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Krise im Bremer Stahlwerk: Wie geht es weiter?

26. November 2019

Die Stahlbranche kennt Krisen wie kaum eine andere. Auch bei Arcelor Mittal in Bremen sieht die aktuelle Lage alles andere als rosig aus: Die Aufträge nehmen ab, die Produktion wird zurückgefahren. Einer der beiden Hochöfen ist gerade stillgelegt worden. Wie geht es weiter mit der Stahlproduktion in Bremen, und wie passt das alles mit der aktuellen Klimaschutzdebatte zusammen? Unsere Reporter haben sich in einem aktuellen Themenschwerpunkt mit den verschiedenen Facetten auseinandergesetzt.

Ein Mitarbeiter von ArcelorMittal zündet einen Korb mit Kohle an [Quelle: DPA, Carmen Jaspersen]
Die Stahlbranche in Bremen ist Krisen gewohnt. Angst um ihre Jobs haben die Mitarbeiter trotzdem [Quelle: DPA, Carmen Jaspersen]

Zwangsurlaub im Dezember, Kurzarbeit für die Belegschaft ab Anfang 2020: Die Mitarbeiter des Stahlwerks Arcelor Mittal bangen um ihre Jobs. Knapp 4.000 Menschen arbeiten hier;  Arcelor ist der drittgrößte Arbeitgeber in Bremen. Zu den 4.000 Arbeitsplätzen direkt im Werk kommen noch einmal fast 5.000 bei den Zulieferern in Bremen und weitere knapp 15.000 in ganz Deutschland. Das Stahlwerk ist also für die regionale Wirtschaft von immenser Bedeutung.

Bremer Standort ist modern, flexibel und effizient

Die Frage nach der Zukunft des Stahlwerkes stellt sich allerdings nicht, davon ist die Bremer Landesvorsitzende der IG Metall, Ute Buggeln, überzeugt: "Nein. Die Bremer Hütte produziert, sie ist für Arcelor ein wichtiger Betrieb. Wir haben  bei Arcelor in Bremen hohe Güten, eine hohe Produktivität. Das ist nicht die Frage."

Das sieht auch die Bremer Arbeitnehmerkammer so. Das Stahlwerk ist sowohl auf dem Markt als auch im Arcelor-Verbund grundsätzlich in einer guten Position, betont Geschäftsführerin Heyduck: "Das Bremer Werk ist ein sogenanntes integriertes Hüttenwerk. Das heißt, wir haben alle Schritte der Stahlverarbeitung von der Eisenerz-Erzeugung bis zur Feinblech-Verarbeitung im Werk. Insofern ist es schon ein starker Standort".

Die Arcelor-Mitarbeiter müssen Überstunden und Urlaub abbummeln, im kommenden Jahr droht dann Kurzarbeit. Kurz: Das Bremer Stahlwerk von Arcelor Mittal steckt in der Krise. Wie ist es um den Stahl-Standort Bremen bestellt, und: Wäre das überhaupt vorstellbar, Bremen ohne sein Stahlwerk? Daniel Hoffmann geht diesen Fragen nach.

Autor/-in: Daniel Hoffmann
Länge: 3:00 Minuten
Datum: Mittwoch, 27. November 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Der Bremer Werksleiter Reiner Blaschek unterstützt diese Einschätzung. Für ihn rangiert der Standort Bremen europaweit im vorderen Mittelfeld, auch wegen der Investitionen der letzten Jahre, zum Beispiel in einen modernen Hochofen.

Nach Ansicht von Arbeitnehmerkammer-Geschäftsführerin Heyduck fehlt aber noch ein wichtiger Baustein, um den Standort Bremen krisenfester zu machen – die Forschung. Da sei die Politik gefordert, meint Heyduck. Land und Bund sollten die Voraussetzungen dafür schaffen, dass mehr Forschung an den Stahlstandort Bremen kommt.

Die IG Metall sieht in den millionenschweren Aufwendungen ein Indiz für die Wichtigkeit des Bremer Stahlwerks im Arcelor-Verbund. Allerdings ist das keine Garantie, denn das Stahlgeschäft ist immer wieder Schwankungen unterworfen. Nichts Neues für die Bremer Arcelor-Beschäftigten:

Die Belegschaft von Arcelor ist krisenerfahren. Das muss man sagen, in den letzten Jahren gab es immer wieder konjunkturelle Krisen. Die haben wir auch immer gut gemeistert. Insofern ist es nichts Neues zu sagen, Stahl ist immer krisenbehaftet.“

Ute Buggeln, Bremer Landesvorsitzende der IG Metall

Warum ist die Lage so schwierig?

Was haben Donald Trump, die USA, aber auch China und Brüssel mit der Krise im Bremer Stahlwerk von Arcelor zu tun? Die Antwort: Viel. Da kommen Stahlpreise und der Weltmarkt ins Spiel. Eine Rolle spielt da auch die Frage: Was kann ein Bremer Bürgermeister gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten tun, anders ausgedrückt: Bovenschulte gegen Trump? Christian Schwalb klärt auf.

Autor/-in: Christian Schwalb
Länge: 3:30 Minuten
Datum: Mittwoch, 27. November 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Als Grund für die schwierige Situation in der Stahlbranche gelten die schwache Nachfrage und der als "unfair" wahrgenommene Wettbewerb auf den internationalen Märkten. Mit "unfair" ist zum Beispiel der Preisdruck durch Billigimporte aus China und der Türkei gemeint, aber auch die Wettbewerbsnachteile, die auf Klimaschutz-Vorgaben der EU zurückgehen. Durch die von US-Präsident Trump erhobenen Strafzölle auf Stahlimporte aus dem Rest der Welt landet der vergleichsweise billige Stahl aus China nun auch auf den europäischen Märkten.

Ein Bremer Bürgermeister kann gegen Trump und seine Zölle natürlich wenig unternehmen. Und insofern ist es völlig richtig, dass sich die stahlproduzierenden Bundesländer zusammengetan haben und gefordert haben, dass zum Beispiel die CO2-Abgabe als Grenzsteuer eingeführt wird – damit Wettbewerbsgleichheit wieder hergestellt wird.

Elke Heyduck, Arbeitnehmerkammer Bremen

Stahlproduktion der Zukunft soll sauberer werden

Beim Thema Stahlproduktion landet man ja zwangsläufig bei CO2-Emissionen. Kurzum: Passt das eigentlich zusammen, Klimaschutz und Stahlwerk? Oder spricht schon das gegen eine Zukunft für das Bremer Stahlwerk? Daniel Hoffmann hat sich mal umgehört.

Autor/-in: Daniel Hoffmann
Länge: 3:45 Minuten
Datum: Mittwoch, 27. November 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Klimaschutz und Stahlproduktion – wie passt das zusammen?

Das Stahlwerk ist in Bremen einer der größten CO2-Verursacher. Fast die Hälfte des CO2s ist mit auf die Stahlwerke zurückzuführen in Bremen.

Maike Schaefer, Umweltsenatorin Bremen

Die schlechte Ökobilanz ist aber für die Bremer Politik kein Grund, sich von der Stahlproduktion zu verabschieden. Im Gegenteil, man dürfe den Markt nicht denjenigen überlassen, die kaum Umweltauflagen haben. Deshalb setzt man auch im Bremer Werk auf eine CO2-ärmere Stahlproduktion.

Wir stehen zu dem Thema Klimaschutz, zu der Herausforderung, die dahinter steht. Wir haben eine ganz klare Strategie der CO2-Reduktion. In einem ersten Schritt von 2017 bis 2027 hatten wir uns als Ziel gesetzt, den Ausstoß um 25 Prozent zu reduzieren.

Werner Blaschek, Werksleiter Bremen

Das reicht nicht aus, optimal wäre eine klimaneutrale Produktion. Um den CO2-Ausstoß deutlich weiter zu senken, müssten die Öfen statt mit Koks zum Beispiel mit Wasserstoff betrieben werden. Allerdings sind derartige Anlagen momentan noch zu teuer im Vergleich zu den herkömmlichen. Es wird noch einige Jahre an Forschung brauchen, bis es soweit ist.

Historischer Rückblick auf die Stahlproduktion in Bremen:

Die Produktion ist runtergefahren. Und im kommenden Jahr wird wohl ein Großteil der fast 4.000 Beschäftigten in Kurzarbeit gehen. Die derzeitige Stahlkrise trifft die Bremer Hütte hart. Da spielt die internationale und billigere Konkurrenz eine Rolle, ebenso wie die europäischen Umweltauflagen. Und noch ein Stichwort: Der Handelskrieg mit den USA. All das setzt die europäischen Stahlproduzenten unter Druck. Krisen in der Hütte alles andere als neu. Birgit Sagemann über die Geschichte der Stahlerzeugung in Bremen.

Autor/-in: Birgit Sagemann
Länge: 3:28 Minuten
Datum: Mittwoch, 27. November 2019
Sendereihe: Bremen Zwei | Bremen Zwei

Autoren: Daniel Hoffmann, Christian Schwalb, Birgit Sagemann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 27. November 2019, 6:36 Uhr

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