Livestream

Bremen Zwei Themen

Deutscher Buchpreis

Bekanntgabe der Shortlist

Gespräch mit Esther Willbrandt

11. September 2018

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse, am 8. Oktober, den deutschsprachigen "Roman des Jahres" aus. Die Jury hat entschieden und die Shortlist bekannt gegeben. Darüber sprachen wir mit Literaturredakteurin Esther Willbrandt. Sie bewertet die Autoren und Themen der Auswahlliste.

Bücherstapel [Quelle: Radio Bremen]
Für jeden was dabei...

Sieben von Jahr zu Jahr wechselnde Juroren wählen zunächst 20 Bücher für die Longlist aus, von denen sechs auf der Shortlist übrigbleiben. Der Preisträger erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2500 Euro.

Gespräch mit Esther Willbrandt über die Shortlist:

Die sechs Favoriten für die Shortlist [3:49 Minuten]

Jedes Jahr wechseln die Juroren, und jedes Jahr aufs Neue wird an der Auswahl der Nominierten öffentlich herumkritisiert, warum eigentlich?

Das gehört einfach zum Preis dazu. Anders als zum Beispiel der Büchnerpreis ist der Deutsche Buchpreis ursprünglich als Marketinginstrument "erfunden" worden: wer auf der Shortlist steht, wird in den Buchhandlungen besonders prominent platziert. Bei der Auswahl geht es entsprechend nicht nur um literarisches Können, sondern auch um Massentauglichkeit. Man will den Lesern einfach eine Auswahl interessanter Neuerscheinungen vorstellen. Und immer stehen Romane auf der Liste, von denen ich sagen kann: Ja, das kann ich verstehen, und andere, wo ich denke: Naja, also, da hätte ich aber einen anderen stärker gefunden, der jetzt gar nicht berücksichtigt wurde – auch das gehört dazu. Eine Änderung hat es diesmal gegeben: Der Literaturkritiker Christoph Bartmann ist in diesem Jahr zum zweiten Mal in der Jury, also vielleicht merken die Verantwortlichen, dass mehr Konstanz da nicht schaden würde.

Wie schätzt Du die Shortlist 2018 ein?

Auffällig finde ich die große Zahl historischer Erzählungen, die es auf die Shortlist geschafft haben. Nino Haratischwili erzählt in "Die Katze und der General" von den Schatten des Tschetschenienkriegs, Maria Cecilia Barbetta nimmt uns in "Nachtleuchten" mit ins politisch aufgewühlte Argentinien der 70er. Maxim Biller erzählt in "Sechs Koffer" eine russisch-jüdische Familiengeschichte. Stefan Thomes schwergewichtiger Roman "Gott der Barbaren" spielt im China des 19. Jahrhunderts. Und die gebürtige Hamburgerin Inger Maria Mahlke erzählt in ihrem großen Familienroman "Archipel", der auf Teneriffa spielt, ein Jahrhundert rückwärts.

Die Romane ähneln sich ein bisschen, weil sie Geschichte und Politik mit Gegenwartskritik und menschlichen Einzelschicksalen verknüpfen. Aber natürlich haben alle einen ganz eigenen Zugang gefunden. Ansonsten diesmal deutlich die Luftwurzelliteratur vertreten – also: Romane von Autorinnen, die ihre kulturellen Wurzeln in anderen Ländern haben, aber in der deutschen Literaturszene genauso heimisch sind und oft in mehreren Sprachen schreiben. Ich nehme an, dass die Juroren nicht gezielt danach ausgewählt haben, sondern nach allgemeingültigen Kriterien, und das ist eine erfreuliche Entwicklung.
Ein Roman, der in meinen Augen heraussticht ist "Der Vogelgott" von Susanne Röckel, eine fantastisch anmutende Geschichte. 

Wer hat denn gute Chancen, am Ende den Preis mitzunehmen?

Die Autorin Maria Cecilia Barbetta. Sie schreibt über den Ort Ballester, bei Buenos Aires, in dem sie aufgewachsen ist und als Mädchen den Übergang des Landes in die Diktaktur erlebt hat. Ihr Roman ist gleichzeitig persönlich und er zeichnet ein großes Panorama. Er wurde dafür von der Kritik und den Lesern sehr wohlwollend aufgenommen. Also: "Nachtleuchten" hat in meinen Augen gute Chancen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. September 2018, 11:10 Uhr.

Bremen Zwei
Info & Service
Themen-Archiv