wichtige Tiere in einem sehr empfindlichen Ökosystem. Jedes einzelne von ihnen hat darin seinen Platz. Um das besser zu verstehen, stellen wir Ihnen einige Insekten vor. Dieses Mal geht es um welche, die es schon sehr viel länger gibt als uns Menschen: Ur-Insekten. Kerstin Burlage hat zwei Arten davon näher kennen gelernt.

Insekten sind wichtige Tiere in einem sehr empfindlichen Ökosystem. Jedes einzelne von ihnen hat darin seinen Platz. Um das besser zu verstehen, stellen wir Ihnen einige Insekten vor. Dieses Mal geht es um welche, die es schon sehr viel länger gibt als uns Menschen: Ur-Insekten. Kerstin Burlage hat zwei Arten davon näher kennen gelernt.

Autor/-in: Kerstin Burlage
Länge: 4:09 Minuten
Datum: Samstag, 9. November 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Winzig klein sind sie, mit bloßem Auge kaum zu entdecken. Aber unter dem Mikroskop sehen manche von ihnen richtig niedlich aus: knallgrün und kugelrund oder auch braun-gestreift und borstig. Springschwänze sind Ur-Insekten, von denen es allein in Mitteleuropa etwa 300 verschiedene Arten gibt.

Besuch beim Naturschutzbund

Rosa Schubert und Annette Siegert vom Naturschutzbund in Bremen haben mich in das Gewächshaus auf dem Nabu-Gelände eingeladen, um mir Springschwänze zu zeigen. Mit einer großen Lupe in der Hand inspiziert Rosa Schubert ein Häufchen Erde aus einem Blumentopf. Doch trotz Lupe und geduldigen Wühlens gelingt es uns nur ein paar Mal ganz kurz, eins der Winz-Tierchen zu entdecken: Sie verbuddeln sich wieder, kaum dass sie aufgetaucht sind. Dass dieses bisschen Blumenerde voll von ihnen ist, daran hat die Expertin trotzdem keinen Zweifel, denn es sind vermutlich die häufigsten Insekten überhaupt:

In einem Liter fruchtbaren Erdboden können bis zu 2.000 Springschwänze leben. Nur jetzt gerade wollen sie sich nicht zeigen.

Rosa Schubert

Ein vergrößertes Bild mit einem Springschwanz zeigt ein längliches Insekt mit einem kleinen Kopf und zwei langen Fühlern.

Und was man bei denen besonders gut sehen kann, ist die Furca, auch Sprunggabel genannt, die den Springschwänzen ihren Namen gegeben hat.

Rosa Schubert

Sie können sich mit diesem Fortsatz am Hinterleib blitzschnell abstoßen und mehrere Zentimeter weit hüpfen. Springschwänze leben auf Pflanzen und Bäumen, an und auf dem Wasser und sogar auf Schneeflächen. Vor allem aber sind sie Bodentiere.

Weil sie tote organische Substanz zersetzen. Deswegen sind sie im Kompost total willkommen – da leben ganz viele, die fleißig daran mitarbeiten, dass der Kompost hinterher dann wieder in den Garten zurückgeführt werden kann und das ist was, wo die Springschwänze unglaublich nützlich sind.

Rosa Schubert

Lichtscheu, flink und flügellos

Silberfischchen (Lepisma saccharina), auf dem Fußboden. [Quelle: DPA, R. Sturm/Blickwinkel]
Silberfischchen, ein weiteres Ur-Insekt, das seinen Namen aufgrund der schlängelnden Bewegungen des silbergrauen, stromlinienförmigen Körpers bekommen hat. [Quelle: DPA, R. Sturm/Blickwinkel]

Genauso lange wie die Springfische – nämlich 300 Millionen Jahre – ist noch ein anderes Ur-Insekt auf diesem Planeten zuhause: das Silberfischchen. Es hat richtige Schuppen, die metallisch glänzen und bewegt sich schlängelnd fort wie ein Fisch. Viele Menschen sind nicht gerade begeistert, wenn sie nachts ins Bad gehen und dort schlängelt sich ein Silberfischchen über die Fliesen. Dabei sind die scheuen und nachtaktiven Tierchen eigentlich ganz praktische Mitbewohner:

Es steht auf Hausstaubmilben. Und was sie auch gerne fressen sind Schimmelpilze.

Annette Siegert

Trifft man also im Bad sehr viele Silberfischen, sollte man am besten mal prüfen, ob es irgendwo unentdeckte Schimmelstellen gibt, rät Annette Siegert. Besonders gern mögen Silberfischchen Süßes, was ihnen auch den Namen "Zuckergast" eingetragen hat. Wenn solche Delikatessen fehlen, begnügen sie sich auch mal mit Tapetenkleister – oder halten einfach Diät:

Das ist überhaupt kein Problem. 300 Tage ohne Nahrung halten die durch. Da machen die einfach gar nix und liegen nur in der Ecke rum und warten, bis wieder was anfällt.

Annette Siegert

Genügsam und unverwüstlich

Vielleicht ist es ja diese Genügsamkeit, durch die das Silberfischchen es – genau wie der Springschwanz – geschafft hat, vom Erdaltertum vor über 300 Millionen Jahren bis in unsere Zeit zu überleben.

Die haben schon alles Mögliche mitgemacht. Damals gab’s ja nur eine große Landmasse und drumrum war Wasser und dann hat sich alles aufgespalten in die verschiedenen Kontinente – und Gebirge haben sich gebildet und neue Ozeane – und alles haben sie überlebt!

Annette Siegert

Möglicherweise werden sie auch uns Menschen überleben. Auf jeden Fall lohnt es sich, die unverwüstlichen Ur-Insekten wertzuschätzen – vielleicht können wir ja was von ihnen lernen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 09. November 2019, 14:50 Uhr

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