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Sentinelesen – ein Volk in der Andamanensee

Abgeschottet von der Außenwelt

Gespräch mit Stephanie Walda-Mandel

27. November 2018

Im Amazonasgebiet gibt es sie, und auf einer Insel im indischen Ozean: Völker, die abgeschottet von der Außenwelt leben. Eines davon sind die Sentinelesen, deren Insel North Sentinel nicht betreten werden darf. Wer es dennoch tut, gerät in Lebensgefahr. Gerade erst wurde ein junger Mann getötet, der die Menschen missionieren wollte.

North Sentinel Island aus der Luft gesehen [Quelle: DPA, AP Photo/Gautam Singh]
Betreten verboten! Auf North Sentinel lebt das Volk der Sentinelesen völlig abgeschottet von der Außenwelt. [Quelle: DPA, AP Photo/Gautam Singh]

Gespräch mit Stephanie Walda-Mandel, Anthropologin [4:41 Minuten]

Die Insel North Sentinel gehört zu den Andamanen, sie ist halb so groß wie Bremen. Man geht davon aus, dass die Sentinelesen vor etwa 50.000 Jahren von Afrika aus eingewandert sind, sagt die Anthropologin Stephanie Walda-Mandel vom Bremer Übersee-Museum.

Über das Volk ist nur sehr wenig bekannt, es gibt kaum Fotos; die Weltbilder und Gedankenstrukturen der Menschen sind unbekannt. Im 20. Jahrhundert gab es einige Kontakte: In den 70er-Jahren kam ein Fernsehteam auf die Insel und durfte filmen, in den 90er-Jahren gab es Kontakte zu indischen Beamten. Danach entschied sich das Volk, keinen Kontakt zur Außenwelt zu wollen – und das wurde von der indischen Regierung respektiert. Seitdem sind Ethnie und Insel geschützt, die Insel darf nicht betreten werden.

Abschottung als Selbstschutz

Sich vor Außeneinflüssen zu schützen, ist für die Sentinelesen überlebenswichtig, sagt Walda-Mandel: Sie haben miterlebt, dass Völker auf den anderen Inseln durch Kontakte mit der Außenwelt krank wurden oder sogar ausstarben. Sie haben keine schützende Immunabwehr. Die Abschottung dient also dem Schutz des eigenen Lebens und der Traditionen und Kultur.

Ich glaube, dass ihnen sehr bewusst ist, dass sie in dem Moment, in dem sie sich mit der Mehrheitsbevölkerung einlassen, praktisch alles verlieren. Und es ist, glaube ich, ihr höchstes Ziel, sich und ihre Gesundheit zu schützen.

Stephanie Walda-Mandel, Anthropologin

Das westliche Bild von den "letzten Steinzeitmenschen" auf der Erde stimme nicht, sagt Walda-Mandel.

Es sind Zeitgenossen! Und jede Bevölkerungsgruppe entwickelt sich immer irgendwie weiter und verändert sich. Das gilt auch für diese Menschen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 27.November 2018, 14:10 Uhr.

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