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Bremen Zwei Themen

Schwerpunkt: Kindeswohl

Wenn Familien an ihre Grenzen kommen

9. April 2020

Nicht wegschauen, wenn ein Kind gefährdet ist. Nicht hoffen, dass sich jemand anderes kümmern wird, wenn ein Kind misshandelt wird. Sondern selbst eingreifen und aktiv werden! So lautet der Appell des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Das gilt jetzt gerade in besonderem Maße. Denn, wo Familien eng zusammen sind, steigt auch das Potenzial für Gewalt.

Ein kleiner Junge mit Mütze sitzt an einer Wand und versteckt sein Gesicht. [Quelle: imago, Roland Mühlanger]
Übergriffe lösen bei Opfern schwere Traumatisierungen aus. [Quelle: imago, Roland Mühlanger]

Familiäre Gewalt als Folge der Isolation

Keine Schule, kein Kindergarten, kein Verein – die meisten Familien sitzen in diesen Wochen 24 Stunden täglich aufeinander. Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, rechnet deshalb fest mit einer Zunahme familiärer Gewalt als Folge der Isolation – besonders in ohnehin schon belasteten Familien. Auch in Bremen sind Beratungsstellen und Jugendhilfeträger in großer Sorge. Bremen Zwei-Reporterin Katharina Mild hat sich von der Situation in Bremen ein Bild gemacht.

Familiäre Gewalt als Folge der Isolation [3:37 Minuten]

Casemanager am Limit

Amt für Soziale Dienste [Quelle: Radio Bremen]
Amt für Soziale Dienste in Bremen.

Es ist einer der verantwortungsvollsten Jobs, den es gibt: Wenn es in Familien brenzlig wird, werden Casemanagerinnen und -manager im Jugendamt aktiv. Das Kindeswohl zu sichern, ist ihre wichtigste Aufgabe – auch und gerade in diesen besonderen Zeiten. Hierfür müssen sie auch mal unbequeme Entscheidungen treffen. Oft stehen sie für ihre Entscheidungen auch in der Kritik. Zum Beispiel im Fall Kevin, der 2006 auch über Bremens Grenzen hinaus für einen Aufschrei in der Gesellschaft sorgte. Die Kritik bezog sich damals auch auf die Strukturen: den Sparkurs des Jugendamts, die hohe Zahl von Fällen, die die Casemanager betreuen mussten, und die damit verbundene Überforderung. Was hat sich seither an den Arbeitsbedingungen geändert? Reporterin Katharina Mild hat mit Menschen gesprochen, die den Job als Casemanager vor Kurzem aufgegeben haben.

Casemanager am Limit [3:39 Minuten]

Ohne Eltern – und dann?

Förmchen im Sand [Quelle: DPA, Monika Skolimowska]
Im Extremfall müssen die Kinder aus den Familien geholt werden. [Quelle: DPA, Monika Skolimowska]

Alle Familien leben im Moment zwangsweise sehr dicht zusammen. Das kann sehr gut für die Beteiligten sein – aber auch schnell zum Problem werden. Im Extremfall schreiten Behörden ein – am Ende werden Familien getrennt. Wie blicken junge Erwachsene, die aus ihren Familien herausgenommen wurden, auf das, was ihnen widerfahren ist? Wie haben sie die schwere Zeit verarbeitet? Katharina Mild hat mit zwei jungen Frauen gesprochen, die in Pflegefamilien aufgewachsen sind und einem jungen Mann, der im SOS-Kinderdorf Worpswede großgeworden ist.

Was aus Kindern wurde, die von ihren Familien getrennt werden mussten [3:15 Minuten]

Wie schützen wir unsere Kinder?

Johannes-Wilhelm Rörig [Quelle: Imago, Reiner Zensen]
Johannes-Wilhelm Rörig [Quelle: Imago, Reiner Zensen]

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm-Rörig hat vor einigen Tagen noch einmal eindringlich an die Bevölkerung appelliert, in Fällen von Kindeswohlgefährdung nicht wegzuschauen, nicht zu hoffen, dass sich schon ein anderer kümmern wird, sondern selbst einzugreifen und aktiv zu werden. Kinderschutz ist in diesen Tagen und Wochen ein besonders wichtiges Thema, denn wo Familien eng zusammen sein, läuft es nicht zwangsläufig harmonisch ab. Im Gegenteil: Belastungen, Konflikte, Gewalt und Missbrauch nehmen zu. Doch unsere Angst, die Nachbarn anzuschwärzen, ist groß. Oft gibt es nur ein Gefühl, einen Verdacht und auch große Ratlosigkeit, was überhaupt getan werden kann. Bremen-Zwei-Reporterin Katharina Mild hat mit Kinderschutzexperten gesprochen.

Wie schützen wir unsere Kinder? [5:18 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. April 2020, 7:10 Uhr

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