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Schwerpunkt: Tierversuche

Internationaler Tag des Versuchstiers

Sie heißen 4282, B631 oder H7/565 – Versuchstiere in Deutschland. Jedes Jahr müssen in deutschen Laboren Millionen Mäuse, Ratten, Affen, Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und andere Tiere leiden und sterben. Tierversuche sind ein lukratives Geschäft. Und in kaum einem anderen Land in der EU gibt es so viele wie in Deutschland. Der Internationale Tag des Versuchstiers am 24. April soll helfen, auf die Schicksale dieser Tiere aufmerksam zu machen.

eine weiße Maus sitzt auf einem Holzgestell in einem Labor [Quelle: Imago/epd-bild, Rolf K. Wegst]
Eine von Millionen: Diese Labormaus wird für ein Entscheidungs-Experiment benutzt. [Quelle: Imago/epd-bild, Rolf K. Wegst]

Der 24. April ist Internationaler Tag des Versuchstiers. 1962 wurde er in England ins Leben gerufen, auf Initiative von Lady Dowding, die in einer Tierschutzbewegung aktiv war. Versuchstiere – das sind nicht nur weiße Labormäuse. Es sind auch Schweine, Fische, Hunde, Katzen und Pferde. All diese Tiere werden bei Tierversuchen verwendet und eigens dafür gezüchtet.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium und auch viele Forscher meinen, dass auf Tierversuche vor allem in der medizinischen Forschung noch nicht verzichtet werden könne. Eine ähnliche Haltung hat auch die EU. Langfristig wollen sowohl der Bund als auch die EU die Tierversuche verringern oder ganz abschaffen. Dafür sind bereits seit Jahren die Regeln für eine Genehmigung im Hinblick auf das Leid der Tiere und der Tierhaltung verschärft worden. Zudem sollen Alternativmethoden verstärkt gefördert werden. 

Wo werden Tiere in der Forschung eingesetzt?

Offiziell wurden im Jahr 2018 2,8 Millionen Tiere für Tierversuche verwendet. Nicht gezählt wurden dabei jedoch 3,9 Millionen Versuchstiere, die gezüchtet, getötet, aber nicht für wissenschaftliche Zwecke genutzt wurden. Das ergab eine aktuelle Kleine Anfrage der Grünen zur Zahl der Versuchstiere in Deutschland.

Die meisten Tiere werden in der Grundlagenforschung genutzt. Zwar ging die Zahl der Versuchstiere in der Medikamentenforschung und anderen Sicherheitsstudien zurück, aber ohne Tierversuche können Medikamente und Impfstoffe in Deutschland nicht zugelassen werden. In einigen Bereichen gibt es seit einigen Jahren offiziell keine Tierversuche mehr. In der Kosmetikherstellung zum Beispiel sind Tierversuche verboten. Botox jedoch wird nach wie vor an Versuchstieren getestet, sofern eine Botoxbehandlung nicht als kosmetische, sondern als medizinische Behandlung eingestuft wird. 

Pro und Contra Tierversuche

Wie notwendig Tierversuche sind, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Tierschützer sagen, dass Studien, zum Beispiel in der Medikamentenforschung, nicht eins zu eins übertragbar seien. Die Tiere werden genetisch modifiziert, sie bekommen Krankheitserreger verabreicht. Und es gebe mittlerweile Alternativen. Rolf Hömke vom Verband forschender Arzneimittelhersteller betont, man sei in der Medikamentenforschung auf Tierversuche angewiesen. Das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft versucht, Tierversuche zu vermeiden und zu reduzieren. So die offizielle Haltung. Allerdings gibt es aktuell keinen Zeitplan für einen Ausstieg aus Tierversuchen. 

Informationen von Ziphora Robina:
Tierversuche: Was dafür und was dagegen spricht [5:00 Minuten]

Grundlagenforschung mit Makaken

Knapp 44 Prozent aller Tierversuche werden in der Grundlagenforschung gemacht.. Das geht aus den Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervor. Ein Beispield für langjährige Grundlagenforschung an Affen gibt es am Institut für Hirnforschung der Uni Bremen. Ziel der Versuche an Makaken ist es, herauszufinden, was für neurobiologische Vorgänge im Gehirn entstehen, wenn die Tiere zum Beispiel konzentriert oder aufmerksam sind. Die Wissenschaftler hoffen, die Vorgänge im Gehirn besser zu verstehen und so vielleicht Methoden zu entwickeln, um psychische Krankheiten zu heilen. Schnelle Ergebnisse wird es nicht geben.

Affen mit Implantat am Kopf [Quelle: Radio Bremen]
An der Uni Bremen werden die Hirne von Makaken erforscht.

Kritik an den Versuchen äußert Robert Porzel vom Verein "Ärzte gegen Tierversuche". Er bezeichnet die Forschung als "Neugierforschung",. Denn es gäbe keine Angaben darüber, ob die Ergebnisse der Experimente überhaupt auf den Menschen übertragbar seien. Zudem gebe es bereits andere Möglichkeiten, das menschliche Gehirn zu untersuchen, so Porzel. Beispielsweise im Gehirnscanner oder durch künstliche Organe. Er kritisiert die Mittelvergabe der Deutschen Forschungsgesellschaft: Drei Milliarden Euro für Tierversuche stünden ganze acht Millionen für tierversuchsfreie Alternativen gegenüber.

Ein Beitrag von Fabian Metzner:
Tierversuche: Experimente mit Makaken [4:40 Minuten]

Tierversuche reduzieren: das Projekt "Beating Heart"

Sebastian Müller am Laptop  [Quelle: Bremen Zwei, Hilke Theessen]
Sebastian Müller forscht im Projekt "Beating Hearts". [Quelle: Bremen Zwei, Hilke Theessen]

Ein Projekt, um Tierversuche in der Herzforschung zu minimieren, gibt es in Bremerhaven. Dort forscht Dr. Olaf Eick, Professor für Medizintechnik, mit seinen Studenten seit Jahren an Schafherzen, die sie nach der Schlachttung entnehmen. Seit 2005 arbeiten sie gemeinsam und freiwillig in dem Forschungsprojekt: "Beating Heart“ – "schlagendes Herz". Das Projekt wird ohne Drittmittel von der Hochschule Bremerhaven finanziert, Studenten wie Sebastian Müller opfern ihre Freizeit, die ihnen neben dem regulären Stundenplan bleibt. Alles beruht auf dem hohen Engagement der Studenten, so Professor Eick.

Die Motivation damals so wie heute immer noch: Tierversuche zu reduzieren. So dass es die Möglichkeit gibt, an einem schlagenden Herzen tatsächlich auch neue Herzschrittmacher, neue Elektroden zu testen, neue Produkte zu testen, ohne, dass man dafür ein Versuchstier opfern muss.

Ziel des Projekts ist es, Erkenntnisse, zum Beispiel über einen Herzinfarkt zu gewinnen, um später denkbare Therapien zu entwickeln. Medizintechnische Produkte können am schlagenden Tierherzen getestet werden, bevor diese Produkte am Menschen eingesetzt werden.

Ein Beitrag von Hilke Theessen:
Tierversuche vermeiden: das Projekt "Beating Heart" [3:36 Minuten]

Tierversuche und Tierwohl

Wie werden Tierversuche in Deutschland kontrolliert?

Autor/-in: Martin Busch
Länge: 4:49 Minuten
Datum: Freitag, 24. April 2020
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Die Bilder waren verstörend: verletzte oder kranke Tiere in einem Versuchslabor der Firma LPT südlich von Hamburg, in Mienenbüttel bei Harburg. Ein Tierschützer hatte sich als Mitarbeiter eingeschlichen und die Misshandlungen gefilmt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, das Labor wurde inzwischen geschlossen. Wie kann man solche Zustände in Zukunft verhindern? Wie kann man die Tiere besser schützen? Ein Gespräch mit Christoph Eilers (CDU), Mitglied des niedersächsischen Landtags.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. April 2020, 18:05 Uhr.

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